Auf dem Schulhof der Gießener Sophie-Scholl-Schule wurde im Sommer eine knallrote Rollstuhlschaukel aufgestellt. Solche und ähnliche Geräte soll es künftig auch auf den Friedberger Spielplätzen geben. ARCHIVFOTO: SON
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Auf dem Schulhof der Gießener Sophie-Scholl-Schule wurde im Sommer eine knallrote Rollstuhlschaukel aufgestellt. Solche und ähnliche Geräte soll es künftig auch auf den Friedberger Spielplätzen geben. ARCHIVFOTO: SON

Schaukelnd zur Integration

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Integration gelingt dann, wenn niemand ausgeschlossen wird. Zum Beispiel auf dem Spielplatz. Die Friedberger Linke hat deshalb vorgeschlagen, eine Rollstuhlschaukel anzuschaffen. Im Sozialausschuss wurde der Antrag in geänderter Form einstimmig angenommen.

Der Spielplatz auf der Seewiese ist der wohl beliebteste seiner Art in Friedberg. Täglich tummeln sich dort Kinder, haben Spaß an der Seilrutsche, erklimmen die Klettergerüste und lassen beim Schaukeln die Beine fliegen. Oft kommen hier Mitarbeiterinnen der benachbarten Blindenschule vorbei und schieben mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche im Rollstuhl über die Seewiese. Mitspielen können sie nicht. Dafür sind die Spielgeräte nicht ausgelegt.

Die Fraktion der Linken im Stadtparlament hat daher vorgeschlagen, die Stadt solle für den Seewiesenspielplatz eine Rollstuhlschaukel anschaffen. Um die Schaukel mit dem Rollstuhl auch erreichen zu können, müsse ein gut befahrbarer Weg zu ihr gebaut werden. Auch einen Vorschlag für den Standort des Spielgeräts machte die Linke.

Der Antrag wurde im März in den Ausschuss für Jugend, Soziales, Senioren, Sport und Kultur verwiesen, vor einer weiteren Diskussion über das Thema sollte die Stadtverwaltung die Kosten ermitteln.

Und die sind nicht ohne, wie Bürgermeister Dirk Antkowiak jüngst in der Ausschusssitzung sagte. Die Schaukel selbst schlage mit rund 15 000 Euro zu Buche, das Drumherum (Bauarbeiten, Fallschutz, befahrbarer Weg etc.) dürfte weitere rund 25 000 Euro kosten. Die Stadt habe Kontakt zur Johann-Peter-Schäfer-Schule für Blinde und sehbehinderte aufgenommen, dort werde eine solche Anschaffung begrüßt, sagte Antkowiak. Auf dem Gelände der Blindenschule gebe es solche behindertengerechten Spielgeräte. Die Schule habe aber angeregt, statt einer reinen Rollstuhlschaukel ein Spielgerät anzuschaffen, das von Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gleichzeitig benutzt werden kann. Also eine barrierefreie Doppelschaukel mit Schutzbügel oder eine entsprechende Wippe.

Spielgeräte werden ständig erneuert

"Wir wollen den Integrationsgedanken vorantreiben", sagte Antkowiak. Was aber tun, wenn eine teure Rollstuhlschaukel aufgrund der Finanzlage derzeit nicht drin ist? Der Bürgermeister schlug vor, auf eine zusätzliche Ausgabe zu verzichten und stattdessen bei der nächsten Neuanschaffung auf ein integrationsgerechtes Spielgerät zu setzen - dann, wenn ein altes Gerät defekt ist und ohnehin ersetzt werden muss.

Die Linken-Stadtverordnete Anja El Fechtali warf die Frage in den Raum, mit welcher Zeitspanne denn da zu rechnen sei. "Wenn das zwei Jahre dauert, sind wir nicht einverstanden." Zwar konnte Antkowiak kein exaktes Datum nennen, da sich die Spielgeräte-Vandalen in Friedberg, wie andernorts auch, nicht mit der Stadtverwaltung abstimmen. Die Erfahrung zeige aber, dass es keine zwei Jahre dauern werde. Antkowiak: "Wir tauschen regelmäßig Geräte aus, auch der TÜV schaut sich die Geräte regelmäßig an." Zerstörungen seien nicht kalkulierbar. Das nächste neue Spielgerät werde ein integratives sein, versprach der Bürgermeister.

Damit konnten sich alle Mitglieder des Sozialausschusses bis auf ein Mitglied der Grünen (Enthaltung) anfreunden. Das letzte Wort hat wie immer die Stadtverordnetenversammlung.

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