+

Wollte 45-Jähriger seine Mieterin überfahren?

Rosbach v.d.H./Gießen (sha). "Ich bin doch nicht so wahnsinnig, meine Existenz zu riskieren", sagte ein 45-Jähriger aus Rosbach am Mittwoch vorm Gießener Landgericht. Als Transportunternehmer sei er auf seinen Führerschein angewiesen und habe "definitiv nicht wissentlich versucht", am 31. Januar 2008 seine frühere Mieterin, eine 51-jährige Frau, zu überfahren.

Das Amtsgericht Friedberg hatte dem Mann geglaubt und die 51-Jährige sowie deren Ehemann in erster Instanz wegen eines vorsätzlich falsch geäußerten Verdachts am 25. Juli 2011 zu Geldstrafen verurteilt. Dagegen hatte das Paar jedoch Berufung eingelegt. Beide erneuerten am Mittwoch ihre Vorwürfe gegen den 45-Jährigen. Der Prozess wird am 10. Oktober fortgesetzt.

Den Hintergrund dieser Auseinandersetzung bildet ein "jahrelang schwelender Mietrechtsstreit", wie Vorsitzender Richter Dr. Johannes Nink betonte. Das angeklagte Ehepaar wohnte eigenen Angaben zufolge seit 1984 in dem Rosbacher Haus zur Miete. Das Gebäude gehört der Frau des 45-jährigen Transportunternehmers. Diese habe nach den Worten der beiden Angeklagten fortlaufend nach einem Kündigungsgrund gesucht, da sie den Eigenbedarf nicht vor Gericht habe durchsetzen können. 2009 seien sie schließlich ausgezogen, nachdem sich beide Seiten vor Gericht auf einen Vergleich geeinigt hatten.

Der angebliche Vorfall vom 31. Januar 2008 habe sich abends ereignet, als seine Frau die Hunde ausführen wollte, schilderte der mitangeklagte Ehemann der Kammer. Er habe das Geschehen vom Fenster aus beobachtet. Gerade als seine Frau die Fahrbahn überqueren wollte, habe er gesehen, wie der Transporter des Rosbachers "ohne zu blinken und mit Gas" in die Straße eingebogen sei, berichtete der 53-Jährige. Nur durch einen Sprung zurück habe sich die Angeklagte in Sicherheit bringen können.

Schwierigkeiten hatte das Ehepaar bei der zeitlichen Einordnung des Geschehens. Oberstaatsanwalt Markus Weimann wies die Frau darauf hin, dass sie bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt hatte, die angebliche Attacke habe sich gegen 20.45 Uhr ereignet. Ihr Ehemann gab am Mittwoch an, dass er den Vorfall aber bereits "kurz nach der Tagesschau" beobachtet habe. Um 20.45 Uhr war der Transportunternehmer allerdings schon bei Freunden in Friedrichsdorf gewesen, um einen Junggesellenabschied vorzubereiten. Zeugen hatten dies bereits in erster Instanz bestätigt. Der Rosbacher war nach eigener Aussage mit dem Transporter unterwegs gewesen, weil er später noch einen Auftrag in Frankfurt zu erledigen hatte.

Ob er unter Umständen auch schon etwas eher losgefahren sein könnte, vermochte der Mann nicht mehr zu sagen. Jedoch wollte er es auf Nachfrage auch nicht ausschließen, da er in Eile gewesen sei. Weitere Zeugen sollen am 10. Oktober aussagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare