Das narkotisierte Pferd nach der Untersuchung. Bevor es erwacht, wird es vorsichtig in eine gepolsterte Box gebracht. FOTO: FRIEDRICH

Pferd im MRT

Ein Schwergewicht in der Tierklinik

Bildgebende Verfahren werden in der Diagnostik längst angewendet, bisher konnte man den MRT aber nicht bei sehr großen Patienten nutzen. Die neuen Räume der Tierklinik lassen dies nun zu.

Der Patient wiegt 600 Kilogramm und ist hochsensibel. Freiwillig hätte er sein Bein niemals in diese weiße Röhre gesteckt, und niemals hätte er die Prozedur still liegend über sich ergehen lassen. Deshalb wurde der Hannoveraner in Narkose gelegt. Wegen des starken Magnetfeldes wurden seine Hufeisen inklusive der Nägel entfernt. Die Tierärzte der Klinik für Pferde (Chirurgie, Orthopädie) wollen herausfinden, warum der Wallach vorne links lahmt. Die bisherigen Untersuchungen erbrachten kein eindeutiges Ergebnis, sodass der Besitzer sich für ein MRT entschied. Während das Pferd tief schläft und eine Tierärztin in dem magnetisch abgeschirmten Raum die Vitalfunktionen überprüft, starten die Kollegen hinter dem Sichtfenster die Aufnahmen. Gespannt verfolgen die Tierärzte Sebastian Schaub und Johanna Hoffmann sowie MTRA Ella Wenz die Bilder, die auf den Monitor übertragen werden.

Rechts der MRT, links der CT

Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes kann man durch ein Sichtfenster einen Patienten beobachten. Dort liegt ein Hund im Computertomographen, bei ihm wird eine Lymphangiographie gemacht. Die Teams in der Radiologie arbeiten parallel, ohne einander in die Quere zu kommen - die Räumlichkeiten in der neuen Kleintierklinik machen es möglich.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein schonendes Verfahren zur Diagnostik, da keine belastenden Strahlen freigesetzt werden. Sie ist aufwendig und kostspielig - etwa 1500 Euro - liefert aber in der tiermedizinischen Lahmheitsdiagnostik beim Pferd wertvolle Erkenntnisse, schildert Hoffmann. Weil das MRT eigentlich für liegende Menschen konstruiert wurde, arbeitet man in anderen Kliniken mit Geräten, bei denen das Tier sediert wird und stehen bleibt - der Nachteil ist aber, dass die Qualität der Bilder schlechter ist. Mittels eines Schnittbildverfahrens ermöglicht eine MRT einen detaillierten Rund-um-Einblick in die schmerzverursachenden Strukturen der unteren Pferdegliedmaße oder auch des Kopfes, wenn neurologische Probleme bestehen, erläutert die Tierärztin. Während Standard-Bildgebungen wie Röntgen oder Ultraschall die Beurteilung von knöchernen Strukturen bzw. dem Weichteilgewebe wie Sehnen, Bändern und inneren Organen zulassen, vereint die Kernspintomographie beide Darstellungen. Sie biete zum Beispiel sehr gute diagnostische Möglichkeiten im Bereich der Weichteilerkrankungen der unteren Zehe, die durch die Hufkapsel bei den anderen Verfahren verborgen bleiben. Pro Untersuchung, erklärt Ella Wenz, werden hunderte Einzelbilder von der gescannten Körperregion in allen gewünschten Ebenen und in unterschiedlichen Kontrasten erstellt.

Bevor man sich für einen MRT bei dem Hannoveraner entschieden hat, erfolgte eine intensive Lahmheitsdiagnostik: Das Gangbild des Pferdes wurde betrachtet, seine Beine abgetastet und auf Wärme und Druckempfindlichkeit überprüft. Auch eine Leitungsanästhesie, bei der Nerven betäubt werden, um den Ort des Schmerzes eingrenzen zu können, wurde zuvor gemacht. Weil dies ebenso wie Ultraschall und Röntgen keine klaren Befunde erbrachte, bekam das Tier seinen MRT-Termin.

Vorsicht, das Pferd wacht auf!

Die Aufwachphase des Pferdes ist heikel. Da die Gefahr besteht, dass das noch wankende Tier in Panik gerät und sich selbst verletzt, wird es - noch schlafend - mit vereinten Kräften vorsichtig in eine große, weich gepolsterte Box gebracht. Dort kommt es allmählich zurück ins Diesseits, während die Tierärzte sich an die Auswertung der Bilder machen. Nachdem sie Knochenfragmente im Bereich des Strahlbein-Hufbeinbandes und im Bereich des Strecksehnenfortsatzes des Hufbeins entdeckten, wurden dem Wallach erst einmal »Boxenruhe«, kontrollierte Bewegung und ein orthopädischer Beschlag verordnet - was jedem menschlichen Orthopädiepatienten bekannt vorkommen dürfte.

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