Unterwegs in Bangkok: Reisen ist für den jungen Eichener Sebastian Reichhold Inspiration.	 FOTO: PRIVAT
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Unterwegs in Bangkok: Reisen ist für den jungen Eichener Sebastian Reichhold Inspiration. FOTO: PRIVAT

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Er setzt George Clooney in Szene

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»The Midnight Sky«, der neue Film von George Clooney, gilt schon jetzt als einer der heißen Anwärter bei der Oscar-Preisverleihung im März. Großen Anteil daran hat ein junger Mann aus Nidderau-Eichen.

Seit ein paar Tagen können sich Cineasten aus Deutschland den neuen Film von George Clooney bei Netflix anschauen. Das hat auch Sebastian Reichhold so gemacht. Denn obwohl der Eichener ein ganzes Jahr lang am Entstehen von »The Midnight Sky« maßgeblich beteiligt war, war es auch für ihn das erste Mal, dass er die 117 Minuten des aufwendig gemachten Streifens an einem Stück gesehen hat. Gemütlich bei Keksen und aus England importierten Tee. Und zusammen mit seiner portugiesischen Freundin Laura in deren Elternhaus in Lissabon. Dort verbringen die beiden ihren Weihnachtsurlaub, ehe es im Januar zurück nach London geht.

In der Metropole arbeitet der 33-Jährige bereits seit 2017 für das Visual-Effects-Unternehmen »One of us« - zuletzt als Technischer Leiter für das Clooney-Projekt. Den Anspruch an seine Arbeit kann Reichhold in einem Satz erklären: »Wenn es gelingt, dass der Zuschauer mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann, ob eine Szene real abgedreht wurde oder im Rechner entstanden ist, dann haben wir einen guten Job gemacht.« Von diesen Szenen hält der Weltraumthriller, in dem Clooney sowohl als Hauptdarsteller als auch Regisseur fungiert, freilich eine ganze Menge bereit.

Drachen-Macher für »Game of Thrones«

Ein Jahr lang hat Reichhold an »The Midnight Sky« gearbeitet. Recherche, Vorbereitung und Konzeptionierung waren im April abgeschlossen, die Umsetzung hat dann bis Ende November gedauert. Eine Punktlandung, am Ende sei eine solche Produktion immer stressig, weshalb er es sich nun in Portugal erst einmal richtig gutgehen lassen will. Ausspannen ist angesagt, ehe im neuen Jahr mit der zweiten Staffel von »The Witcher« ein neues Großprojekt ansteht. Ein Bachelor- und ein Masterstudiengang an der Hochschule Darmstadt bildeten die Grundlage für Reichholds Karriere. Beim Frankfurter Unternehmen Pixomondo verhalf er den Drachen in der erfolgreichen Fantasy-Reihe »Games of Thrones« zum Leben. Vier Jahre lang designte er jede Zuckung der Feuerspucker.

Nachdem er bei einem Filmfestival in den Vereinigten Emiraten seine Freundin Laura, eine Regisseurin, kennengelernt hatte, ging das Paar nach England. London gilt neben Vancouver als Dreh- und Angelpunkt der Visual- Effects-Branche. Dort, nicht etwa in Hollywood, wie man vermuten könnte, ist die Champions League der Szene zu Hause. Hier treffen sich die Kreativen aus der ganzen Welt. Mit 33 Jahren gehöre der Nidderauer schon zu den Alten in seinem 30-köpfigen Team, sagt er und lacht.

Dieser junge Zweig der Filmindustrie befindet sich in einem Wandlungsprozess, der durch die Corona-Pandemie noch einmal beschleunigt worden ist. Die physische Präsenz der Filmemacher ist nicht mehr unbedingt notwendig in den digitalen Arbeitsprozessen. Bei Projekten wie »The Midnight Sky« werden Kreative aus allen Kontinenten eingebunden. Sie bringen ihre Expertise in einem immer differenzierter werdenden Arbeitsumfeld ein. »Jeder ist ein Experte in seinem eigenen Bereich. Da muss man am Ball bleiben«, weiß der Eichener.

Schauspieler und Regisseur George Clooney hat Reichhold während der Arbeit an »The Midnight Sky« nicht ein einziges Mal gesehen oder gesprochen. Sein Kontakt zu Clooney war dessen Supervisor Matt Kasmir, sozusagen die rechte Hand des US-Superstars. Wenn Kasmir einverstanden war, wusste Reichhold, dass auch Clooney und Netflix mit seiner Arbeit zufrieden sind.

Schon als kleiner Junge hatte Reichhold ein Faible für Computer, Filme sowie Science-Fiction- und Fantasy-Romane. Die Bücher waren für ihn so etwas wie ein Trainingsfeld für die eigene Vorstellungskraft.

»Basti« wie Freunde und Familie ihnen nennen, hat als Junge beim KSV Eichen Fußball gespielt. Er versprüht Bodenständigkeit. Vater Gerhard war langjähriger Vorsitzender im Eichener Gesangsverein, Onkel Norbert ist Präsident der IHK in Hanau. Neulich, beim vierwöchigen Besuch zu Hause, hat Reichhold im Elternhaus mal wieder in seinem Jugendzimmer gearbeitet, wo er einst seine ersten Schritte in der Welt der bewegten Bilder unternommen hatte. Da habe sich für ihn der Kreis geschlossen. »Hollywood made in Aasche«, sagt er und lacht.

»The Midnight Sky« ist ein aufwendiges Science-Fiction-Abenteuer zwischen Klimakrise und Weltraumthriller, das zu Weihnachten beim Streaming-Anbieter Netflix gestartet ist. Die Hoffnungen sind hoch, dass den Beteiligten damit ein Aufschlag bei den Oscars im kommenden Jahr gelingt. George Clooney spielt in dem 117-minütigen Film die Hauptrolle Augustine Lofthouse, einen Astronom, der im Jahr 2049 seit Jahren in der Arktis lebt und eines Tages allein in seiner Forschungsstation zurückbleibt - der Rest seines Teams hat wegen einer verheerenden Umweltkatastrophe die Station verlassen. Der schwer erkrankte Lofthouse verfolgt auf Bildschirmen, wie sich giftige Strahlung immer weiter über der Welt ausbreitet, hat aber auch Kontakt mit einer Weltraummission auf dem Weg zurück auf der Erde. Er muss sich entscheiden, ob er die Astronauten davon überzeugt umzukehren, damit diese zu einer Kolonie im All fliegen. In allen drei Aspekten überzeugt George Clooney in diesem Film. Er gestaltet diesen Stoff mit beeindruckenden Bildern. bf

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