Die Komturkirche ist das Herzstück des Geistlichen Zentrums der Johanniter in Nieder-Weisel.
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Die Komturkirche ist das Herzstück des Geistlichen Zentrums der Johanniter in Nieder-Weisel.

Spiritualität auf Zeit

In Nieder-Weisel sind rund um die eindrucksvolle Komturkirche neue Impulse für das Geistliche Zentrum der Johanniter entstanden - ein Ort, an dem Glaube gelebt wird. Unterschiedlichste geistliche Veranstaltungen laden dazu ein, eine Pause vom Alltag zu machen und neue Kraft zu schöpfen. Auch oder gerade während der Corona-Pandemie.

Mitten in Nieder-Weisel steht sie, die Komturkirche der Johanniter. Jeder, der sie schon einmal betreten hat, wird bestätigen: das Gebäude strahlt eine ganz besondere, mittelalterliche Atmosphäre aus. Kein Wunder - schließlich sind die Hausherren, die Johanniter, ein geistlicher Ritterorden. Die Komturkirche ist ein Anziehungspunkt in der Region - und seit Anfang des Jahres ein Ort gelebten Glaubens für die ganze Wetterau und darüber hinaus: Als Geistliches Zentrum der Johanniter, mitgetragen vom Evangelischen Dekanat Wetterau.

"Wer zu uns nach Nieder-Weisel kommt, kann entschleunigen, Spiritualität auf Zeit erfahren und gestärkt in den Alltag zurückkehren", sagt Jörg Fröhlich. Er ist Pfarrer des Geistlichen Zentrums der Johanniter und hat zuvor auch die Johannitergemeinde in Nieder-Weisel begleitet.

Wo früher die Ritter ein- und ausgegangen sind - und es auch immer noch tun - gibt es jetzt viele geistliche Angebote und Impulse. "Eine bewusste Pause vom Alltag machen, sich geistlich stärken und Sprache für den Glauben finden, darum geht es", sagt Jörg Fröhlich, der die Angebote koordiniert. Etwa bei Meditationskursen, Einkehrwochenenden, Pilgerandachten oder besonderen Gottesdiensten. Auch Kultur hat im Geistlichen Zentrum der Johanniter einen Platz, mit Konzerten oder Lesungen, ebenso wie Seminare zu aktuellen theologischen Themen. Die Veranstaltungen sind überregional und ergänzen das Angebot der Kirchengemeinden im Dekanat.

Die Johanniter sind schon lange mit Nieder-Weisel verbunden, die hessische Genossenschaft des Johanniterordens hat dort ihren Sitz. Die Niederlassung, die sogenannte Komturei, wurde um 1200 gegründet. Dazu gehörte neben vielen Äckern und einem Herrenhaus eine eigene Kirche. Die Komturkirche birgt dabei gleich zwei Stockwerke unter ihrem Dach: im Erdgeschoss einen Kirchenraum und im Obergeschoss einen Saal, der früher vermutlich als Hospital diente. Denn die Johanniter haben sich schon immer um Kranke und Bedürftige gekümmert.

Das Besondere: Die beiden Ebenen sind durch ein Loch in der Decke miteinander verbunden. So könnten die Patienten vom Bett aus dem Wort Gottes gelauscht haben. Heute dürfen im Obergeschoss auch schon mal Pilger ihre Schlafmatte ausbreiten, denn die Komturkirche ist eine Station des Lutherwegs1521.

"Die Johanniter mit ihrem Ordensdekan sind die Hausherren", sagt Fröhlich während er die Tür zu einem der prunkvollen Versammlungsräume im Ordenshaus öffnet. "Die Zusammenarbeit zwischen dem Dekanat und den Johannitern ist sehr eng." In der Komturkirche finden weiterhin zentrale geistliche Handlungen der Johanniter statt. Jährlich werden dort zum Beispiel rund 70 Herren zu Rechtsrittern geschlagen. "Der Glaube verbindet uns alle, man begegnet sich hier mit Respekt und Wertschätzung."

Eröffnung soll nachgeholt werden

Eine gelungene Zusammenarbeit, deren Neustart allerdings durch Corona ausgebremst wurde. "Zwar wurde im Dezember 2019 der Übergang von Johanniter-Gemeinde zum geistlichen Zentrum gefeiert, die offizielle Eröffnung musste aber ausfallen. "Das wollen wir auf jeden Fall nachholen", sagt Fröhlich. Viele der Veranstaltungen mussten abgesagt werden, einige können trotzdem stattfinden - mit viel Abstand und in kleineren Gruppen. "Schon vor vielen Hundert Jahren haben die Menschen gespürt, dass der besondere Raum der Komturkirche spirituell wirkt, dass Menschen zu Heil und Heilung gelangen, wenn sie sich diesem Kraftort anvertrauen", sagt Fröhlich. Das ist bis heute geblieben. Das Dekanat Wetterau und der Pfarrer möchten es möglichst vielen Menschen zugänglich machen. "Denn Kraft und Zuversicht für das eigene Leben zu spüren, ist in der aktuellen Zeit vielleicht wichtiger denn je."

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