Dr. Volker Jung
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Dr. Volker Jung

Sieg des Lebens

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Die Osterbotschaft ist die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Christinnen und Christen feiern, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist. »Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.« Das ist der alte Ostergruß.

In diesem Jahr erklingt die Botschaft in einer für uns alle sehr schwierigen und angespannten Zeit. Das Coronavirus bedroht unser Leben. Die Krankheit kann den Tod bringen. Nicht wenige fürchten um ihr Leben. Andere fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz. Und wir alle wissen nicht, was die nächsten Wochen bringen werden. Dass wir uns zurzeit nicht in den Kirchen versammeln, um Gottesdienste zu feiern, ist richtig. Es geht darum, dass wir alles tun müssen, um eine schnelle Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

In schwieriger Zeit

Kann uns die Osterbotschaft jetzt helfen? Nicht erst heute, auch früher schon, ja von Anfang begleiteten Zweifel und Fragen den Glauben an die Auferstehung: Wie kann das gehen? Schnell war deutlich: Darauf gibt es keine einfache Antwort. Es gibt nur Menschen, die von der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod erfüllt waren, weil ihnen der auferstandene Christus erschienen ist. Sie haben dann versucht, dafür angemessene Worte zu finden. Einer von ihnen ist Paulus. Er beschreibt es so: »Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft.« (1. Korinther 15, 42 bis 44)

In meinen Worten gesagt: Nach dem Tod schenkt Gott ein neues Leben ganz anderer Art. Es wird nicht bedroht sein von Krankheit, Schmerzen und Tod. Es kann nicht durch Gewalt zerstört werden. Das bedeutet auch: Gott sorgt für Gerechtigkeit. Wir können nicht sagen, wie Gott dies tut. Aber Gott setzt die Opfer ins Recht. So wie Gott Jesus aus dem Tod herausholt und erhöht - in einem neuen Leben.

Gerne wüsste man, wie das sein wird. Aber damit stoßen wir an die Grenzen unseres Verstehens. Wir begegnen dem Geheimnis des Lebens und auch dem Geheimnis Gottes. Dazu gehören immer Fragen und Zweifel. Menschen können nur hoffen und glauben, dass Gottes Kraft zum Leben stärker ist als der Tod. Diese Hoffnung hat Jesus gelebt und verkörpert.

Für mich gehören die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und das Leben hier und jetzt fest zusammen. Der Glaube daran, dass das Leben, das Gott schenkt, größer ist als das, was wir hier erleben, gibt mir immer wieder Kraft. Es gibt mir Kraft, nicht zu verzweifeln, wenn der Tod mitten ins Leben einbricht - so wie auch jetzt in der Corona-Pandemie erleben. Mich hat in diesen Tagen sehr berührt, was ein junger Arzt aus Italien erzählt. Er hat Corona-Patienten behandelt und musste erleben, dass er viele nicht retten konnte. Unter den Patienten war ein Priester. Auch der Priester hat die Krankheit nicht überlebt. Aber offenbar hat er bis zuletzt von Gottes Frieden geredet, der größer ist als alles, was wir verstehen und begreifen. Der junge Arzt hat erzählt, dass ihm der Glaube des Priesters selbst immer wieder Kraft und Halt gegeben hat, seine schwere Arbeit zu tun. Seine Erzählung gipfelte in dem Satz: »Ich bin froh, zu Gott zurückgekehrt zu sein, während ich vom Leiden und Tod meiner Mitmenschen umgeben bin.«

Ja, wir wissen nicht, wie es nach dem Tod sein wird. Wir wissen aber: Gott ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes. Ihm können wir auch das anvertrauen, was hier für uns schmerzlich und sinnlos bleibt.

Dem jungen Arzt hat der Glaube neue Kraft gegeben. Diese Kraft brauchen wir jetzt in dieser schweren Zeit und auch noch danach. Der Glaube, der sich dem Leben anvertraut, hier und nach dem Tod, verbindet uns mit der Kraft Gottes. Es ist eine Kraft, die hilft, wieder nach vorne zu schauen. Und es ist eine Kraft, die uns dazu führt, aufeinander zu achten und füreinander da zu sein.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Pfarrer Dr. Volker Jung , Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

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