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PARTEILOS

Straßenbau, Gewerbe und Rathaus

  • vonNici Merz
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Wöllstadt wächst. Seit einigen Jahren schon. Auch für 2021 sind Projekte geplant. Unliebsame, aber notwendige Straßenbauarbeiten gehören dazu. Ein Rathausneubau ist im Gespräch, das Gewerbegebiet soll erweitert werden. Bürgermeister Adrian Roskoni gibt einen Überblick über Projekte, die die Gemeinde beschäftigen werden.

Gießener Straße: Es ist der letzte große Rückbauabschnitt: Nun beginnen die Bauarbeiten auf der Gießener Straße, die mit der Freigabe der Ortsumgehung zur Kreisstraße geworden ist. Zwei Jahre wird es dauern, schätzt Roskoni. Die Straße wird zwar in Abschnitten grundhaft saniert, ist aber für den Durchfahrtsverkehr dauerhaft gesperrt. Neben der Straßenoberfläche werden auch Kanal und Wasserleitungen inklusive der Hausanschlüsse erneuert. »Gerade die Leitung in der Gießener Straße ist mit die älteste - von 1926. Diese Leitungen liegen zu lassen, um die Baumaßnahme schneller fertigzubekommen, wäre fahrlässig«, sagt Roskoni. Eine Herausforderung werde es - wieder einmal -, den Schleichverkehr zu verhindern. »Die Erfahrung bei den anderen Straßen hat gezeigt, dass es genügend Verkehrsteilnehmer gibt, die Feldwege nehmen.« Schon bei den Arbeiten in der Hanauer Straße habe es deswegen Beschwerden gegeben, aber etwas dagegen zu unternehmen, sei schwierig. Die Feldwege komplett zu blockieren sei wegen der Landwirte nicht möglich. »Damals haben wir bei einem Feldweg eine Palette mit einer Steingabione auf den Weg gestellt. Das Ergebnis war: Die Autos sind über die Wiese gefahren. Dann haben wir auf die Wiese einen Poller gestellt, der Effekt: Man fährt fünf Meter weiter über die Wiese. Es ist letztlich die Vernunft der Verkehrsteilnehmer, sich an vorgegebene Regelungen zu halten. Wer in den Ort will, kann hineinfahren, wer nach Rosbach, Niddatal will, sollte die Bundesstraße benutzen.«

Gewerbegebiet: Wenn alles gut läuft, soll die Erschließung des Gewerbegebiets in Nieder-Wöllstadt im Herbst beginnen, sagt Roskoni. Aktuell seien noch Formalitäten abzuarbeiten (u. a. müssen der Bebauungsplan sowie die Änderung des Flächennutzungsplans noch rechtskräftig werden). Es geht um eine rund fünf Hektar große Gewerbefläche, die in zwei Abschnitten erschlossen werden soll, berichtet der Bürgermeister. Insgesamt soll es zwei Jahre dauern, nach dem ersten Jahr und der ersten Hälfte sollen bereits Flächen vermarktet werden. Wie Roskoni berichtet, gebe es schon Interessenbekundungen, aber noch keine Bewerbungsverfahren - dafür seien die Zeitplanungen noch zu unkonkret. Und über die Vergabe entscheidet die Gemeindevertretung. Geplant sei, dass sich 15 bis 20 Firmen ansiedeln - »mittelständische Handwerksbetriebe, Dienstleister oder IT«. Die Grundstücke sollen Größen zwischen 1500 und 5000 Quadratmeter haben.

Neues Rathaus: Das Thema Rathausneubau beschäftigt die Gemeinde nun schon eine Weile und hat sich zu einem politischen Thema entwickelt. Von den Gemeindevertretern ist kürzlich entschieden worden, dass ein neues Rathaus gebaut wird. Laut Bürgermeister eine notwendige Investition. Denn das jetzige sei zu klein. Die Verwaltung sei ohnehin angesichts der zahlreichen Vorhaben am Limit - personell, aber auch räumlich. Deswegen sollen als Übergangslösung Bürocontainer vor dem Rathaus in Nieder-Wöllstadt aufgestellt werden. Langfristig solle jedoch ein neues gebaut werden. Zurzeit, sagt Roskoni, werde eine Machbarkeitsstudie erstellt zu dem Standort unweit des jetzigen Rathauses, wo aktuell der Parkplatz ist.

