Diese Tafel zeigt die Vielfalt der Anpflanzungen auf der Streuobstwiese des OGV auf.
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Diese Tafel zeigt die Vielfalt der Anpflanzungen auf der Streuobstwiese des OGV auf.

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Sorge vor Verhältnissen wie in China

  • vonGeorgia Lori
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Wissenschaftler stellten in einer 2017 veröffentlichten Studie in Naturschutzgebieten einen dramatischen Rückgang fliegender Insekten fest. In nahezu drei Jahrzehnten ging deren Zahl um mehr als 75 Prozent zurück. Auch in den heimischen Streuobstwiesen schwindet die Zahl der Bestäuber. Willi Bayer, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Eichen, und Hobbyimker Werner Schönhals schlagen Alarm.

Werner Schönhals betreibt seit über 20 Jahren eine Imkerei und betreut zwei Streuobstwiesen in Nidderau. Diese profitierten von den Bienen wegen der Bestäubung der Obstbäume; umgekehrt seien die Bienen auf Streuobstwiesen gut aufgehoben, weil sie dort eine Artenvielfalt an Blühpflanzen vorfinden sowie Obstbäume und Heckengehölze. Diese Symbiose sei besonders dann von Vorteil, wenn die Wiese extensiv bewirtschaftet und nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werde. »Es gibt weniger Insekten, Wildbienen und Schmetterlinge. Das ist mir aufgefallen«, sagt Schönhals. Der Deutsche Imkerbund schätzt, dass die Bestäubungsleistung der Honigbiene im Jahr in Deutschland mit zwei Milliarden Euro veranschlagt werden kann. Auch Wildbienen, Hummeln und andere Insekten zählten zu den Bestäubern. Ohne diese Bestäubungsleistung glichen die Verhältnisse laut Schönhals denen in China: »Dass Menschen mit Pinseln auf den Bäumen herumkletterten, um Pollen auf die Blüten zu bringen«. Diese Dienstleistung erstellten die Bienen und andere Insekten kostenlos.

Die Ursachen des Insektenschwunds seien zum Teil in der Landwirtschaft und im Flächenverbrauch zu suchen. Wissenschaftler würden als weitere Gründe die Zerstörung der Habitate, den Einsatz von Pestiziden, Lichtverschmutzung und die Ausbreitung invasiver Arten nennen. »Unsere Bienenvölker sind sehr vital, aber es gehört der Imker dazu, der die Bienenvölker pflegt. Sonst funktioniert es nicht«, weiß Schönhals.

Derzeit viele junge Interessenten

Immerhin: Im Moment interessierten sich vermehrt jüngere Männer und Frauen für die Imkerei. Das habe auch mit der Tendenz zur Selbstversorgung zu tun. Im Imkerverein Nidderau-Schöneck sind laut Schönhals aktuell 150 Mitglieder organisiert, die auch in umliegenden Gemeinden wohnen.

OGV-Vorsitzender Bayer plädiert dafür, die Wiesen nicht zu oft zu mähen, damit eine Blütenvielfalt entstehen kann. Drei bis vier Mähungen pro Jahr reichten aus. Auch Landwirte hätten zur Unterstützung rund um ihre Getreidefelder Blühstreifen angelegt, lobt er. Auf der gepflegten Blühwiese des Eicher Vereinsgeländes befänden sich mehrere Apfelbäume, für die Kinder eine Patenschaft übernommen hätten. »Die nächsten drei Bäume sind schon geplant«, verrät Kassenwart Bernd Reichhold. Nistkästen würden in Kooperation mit den Vogelschützern ausgebracht. Zum Teil bauten die Mitglieder selbst Nistkästen. Auf 1000 Quadratmeter seien es zehn bis zwölf Kästen. Demnächst soll eine Steinkauzröhre ausgebracht werden, um ein weiters Paar anzusiedeln. Die Nisthilfen würden angenommen, wenn man sie entsprechend pflege. So würden sie jährlich nach der Brutzeit gesäubert.

Trockenheit bedingt Neuanpflanzungen

Von den 100 Mitgliedern im Verein, sagt Bayer, pflege die Hälfte selbst Streuobstwiesen oder verpachte diese. Wichtig sei, dass der Altbestand, der wegen der Trockenheit arg gelitten habe, durch Neuanpflanzungen aufgebaut werde. Sieben bis acht Jahre dauere es bei einem Hochstamm, bis die ersten Früchte geerntet werden könnten. Ein Baum in seiner Blüte trage erst mit 15 bis 20 Jahren Früchte.

Die Hauptsorte einer Streuobstwiese sei der Apfel. Auch Birnen- und Kirschbäume fänden Platz. Der Verein selbst besitze einen Lehrgarten; jedes Mitglied habe bis zu drei Wiesen, auf denen zehn bis 15 Bäume stehen.

Die Streuobstwiesen der Region sind nicht nur für Obstfreunde und die Keltereien in Bezug auf die Apfelsaft- und Apfelweinproduktion wichtig, um den Geschmack vielfältig zu gestalten. Sie sind ein landschaftsprägendes Element und Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Es gibt Flurstücke, auf denen seit über 100 Jahren Obstbau betrieben wird. Aktuell werden hauptsächlich Halbstämme angepflanzt, die statt 150 nur etwa 40 Jahre alt werden. Durch die geringe Höhe können die Früchte besser geerntet werden. Wichtig für die Pflege einer Streuobstwiese sind Frühjahrs- und Sommerschnitt. geo

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