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Mit weißen Hemden und Westen haben die Mitglieder der Pierre-Lenhard-Band auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit Elvis Presley zu tun. Doch die Band ist musikalisch ganz nah dran am King. Das will sie beim Festival am Wochenende beweisen.

Soundtrack der Erinnerungen

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Ohne diesen Schicksalsschlag würde es die Pierre-Lenhard-Band nicht geben: Als der Bruder des heutigen Frontmannes aus dem Koma erwachte, war klar: Es wird eine Band gegründet. Doch die Premiere erlebte Peter Lenhard nicht mehr. Im Interview erzählt Pierre Lenhard, warum er trotzdem weitermachte, wieso der Auftritt beim Elvis-Festival in Bad Nauheim eine besondere Ehre ist und warum er nichts von falschen Haartollen hält.

Seit wann machen Sie Musik?

Pierre Lenhard:Musik spielt in meinem Leben schon immer eine große Rolle, schon in jungen Jahren sang ich lautstark bei jeder Gelegenheit, meistens nur bei privaten Veranstaltungen und bei Freunden. Vor etwa sechs Jahren wagte ich dann den Sprung und man konnte mich für Events buchen. Ohne große Anlaufzeit habe ich mich in der Musikszene etabliert.

Wie läuft es momentan?

Lenhard:Die Nachfrage ist mittlerweile so groß, dass ich seit über zwei Jahren hauptberuflich Musik mache. Ich bin dafür sehr dankbar, da ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man sein Hobby zum Beruf machen kann und darf.

Wie kam es zur Gründung der Pierre-Lenhard-Band?

Lenhard:Leider geht das auf ein sehr trauriges Ereignis zurück. Mein Schwager und Bassist der Pierre-Lenhard-Band, Ralf König, ist in der Region ein gefragter Musiker. Er ist schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Besetzungen erfolgreich. Bei jeder Familienfeier haben wir gemeinsam gespielt. Meinem Bruder Peter ließ das keine Ruhe; er sagte immer wieder: Ihr müsst was zusammen machen; macht eine Band. Als mein Bruder plötzlich aus dem Nichts schwerkrank ins Krankenhaus kam, monatelang im Koma lag und zum Glück wieder erwachte, war uns klar: Jetzt gründen wir eine Band!

Ging das nach der Krankheit und all den Sorgen überhaupt?

Lenhard:Ja. Schnell war durch das gute Netzwerk an Musikern eine Band zusammengestellt. Mein Bruder war es, der tatkräftig mitplante. Ziel war es, in sechs Monaten nach seiner Reha ein großes Fest zu feiern, bei dem die Pierre-Lenhard-Band Premiere feiern sollte.

Hat das geklappt?

Lenhard:Leider ging dieser Plan schief. Völlig unerwartet fiel mein Bruder wieder ins Koma und starb mit 42 Jahren noch bevor er einmal selbst die Band live hören oder sehen konnte. Die Band ist eine Hommage an ihn. Bei jedem Konzert wird meinem Bruder ein Song gewidmet.

Welche Musik spielen Sie hauptsächlich?

Lenhard:Eigentlich erlauben wir uns, wie es unser Motto schon sagt, alles aus der "guten alten Zeit" zu spielen. Da gibt es ein buntes Programm, egal ob Rock’n Roll, Oldies oder Rock. Wir versuchen, für jeden Geschmack etwas dabei zu haben.

Welche Rolle spielt dabei die Musik von Elvis?

Lenhard:Da mein Herz an der Elvis-Musik hängt und ich als Solist oft mit einem reinen Elvis-Programm gebucht werde, gibt es jetzt auch die "Only One King Show" mit dem Schwerpunkt Elvis.

Da passt es doch, dass Sie für das European Elvis Festival in Bad Nauheim gebucht wurden. Das ist eine große Ehre, oder?

Lenhard:Natürlich ist das eine große Ehre. Auch dass wir zwei Shows spielen dürfen und zusammen mit den Tonic Sisters auftreten werden. Das ehrt uns wirklich sehr. Ich besuche schon seit Jahren das Festival selbst als Gast und kenne das Theater am Park durch frühere Auftritte auch persönlich.

Was macht das Elvis-Festival für Sie aus?

