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Sie sorgen für Kurzweil auf der Bühne der Wasserburg: John Wesley Zielmann als Fuchur (vorne), Sebastian Zumpe als Atréju (Mitte) und Henning Mittwollen als Bastian.

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Spannend, lustig, fantasievoll

  • VonNiklas Mag
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»Die Unendliche Geschichte« erfreut seit Jahrzehnten junge und alte Leser. Das Buch von Michael Ende ist in vielerlei Hinsicht besonders, seien es die verschiedenen Bedeutungsebenen oder auch die spannende Handlung an sich. Dass das Stück auch auf der Bühne gut funktioniert, lässt sich an der Begeisterung der jungen Zuschauer bei den Burgfestspielen ablesen.

W er kennt die Geschichte von Bastian Baltasar Bux, Atréju und dem Drachen Fuchur nicht? Kinder halten seit 1979 in frühen Jahren das Buch erstmalig in der Hand, Eltern lesen es vor dem Schlafengehen vor und Literaturstudenten diskutieren Inhalt, Aufmachung und Meta- ebenen. So gilt Michael Endes Meisterwerk als Vertreter der Crossover-Literatur, da sein Buch Erwachsenen andere Bedeutungsebenen eröffnet als Kindern.

Die Inszenierung in der Burg adressiert eher junge Menschen ab sechs Jahren, doch steht auf der Eintrittskarte eindeutig: »Für alle ab sechs Jahren«. So strömen seit der Premiere im Mai auch zahlreiche Schulklassen in die Wasserburg und füllen vor Beginn der Vorstellung den Innenraum. Premiere feierte in dieser Woche übrigens Hauptdarsteller Henning Mittwollen, der den Bastian spielt. Er war im Mai erkrankt und stand nun zum ersten Mal auf der Bühne in der Wasserburg.

Ständig gibt es was zu entdecken

Andreas Krämer spielt den Buchhändler, bei dem Protagonist Bastian zu Anfang des Stücks das titelgebende Buch findet. Der Buchhändler steht bereits zehn Minuten vor Beginn des Stücks auf der Bühne und blättert Seiten um. Das sorgt beim jungen Publikum für erste Mutmaßungen, wer das wohl sein könnte. Bastian vertieft sich zu Beginn der Geschichte bekanntlich in das Buch, sitzt auf der Bühne, während die Romanhandlung um ihn herum passiert.

Regisseurin Kirsten Uttendorf nutzt für die Schauspieler alle Auftrittsmöglichkeiten auf die Burgbühne und das kommt bei den Kindern gut an. Ständig gibt es in der Burg etwas zu entdecken: Mal sitzt Held Atréju (Sebastian Zumpe) hoch oben auf der Mauer, zu Beginn kommt der junge Bastian durch den Mittelgang an den Zuschauern vorbei auf die Bühne. Im Publikum drehen sich die Köpfe hin und her. Wer etwas entdeckt, zeigt das sofort dem besten Freund oder der besten Freundin.

Während sich die Handlung mehr und mehr zuspitzt, schauen die Jungen und Mädchen gebannt auf die Bühne: Die Darstellung von Christian Manuel Oliveira als mehrarmiges Monster Ygramul sorgt für gebannte Stille im Publikum , die Kindliche Kaiserin (Simone Müller) für große Kinder- augen. Kreativ sind die Flugeinlagen von Drache Fuchur (John Wesley Zielmann) umgesetzt.

Die Geschichte wird zwar sehr anspruchsvoll, aber dennoch kindgerecht erzählt. Die gelegentlichen Slapstick-Einlagen der zahlreich auftretenden Figuren (gespielt von Hendrik Vogt, Martin Bringmann, Britta Hübel, Friederike Nölting, Volker Weidlich und Laura Lippmann) lassen Gelächter im Burghof erschallen. Gerade der sehr überzeichnete Kampf zwischen Bastian und mehreren Soldaten begeistert die Kinder. Bei kurzen musikalischen Einlagen wird mitgeklatscht und am Schluss belohnen die Zuschauer die Darsteller mit tosendem Applaus.

»Mit viel Fantasie umgesetzt«

Der neunjährige Henry Obst ist begeistert von der Vorstellung. Er wohnt eigentlich in Berlin, besucht aber derzeit seine Oma Ingrid Gronau in der Quellenstadt. »Er ist ein echter Theater-Fan und spielt auch selbst viel Theater. Da war klar, dass wir unbedingt hierher kommen müssen«, erzählt sie. Als Experte hat Henry sich das Stück ganz genau angeschaut: »Ich fand es sehr schön und gut geschauspielert«, lautet sein Urteil. »Die Kostüme fand ich toll, aber ich glaube, die Schauspieler müssen alle ganz schön schwitzen«, überlegt er. Und auch Oma Ingrid bereut den Ausflug keineswegs. Im Gegenteil: »Ich fand es wirklich sehr schön und mit viel Fantasie umgesetzt. Anspruchsvoll war die Erzählung aber schon, auch für Erwachsene.« Zum Glück hatte sie ihren Enkel dabei: »Ich habe Oma dann mit der Geschichte auf die Sprünge geholfen, wenn sie etwas gefragt hat.«

Mit der Unendlichen Geschichte geht es in der Wasserurg natürlich weiter. Am 12. Juli wird das Stück wieder aufgeführt, ebenfalls an den beiden darauffolgenden Tagen, jeweils um 10 Uhr. Vier weitere Termine gibt es danach im Juli noch, es folgen weitere Vorstellungen im August und auch noch zwei im September. Karten sind im Kartenbüro Bad Vilbel, Klaus-Havenstein-Weg 1, erhältlich oder auch telefonisch unter 0 61 01/55 94 55 sowie unter www.kultur-bad-vilbel.de. nma

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