Das Hauptgebäude des Pfaffenhofes in Erbstadt präsentiert sich von der Straßenseite. Links die Info-Tafel mit archäologischen Fundstellen. FOTOS: GEORGIA LORI
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Das Hauptgebäude des Pfaffenhofes in Erbstadt präsentiert sich von der Straßenseite. Links die Info-Tafel mit archäologischen Fundstellen. FOTOS: GEORGIA LORI

Schmuckstück in Bruchstein

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Der nördlichste Nidderauer Stadtteil Erbstadt hat seinen ganz eigenen Charme. Daran nicht unschuldig ist der Pfaffenhof. Wer das erste Mal vor dem Gut steht, kann erahnen, wie groß und alt diese Hofanlage ist.

Erbstadt gehörte 1398 zur Burg Windecken, die im Eigentum der Herren und späteren Grafen von Hanau stand. Damit gehörte Erbstadt zum Amt Windecken. Die Klöster Naumburg und Ilbenstadt besaßen Wirtschaftshöfe in Erbstadt. Letzterer, der "Pfaffenhof", ist erhalten geblieben.

Kirchlich gehörte das Dorf zum Kloster Ilbenstadt, hatte jedoch einen Priester mit pfarrlichen Rechten. Der Besitz fiel 1803 an die Grafen von Altleiningen-Westerburg. 1928 wurde eine Scheune zu einem Festsaal umgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg im Pfarrhof Karneval gefeiert und Theater gespielt. Auch Vertriebene und Flüchtlinge fanden dort Unterkunft.

Seit Ende der 1960er Jahre befindet sich auf dem Areal des Pfaffenhofes das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr. "Ich finde den Pfaffenhof erhaltungswürdig. Doch es sollte deutlich werden, dass das Wahrzeichen auch ein Wahrzeichen ist. Man könnte mehr daraus machen, vielleicht ein Café eröffnen", sagt Simone Hinkel, die in der Leipziger Straße in Erbstadt ein Ferienhostel betreibt.

Der Pfaffenhof hat bereits diverse Nutzungen erfahren. Im Pfaffenhof tagte bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts jeweils am 2. Januar das Kohlengericht. 1921 wurde das Anwesen mit umfangreichem Grundbesitz von der Gemeinde Erbstadt erworben und befindet sich heute aktuell im Besitz der Stadt Nidderau.

So mancher Erbstädter erblickte in dem Gebäude das Licht der Welt. Auch der Nidderbus-Express nahm das geschichtsträchtige Gebäude in seinen Streckenplan als eine von 31 Haltestellen auf.

Sechs Lagerräume für die Vereine

Heute zeigt sich der Pfaffenhof als Schmuckstück. 2008 wurde die erste Restaurierungsphase abgeschlossen. Restauriert wurde die Außenfassade. Moderne Fenster wurden eingebaut und ein neues Treppenhaus. Im ersten Geschoss wurden für die Erbstädter Vereine sechs Lagerräume eingerichtet. Möglich wurde dies durch den Förderkreis Pfaffenhof, der viel Eigenleistung investierte. Er setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, des Karnevalvereins "Erschter Nachtoeule", des Hundesportvereins HSV Nidderau und des Schützenvereins Schützengilde Erbstadt.

2018 fand das Erbstädter Mundartcafé im Rahmen der Nidderauer Freiwilligentage im Hauptgebäude statt. Zentrale Anlaufstelle ist der Pfaffenhof auch bei Stadtführungen. Im August dieses Jahres enthüllten Dr. Heike Lasch, Vorsitzende des Vereins für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal (VVFN), und Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) am Pfaffenhof in Erbstadt eine von elf geplanten Info-Tafeln, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt aufgestellt werden. Die Tafeln informieren über archäologische Fundstellen im jeweiligen Stadtteil.

Verkauf verhindert

Dass den Erbstädter Bürgern der historische Pfaffenhof nicht egal ist, zeigte der Bürgerprotest, der den Verkauf verhinderte. 2003 wollte ein Investor in dem Ensemble Sozialwohnungen errichten. Auch andere Nutzungsideen wie eine Behindertenwerkstatt oder ein Tageszentrum wurden nicht realisiert. Die Remise, ein langgezogener Sandsteinbau, genießt außerdem Denkmal- und Ensembleschutz.

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