Lenhard:Wir sind mittlerweile deutschlandweit und auch in der Schweiz unterwegs. Aber das Flair des Festivals ist schon etwas anderes. Fans aus der ganzen Welt treffen sich in der Stadt, in der Elvis selbst lebte - schon beim Erzählen darüber bekomme ich eine Gänsehaut.

Welchen Bezug haben Sie zur Musik des "King"?

Lenhard:Da muss ich mit der typischen Aussage kommen: Als kleiner Junge wollte ich im Laden eine Elvis-CD haben. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber mir gefiel der Mann mit dem schwarzen Haar. Mein Vater kaufte mir die CD und seit dem Tag ließ mich die Musik nicht mehr los.

Hat Sie auch der Mensch Elvis Presley fasziniert?

Lenhard:Total. Ich beschäftigte ich mich mehr und mehr mit der Person Elvis Presley und war noch mehr begeistert.

Wie hat sich das ausgedrückt?

Lenhard:Ich sammelte und sammele bis heute immer noch alles, was mit Elvis zu tun hat. Jedes Buch, jede Aufnahme. Kein Tag vergeht seit meinen Kindertagen ohne einen Song meines Idoles.

Werden alle Bandmitglieder entsprechende Outfits tragen?

Lenhard:Wir haben unsere Show bewusst "Only One King" genannt und gehen einen anderen Weg. Ich respektiere Imitatoren, wenn sie eine gute respektvolle Show abliefern. Mit Andy King und Kevin Löhr sind zum Glück in Bad Nauheim Kollegen am Start, die dies tun.

Was meinen Sie mit einem anderen Weg?

Lenhard:Wir verzichten bewusst auf eine Elvis-Imitation, weil es unseres Erachtens nach mittlerweile mehr als genug Imitatoren gibt.

Was macht die Pierre-Lenhard-Band also?

Lenhard:Bei uns stehen Elvis und die Musik im Mittelpunkt. Natürlich haben wir passende Outfits, die dem Jahr und dem Thema entsprechen. Und auch die typischen Schals sind am Start. Aber eine falsche Haartolle oder einen Jumpsuit wird man bei uns nicht finden.

Bei Ihnen herrscht das Motto "The Good old Days". Wieso?

Lenhard:Als wir die Band gründeten und uns mit verschiedenen Leuten unterhielten, merkten wir schnell, früher war zwar nicht alles besser, aber vieles ist in den Erinnerungen besonders schön.

Welche Erinnerungen meinen Sie?

Lenhard:Der erste Kuss, ein Abend mit Freunden oder ein Song, zu dem Papa und Mama tanzten. Jeder hat diese Momente, an die er oder sie gerne zurück denkt. Wir möchten mit unserer Show den Soundtrack zu diesen Momenten liefern.

Haben Sie auch den Eindruck, dass zunehmend Jüngere diese Musik lieben und den King verehren?

Lenhard:Ja, es ist schon beeindruckend und macht uns stolz, wenn wir von der Bühne schauen und sehen, dass das Publikum im Alter zwischen 18 und 80 zusammen am Feiern ist. Wenn wir "Suspicious Minds" spielen, kann ich das Mikrofon Richtung Publikum richten und egal, wie jung das Publikum ist - es singt textsicher mit.

Was ist für die Auftritte in Bad Nauheim geplant?

Lenhard:Wie haben unsere Show chronologisch in drei Blöcke aufgeteilt: Eine Reise durch Elvis’ Leben. In Set 1 geht es um Rock’ Roll der 50er und 60er. Set 2 gehört den Movie Songs und im Set 3 widmen wir uns den spektakulären Konzerten der 70er.

Wie kam der Kontakt zu den Tonic Sisters zustande?

Lenhard:Dies war einzig die Idee von Ulrich Rhein vom Theater am Park, er ist stets bemüht, seinen Gästen etwas Neues zu bieten. Ein Konzert einer Elvis-Band und eines Damen-Trios gemeinsam gab es wohl so in Bad Nauheim noch nicht.

Freuen Sie sich auf die Elvis-Fans von weit her und die anderen Interpreten?

Lenhard:Und wie. Wir fiebern den Konzerten entgegen, wo kann man seine Liebe zur Elvis-Musik dem Publikum näher bringen als beim European Elvis Festival? Zu vielen Kollegen habe ich auch privat ein freundschaftliches Verhältnis und freue mich, sie auf und abseits der Bühne zu treffen.

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