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Sehnsucht nach dem Festzelt

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Von: Harald Schuchardt

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Am Abschlusstag der Herbst-Feelings herrscht reger Betrieb. © Loni Schuchardt

Ein Herbstmarkt mit Festzelt - danach sehnen sich Besucher und Schausteller gleichermaßen. Dies ist das einmütige Ergebnis einer Umfrage am letzten Tag der Herbst-Feelings, der Herbstmarkt-Ersatzveranstaltung auf der Friedberger Seewiese, die am Sonntag zu Ende ging.

Alles ist gut, aber wir müssen zurück zum ursprünglichen Herbstmarkt mit Festzelt«, sagte Schausteller Peter Roie, der zusammen mit seinem Kollegen Alexander Köhler die Herbst-Feelings auf der Friedberger Seewiese in Zusammenarbeit mit der Stadt zum zweiten Mal auf die Beine gestellt hatte. »Wir sind eine mittelständische Veranstaltung mit viel Regionalität und das kommt bei den Besuchern an«, sagte Roie, der die Kommunikation mit der Stadt lobte. Ein besonderes Lob gab es von dem Altenstädter für die Arbeit des Bauhofs: »Die Männer und Frauen waren immer für uns da.«

Die Besucher vermissten jedoch den Krammarkt samt Gourmetwiese und das Rahmenprogramm wie Flohmarkt oder Tiershow. »Das muss nächstes Jahr alles wieder Bestandteil des Fests sein«, sagte Roie, der sich mit der Resonanz insgesamt zufrieden zeigte, auch wenn das Wetter nicht mitspielte, so wie beim Feuerwerk am Samstagabend. Mit dem Feuerwerk setzte Regen ein, doch die Besucher blieben. »Einige waren patschnass, ich fand das schon erstaunlich«, sagte Roie.

Gleich viermal in das Geisterhaus

Am Sonntagnachmittag war es zwar kühl, aber trocken. An den 40 Fahrgeschäften und Buden herrschte reger Betrieb, so auch beim Geisterhaus von Valentin Mikli, der zum ersten Mal in der Kreisstadt war. »Wir sind zufrieden, natürlich hätte es etwas besser sein können«, bilanzierte der Schausteller aus Iserlohn, der mit seinem Betrieb alljährlich Feste besucht, auf denen er mindestens fünf Jahre nicht mehr gewesen ist.

»In eine Geisterbahn geht man halt nur einmal«, sagt Mikli und erzählt von einer Ausnahme. Am Samstag war ein achtjähriger Junge so begeistert, dass er viermal in das Geisterhaus ging. »Da habe ich ihm ein fünftes Ticket geschenkt«, erzählte der Schausteller.

Tanja Kalbfleisch, deren Autoscooter in der Kreisstadt längst Kultstatus erreicht hat, war mit den acht Festtagen zufrieden. Trotz Energiekrise und Kriegsangst sei die Resonanz sehr gut, sagte die Schaustellerin, deren 16-jähriger Sohn Kurt einmal in die Fußstapfen der Eltern treten möchte.

In das Gespräch am Kassenhaus mischt sich der Wölfersheimer Nucer Otmane ein. »Das Fest hier macht richtig Spaß, schließlich müssen wir ja das aufholen, was wir durch Corona verloren haben«, sagte der zweifache Vater, der für seine Kinder gerade Chips für den Autoscooter kaufen wollte.

Ruhig ging es am Finaltag im großen Biergarten zu. »Es ist einfach zu kalt«, brachte es Alexander Kost vom Weingut Kost auf den Punkt, der zusammen mit Ehefrau Claudia Weine aus Rheinhessen anbot. »Wir sind froh, dass wir viele bekannte Gesichter gesund wiedersehen konnten«, sagte Claudia Kost. Auch die Winzerfamilie vermisst die Gourmetwiese. »Das ist ein richtiger Treff für alteingesessene Friedberger geworden« sagte Alexander Kost. »Das ist eine super Veranstaltung hier«, lobten Michael Müller und Rebecca Pielenz, die zusammen mit Rebecca Pielenz’ Sohn Marlon aus Hanau nach Friedberg gekommen waren und gerade zwei Gläser Weißwein geordert hatten. »Der Wein ist super«, sagte Michael Müller, sehr zur Freude der Kosts, die mehrmals nach dem Flammkuchenstand gefragt wurden, doch der hatte kurzfristig abgesagt.

Das störte Ernestine und Heiner Knollmann wenig. Die »Urfriedberger« genossen die Reibekuchen mit Apfelmus. »Die essen wir immer, die sind so schön knusprig«, sagte Ernestine Knollmann - und Ehemann Heiner zog ein positives Fazit des Herbstmarkt-Ersatzes: »Das ist eigentlich alles ganz gut. Es wäre nur noch schöner, wenn ein Zelt da wäre.« Da war sie wieder, die Sehnsucht nach einem Festzelt.

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