Dass ein neues Rathaus notwendig sei, begründet Roskoni damit, dass das jetzige aus allen Nähten platze. Das Bauamt ist vor einigen Jahren nach Ober-Wöllstadt ausgegliedert worden. Auch im Hauptgebäude in Nieder-Wöllstadt gebe es Platznot: »Mit der Personalentwicklung steigt der Raumbedarf.« Ein Anbau an das Rathaus sei nicht möglich. Das Gebäude sei in den 90ern aufgestockt worden und ohnehin verwinkelt. Würde man das Foyer aufstocken, gäbe es statische Probleme. »Dann müssten wir vom Keller her neu bauen, und das Gebäude würde noch mehr verbaut. Da gibt es keine zielführende Lösung, bei der man sagt, sie ist für die nächsten 50 Jahre«, sagt Roskoni. Auch der Vorschlag, das jetzige Bürgerhaus zu Büroräumen umzufunktionieren, lasse sich nicht umsetzen. Es gebe gesetzliche Vorgaben an Arbeitsstätten - etwa zur natürlichen Beleuchtung. »Dann kann ich drei Schreibtische an die Fenster stellen, aber der restliche Saal ist leer.«

Im Zuge der Rathaus-Diskussion ist zudem das Thema neue Kultur- und/oder Sporthalle aufgekommen. Roskoni sagt: Mit dem Bau eines Rathauses sei die Idee einer neuen Halle keinesfalls vom Tisch. Eine Variante, die sich der Bürgermeister vorstellen könnte: Das Bürgerhaus bleibt Bürgerhaus. Zwar gibt es nun einen Bestuhlungsplan (der in Verbindung mit einem Brandsicherheitskonzept erstellt worden ist), nach dem Plätze wegfallen, aber laut Roskoni nicht so viele, dass es sich nicht kompensieren ließe. Gerade der Karnevalsverein, der vor allem betroffen wäre, könnte beispielsweise eine Sitzung mehr anbieten, aber die gleiche Hallenmiete zahlen.

Was den Bau einer Sporthalle angehe, gebe es Möglichkeiten. So könne man zum Beispiel prüfen, ob sich in Verbindung mit der Fritz-Erler-Schule etwas umsetzen ließe.

Ehemaliges Lehrerhaus: Das gemeindeeigene Haus in der Schulstraße 8 soll saniert werden, um es für Betreuung durch Tagesmütter herzurichten. Durch eine Landesförderung erhält die Gemeinde nun 189 000 Euro. Jeweils im Erd- und im Obergeschoss soll eine Wohnung mit Teeküche gebaut werden. Insgesamt seien zehn Betreuungsplätze (fünf pro Einheit) geplant. Wie Roskoni sagt, soll dieses Jahr der Planungsauftrag vergeben werden, und die Arbeiten sollen beginnen. »Ziel ist, dass die Arbeiten bis Jahresende fertig werden, sodass wir im nächsten Jahr in Betrieb gehen können.« Tagesmütterbetreuung sei ein »gutes, ergänzendes Angebot zur Kita, da Eltern die Zeiten individueller vereinbaren können«. In der Gemeinde gibt es rund 350 Kita-Betreuungsplätze, die aber nicht alle belegt seien: In der Kita Abenteuerland in Nieder-Wöllstadt seien es rund 140 Plätze, in den Ober-Wöllstädter Kitas Wichtelburg und St. Stephanus je rund 100.

Glasfaser: Bis zum Sommer soll der Glasfaserausbau fertig sein, sagt Roskoni. Bereits vergangenes Jahr haben die Arbeiten des Unternehmens Deutsche Glasfaser in Ober-Wöllstadt begonnen (Taunusring, Sudetenstraße, Birkenweg, Tannenweg). Bisher habe alles gut geklappt. Auch der erste Bauabschnitt in Nieder-Wöllstadt sei vergangenes Jahr schon in Augenschein genommen worden.

Verkehrskonzept: Das Thema steht schon lange auf dem Plan: die innerörtliche Verkehrsführung in Nieder-Wöllstadt (Ilbenstädter, Frankfurter und Friedberger Straße). Ein Verkehrsplaner ist involviert, und Ideen gibt es einige, sagt Roskoni. So werde überlegt, was planerisch machbar sei. Zum Beispiel ist eine Fahrradspur-Markierung im Gespräch. Aber, sagt der Bürgermeister, so sei es immer beim Thema Verkehr: »Es gibt nie eine Lösung, bei der alle Juhu schreien.« Die einen wollten das Thema Nahmobilität voranbringen, die anderen wollten Parkplätze an der Frankfurter Straße (die mit einer Fahrradspur entfielen). Ein Thema ist auch die große Kreuzung. Eine Möglichkeit wäre eine Kreisel.

In einem Vorkonzept sei durch Videoerfassung die Verkehrssituation untersucht worden. Wegen der reduzierten Verkehrsmengen sei es auch möglich, die Abbiegespur wegzunehmen. Letztlich müssten die Möglichkeiten planerisch untersucht werden. Das letzte Wort hat ohnehin das Gemeindeparlament.

Bald sind Kommunalwahlen, die Wahllisten der Parteien sind aufgestellt. Bürgermeister Adrian Roskoni sagt in diesem Kontext: »Ich bin als parteiloser Bürgermeister angetreten und werde es auch bleiben.« Als parteiloser Kandidat steht er aber auf der Liste der Kreis-CDU für den Wetterauer Kreistag. »Auf der örtlichen Ebene halte ich mich raus, es gibt aber kommunalpolitische Strukturen, in die ich involviert bin - von Kreistag bis in die Verbandskammer.« sda

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