In der brachliegenden Gartenanlage, die sich an den Parkplatz nördlich des Bahnhofs anschließt, will der Investor Portal Real Wohnhäuser errichten. Der städtische Bauausschuss möchte stattdessen Möglichkeiten für ein Parkhaus "oder eine passable Alternative" ausloten. 	FOTO: IHM-FAHLE
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In der brachliegenden Gartenanlage, die sich an den Parkplatz nördlich des Bahnhofs anschließt, will der Investor Portal Real Wohnhäuser errichten. Der städtische Bauausschuss möchte stattdessen Möglichkeiten für ein Parkhaus »oder eine passable Alternative« ausloten. FOTO: IHM-FAHLE

Sprudelhof als Parkhaus-Argument

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Um den Bad Nauheimer Straßenverkehr zu beruhigen, soll innerörtlich der Parkraum verknappt werden. Einen Stellplatz müssen Besucher der City trotzdem finden, weshalb die FDP-Fraktion ein Parkhaus nördlich des Bahnhofs vorschlägt. Bürgermeister Klaus Kreß soll jetzt in Verhandlungen gehen.

Züge rauschen an der Lärmschutzwand vorbei, der Blick über den Zaun fällt in stilles Gestrüpp. Die nördliche Fläche am Parkplatz des Bad Nauheimer Bahnhofs ist brachliegendes Gelände, das der Portal Real GmbH gehört. Vier Mehrfamilienhäuser will das Unternehmen dort realisieren. Kürzlich machte die städtische FDP den Vorschlag, stattdessen ein Parkhaus dort zu errichten, ein Anliegen, welches das Parlament in den Bauausschuss überwiesen hatte (die WZ berichtete).

Nach Ansicht der Fraktion soll Portal Real das Parkhaus ganz oder teilweise an die Stadt verpachten. Als die Ausschussmitglieder am Dienstagabend in der Trinkkuranlage tagten, beauftragten sie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) mehrheitlich damit, Verhandlungen mit dem Eigentümer aufzunehmen. Die Liberalen hatten ihren Antragstext vor der Abstimmung noch geändert: Der Magistrat soll demnach über ein Parkhaus »oder eine passable Alternative« verhandeln.

Fraktionsvorsitzender Benjamin Pizarro kam auf die »Road Map« zu sprechen, die der Ausschuss an diesem Abend gerade verabschiedet hatte (siehe Zusatzartikel). »Unser Antrag macht Sinn. Wenn wir ein Parkleitsystem möchten und den Parkraum in der Innenstadt verknappen wollen, wäre es gut, einen Punkt zu haben, zu dem wir die Autos lenken könnten.« Dieser Ort solle außerhalb liegen, gleichzeitig aber so nah, dass die Besucher bequem in die City gelangen könnten. »Der Bahnhof wäre ideal, denn man bräuchte keinen Shuttlebus oder Ähnliches. Die Infrastruktur haben wir bereits dort.« Nach Ansicht von Pizarro trüge ein Parkhaus am Bahnhof zur Verkehrsberuhigung bei, die sämtliche Fraktionen wollten.

Er ging auf die Vorgeschichte der geplanten Wohnbebauung ein. Der Investor habe ursprünglich etwas anderes im Sinn gehabt. Er wollte 36 Eigentumswohnungen bauen, doch das Parlament verpflichtete ihn, auch 15 Prozent bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. »Es wäre eine gute Sache für den Eigentümer, wenn er die brachliegende Fläche als Parkhaus bewirtschaften könnte. Und für die Stadt wäre es ebenfalls gut.« Dies auch wegen der dringend gesuchten Parkplatzlösung für den Sprudelhof. »Die hätten wir dann aufgrund der relativen Nähe.« Wie der FDP-Mann hinzufügte, könne die Innenstadt nur gewinnen.

Bürgermeister Kreß war nicht überzeugt. Wie er erneut unterstrich, sei dem Investor an einer Wohnbebauung gelegen. »Wir haben miteinander gesprochen, ob er seine Pläne aufgibt und stattdessen ein Parkhaus schafft«, berichtete Kreß. Doch wie es aussehe, bestehe keine Aussicht darauf. »Wenn das Parlament es beschließt, gehen wir sicher noch mal in intensivere Gespräche. Eine Chance sehe ich bestenfalls in einer Ergänzung zur Wohnbebauung. Und dies auch nur, wenn auf dem Parkhaus zusätzliches Wohnen realisierbar wäre.« Bei »lebensnaher Betrachtung« sei eine Umsetzung also unwahrscheinlich.

FDP-Mann Pizarro schlug vor, den Sachverhalt genauer auszuloten. Denn nur weil der Bürgermeister sich etwas nicht vorstellen könne, sei nicht das Ziel hinfällig. »Ich werbe dafür, dass diese Prüfung stattfinden kann«, sagte Pizarro. Markus Theis (FW/UWG) hakte nach: »Das hieße dann also, dass der Bürgermeister mit dem Investor spricht, wie eine kombinierte Parkhaus-/Wohnbebauungslösung möglich wäre?« Er schlug der FDP vor, ihren Antrag entsprechend zu ergänzen, was denn auch geschah.

Die Formulierung »Parkhaus oder passable Alternative« sorgte für Heiterkeit im Gremium. Vorsitzender Manfred Jordis von der CDU nannte den Passus »wachsweich«, gleichwohl blieb es dabei. Außer den beiden SPD-Vertretern stimmten die Ausschussmitglieder zu.

Kürzlich hatte der Bauausschuss der Stadt Bad Nauheim die Neufassung der Parkgebührenordnung für Bad Nauheim beschlossen (die WZ berichtete). Nun nahm das Gremium einstimmig die sogenannte »Road Map« zur Kenntnis. Sie enthält diverse Maßnahmen zur Mobilitätswende, die der Magistrat prüfen und umsetzen soll.

Ruhender Verkehr: Einführung Bewohnerparken im Dichterviertel und im Goldsteingebiet (Prüfung und Planung abgeschlossen), kostenloses Parken für E-Fahrzeuge (befristet auf zwei Jahre, Prüfung und Planung abgeschlossen), Erweiterung und Ausbau der öffentlichen E-Ladestationen durch die Stadtwerke (in Prüfung), Verbauen von Sensorik zur besseren Auswertung der Auslastung von Parkflächen (in Prüfung), Erweiterung Bewohnerparken Amerikanische Siedlung (Prüfung und Planung abgeschlossen), Einführung Parkscheinpflicht Parkplatz Usa-Wellenbad (in Prüfung im Zweckverband), Einführung Bewohnerparken Bad Nauheim-Süd (in Prüfung und abhängig von Parkscheinpflicht Usa-Wellenbad), Bewirtschaftung der Flächenparkplätze mit Schrankenpflicht (in Prüfung und Planung), Prüfung Erweiterung Parkdeck Schwalheimer Straße mit Mitteln der Hessenkasse, Einführung Bewohnerparken Usa-Viertel (in Prüfung und abhängig von Erweiterung Parkdeck Schwalheimer Straße).

Fließender motorisierter Individualverkehr: Verbesserung der Verkehrsströme und Reduzierung des Parkplatzsuchverkehrs durch Parkraumbewirtschaftung (Prüfung und Planung abgeschlossen), Reduzierung des Verkehrsaufkommens durch Ausbau/Einführung von (E-)Carsharing-Angeboten durch die Stadtwerke (in Planung), Verbauen von Sensorik zur Erfassung der Verkehrsströme (in Planung).

Radverkehr: Optimierung der Radverkehrsinfrastruktur, Teilnahme an Kampagnen wie Stadtradeln (beides stetiger Prozess).

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Konzeptionelle Neustrukturierung (in Planung). ihm

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