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Neuankömmlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung.

»Sie sind im Camp wie eine Mafia«

Gießen (khn). Mustafa Can hat eine eigene Sicht auf die aktuelle Situation in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen. Der aus der Türkei stammende Mittdreißiger hat dort als Asylbewerber gelebt, weil er in seiner Heimat politisch verfolgt wurde. Er sagt, die Polizei sei nicht oft genug im »Camp«, wie die HEAE von vielen Bewohnern genannt wird.

Denn: »Manche, die ohne Flüchtlingsgründe nach Deutschland gekommen sind, wollen hier nur Drogen verkaufen oder Diebstähle begehen« - auch innerhalb der HEAE. Der Sicherheitsdienst bleibe oft tatenlos.

Can hat mehrere Monate in der HEAE gelebt. Sein Zimmergenosse war ein Algerier, wie er ein politisch Verfolgter. »Nicht alle sind gleich«, sagt Can, der in Wirklichkeit anders heißt. Aber es seien einige Campbewohner aus den Maghrebstaaten, die für Probleme sorgten. Und auch in diesen Problemgruppen gebe es unterschiedliche, rivalisierende Fraktionen. So ist in einer Polizeimeldung Anfang des Jahres davon die Rede, dass es zu einem Streit zwischen zwei Algeriern gekommen sei. Dabei habe einer der Männer mit einem Messer auf den anderen eingestochen. »Sie wissen, dass sie nicht als Flüchtlinge akzeptiert werden. Es ist nicht einfach, sie zurückzuschicken«, sagt Can. Und wenn doch einer von ihnen das Camp verlassen müsse, rücke ein anderer nach. »Man sieht. dass sie keine Angst haben«, sagt Can. »Sie sind im Camp wie eine Mafia.«

Eine Ehrenamtliche, die Geflüchte auch in der HEAE begleitet, schildert, dass Neuankömmlinge kurz nach ihrer Ankunft angesprochen werden: Ob sie Smartphones, Kleidung oder Drogen brauchen? Außerdem gebe es regelmäßig Diebstähle auf den Zimmern der anderen Bewohner der Einrichtung. Can bestätigt dies. Er sagt: »Es leiden nicht nur die Familien unter diesen Leuten. Es sind auch die Singles, die mit ihnen Ärger haben.« Vor allem Drogen seien ein Problem in der HEAE, sagt Can. Unter Drogeneinfluss komme es immer wieder zu Konflikten. Auch wisse er davon, dass manche die Betäubungsmittel in der Unterhose oder im Kinderwagen in die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung schmuggelten.

Die Security würde dies nicht kontrollieren. Er habe sich mehrmals bei den privaten Sicherheitskräften beschwert, sei aber immer an die Verwaltung verwiesen worden. Doch auch dort habe es keine Reaktion gegeben. Die Ehrenamtliche bestätigt dies: Mache sie Geflüchteten Mut, sich zu beschweren, würden diese mit dem Kopf schütteln: »Welcome to Germany«, würden diese antworten: Die HEAE sei zum Teil eine eigene Welt.

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