Trotzdem Kontakt zu den Besuchern: Magier Nicolai Friedrich scheint zu wissen, was die Zuschauer denken. FOTO: LH
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Trotzdem Kontakt zu den Besuchern: Magier Nicolai Friedrich scheint zu wissen, was die Zuschauer denken. FOTO: LH

Zauberer mit spitzbübischem Charme

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). Er ist auf den großen Bühnen der Welt zu Hause, kann sich mit David Copperfield ebenso messen wie mit Siegfried und Roy, und bevorzugt seine eigenen Kunststücke, an denen er manchmal jahrelang tüftelt. Da grenzt es fast an Zauberei, dass es Marion Hallwirth und Tina Danglidis vom städtischen Kulturamt gelang, den Mental-Magier Nicolai Friedrich kurzfristig für die Reihe "Kultur an der Wasserburg" zu gewinnen. Getreu seinem Motto "Die menschliche Wahrnehmung ist beschränkt, nur man merkt es nicht" nahm er seine begeisterten Zuschauer mit in die Welt der Magie - sei es auf der Bühne, mitten im Publikum oder via Internet.

"Einige lachen, der Rest denkt nach", kommentierte der sympathische Meister seines Fachs grinsend die Reaktion jener, die er gerade mit dem Seiltrick verblüfft hatte. Hat das Seil nun zwei, vier oder gar kein Ende? Die junge Dame, die er zuvor an die Bühne geholt hatte, war überzeugt gewesen, dass mit dem Seil doch alles in Ordnung war. Oder doch nicht? Und wo kam die kiloschwere Bowlingkugel her, die so plötzlich laut polternd vor seine Füße fiel? Wie aus heiterem Himmel, oder auch nicht? Bis hierhin mochte man ihm ja gern folgen, lehnte sich entspannt auf den Stühlen zurück und ließ sich angenehm überraschen. Doch dann folgte ein Ausflug in die Mental-Magie, der den einen oder anderen nicht so ganz geheuer sein mochte. Oder doch?

Sechs Richtige im Lotto

Konnte der Mann mit dem spitzbübischen Charme wirklich Gedanken lesen, oder war das, was er im wahrsten Sinne des Wortes zum Besten gab, das Ergebnis einer einmaligen Psychologie, die so lange beobachtet und beeinflusst, bis der Mensch es für wahr hält? Woher wusste er die sechs Richtigen im Lotto vorherzusagen? Da mochte man ihn doch gern zu sich zu Hause auf ein Glas Rotwein einladen, damit er einem die Supertreffer verraten möge. Den Rotwein hätte man noch nicht einmal kaufen müssen, denn mit ein, zwei kleinen magischen Tricks hätte er ihn doch selbst herbeizaubern können.

Einfach praktisch, so ein Mann! Durch nichts ließ er sich aus der Ruhe bringen. Nur als Computerdame Siri ihn das Zaubern lehren wollte, wirkte er ob der unbrauchbaren Tipps und monotonen Gelassenheit dieser Stimme aus dem Smartphone schon mal etwas genervt. Warum sollte sich eine solche Koryphäe wie er auch mit Anfängertricks zufrieden geben? Nein, das hatte er nicht nötig und tat es ja auch nicht, sondern zauberte und zauberte und zauberte, dass man glauben konnte, er wolle die ganze Gesellschaft an der Wasserburg mit Rotwein versorgen. Als er gestand, er sei Absolvent bei Hogwarts gewesen, lockte er auch die kleinen Zuhörer aus der Reserve und entlarvte sie als begeisterte Harry-Potter-Leser. Vermutlich hätte er das sowieso gewusst, denn unter dem Show-Titel "Magie ganz nah" war er seinem Publikum in der Tat so nah, dass er sogar in dessen Köpfe hineinschauen konnte.

Ob Zahlen oder Wörter, ob Geburtstage oder Gesundheitsangelegenheiten - ihm war keine (Zauber-)Nuss so hart, dass er sie nicht hätte knacken können. Und das alles handgemacht und ohne große Materialschlacht. Eine überschaubare Bühne, auf der einem geneigten Freund der Magie nichts entgehen konnte, war sein Revier.

Ab und zu verließ er sie, um sich unter das Publikum zu mischen und das Material für seine Zauberkiste direkt vor Ort abzuholen. Seit rund zwei Jahrzehnten begeistert - oder verzaubert - er damit die Menschen und lässt es sie in den Fingern jucken, den einen oder anderen Ausflug in die Magie selbst auszuprobieren. Ganz davon abgesehen, dass es kaum jemandem gelingen würde, es ihm nachzumachen, könnte ein Versuch auch böse Konsequenzen haben.

Zum Beispiel bei dem Tütentrick, bei dem eine der vier, vorher gut vermischten Tüten einen aufrecht stehenden Nagel verbirgt und nach Möglichkeit nicht mit einem kräftigen Faustschlag erwischt werden sollte.

Da sollte man sich statt dessen lieber genüsslich zurücklehnen und dem Profi beim Zaubern zuschauen. Es lohnt sich in jeder Hinsicht.

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