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In diesem Haus lebte einst Philipp Marolph, der Mann, dem Rosbach seine Stadtrechte zu verdanken hat.

Historische Orte

Wie Rosbach zur Stadt wurde

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Der Dreißigjährige Krieg und die Pest haben ihre Spuren hinterlassen. 1648 sind nur noch zehn Häuser bewohnbar. In einem davon lebt Philipp Marolph, dem Ober-Rosbach seine Stadtrechte zu verdanken hat.

Die Treppe ist noch dieselbe. Seit Jahrhunderten schon führt sie vom Flur des Hauses in die Wohnetage. »Wenn das alte Haus erzählen könnte, es gäbe eine unendliche Geschichte.« Mit diesen Worten endet ein Artikel in den Rosbacher Geschichtsblättern aus dem Dezember 1988. Der Artikel dreht sich um das Haus in der heutigen Homburger Straße - und um dessen Geschichte, die davon erzählt, wie Ober-Rosbach zu seinen Stadtrechten gekommen ist.

Die Straße hieß noch nicht immer Homburger Straße, erzählt Horst Pauly vom Heimatgeschichtsverein. Früher, im 17. Jahrhundert, gab es noch keine Straßennamen. Sie war »ein großer Handelsweg der alten Zeit«. Über die gepflasterte Straße fuhren Händler mit ihren Planwagen, in denen sie ihre Waren geladen hatten. Zweimal im Jahr, zum Markt, kamen die Gaukler in den Ort. Im Gasthaus »Zum roten Ochsen« stiegen Übernachtungsgäste ab. Inmitten der geschäftigen Straße steht das Haus des Schultheißen - der Mann, der im Ort dafür verantwortlich ist, dass die Bürger ihre Steuern zahlen. Philipp Marolph ist sein Name. Sein Haus hat als eines der wenigen den Dreißigjährigen Krieg überstanden.

Für 5000 Taler zur Stadt

Wie in so vielen anderen Städten und Dörfern, hat der Krieg Spuren in Ober-Rosbach hinterlassen. 1634 waren Truppen des Kaisers durch den Ort gezogen und haben verheerend gewütet. Ein Jahr später sterben viele Menschen an der Pest. Als der Krieg 1648 endet, leben von den einst 130 Familien noch 30. Zehn Häuser sind bewohnbar.

Im Dorf beginnt der Wiederaufbau. Und: »Der Landgraf zu Hessen machte sich ebenfalls Gedanken, wie seine arg dezimierte Staatsschatulle wieder aufgebessert werden könnte«, heißt es in den Rosbacher Geschichtsblättern.

Zu dieser Zeit treten Vertreter des Landgrafen mit Philipp Marolph in Verhandlungen. Ober-Rosbach soll zur Stadt werden und will dadurch von einer Reihe an Steuern und Abgaben an den Landgrafen befreit sowie in das Verzeichnis der hessischen Städte aufgenommen werden.

Dafür war der Erwerb von Stadtrechten notwendig, der 5000 Reichstaler kosten sollte. In der Gemeindekasse jedoch waren bloß 2000 Reichstaler; 3000 fehlten Ober-Rosbach, um Stadt zu werden. Sie mussten geliehen werden. Und da kommt Marolph wieder ins Spiel. Durch seine Frau hat er familiäre Verbindungen zu einer vermögenden Frankfurter Tuchhändler-Familie, deren Vermögen auf rund 100 000 Reichstaler geschätzt wird. Zum Besitz zählen mehrere Häuser in Frankfurt. Marloph bekommt den Kredit, dafür verpfändet Ober-Rosbach 500 Morgen seines Waldes, wird zur Stadt und bekommt das Recht, zweimal jährlich Märkte abzuhalten. Wegen des großen Erfolgs der Märkte sind die Schulden schon nach sechs Jahren zur Hälfte getilgt.

Philipp Marolph stirbt am 15. Januar 1687. Sein Haus wechselt mehrmals den Besitzer, bis es 1855 von einem Vorfahren des heutigen Eigentümers erworben wird.

Stadtrechte wieder aberkannt

So steht das Haus noch heute im alten Ortskern von Ober-Rosbach. Der Anstrich hat sich verändert, die Einrichtung auch. Doch die alte Treppe, die Wände, die Balken sind noch immer dieselben. Bis 2017 betrieb die auf dem Hof lebende Familie Fornoff einen Milchviehbetrieb.

Vor einigen Jahren übernahm Ute Albrecht den elterlichen Hof. Der alte Gewölbekeller unter den Wohnräumen ist für die heutigen Bewohner vor allem Kartoffelkeller. Während des Zweiten Weltkriegs jedoch, erzählt Albrecht, diente der Keller als Schutzraum bei Bombenalarm.

Zu dieser Zeit wurde Ober-Rosbach von den Nationalsozialisten aus der Liste der Städte gestrichen - und war damit wieder Dorf. Aber: In dem Ort bekam das zuerst niemand mit. Erst später »stellte man mit Erstaunen fest, dass die vermeintliche Stadt mittlerweile wieder ein Dorf geworden war«. Das wollten die Ober-Rosbacher nicht dulden, der damalige Bürgermeister Wiegand setzte sich dafür ein, dass der über 300 Jahre zuvor teuer erkaufte Titel seine Gültigkeit zurückerlangte. Womit er auch Erfolg hatte. Laut einer Urkunde vom 20. Juli 1957 ist Ober-Rosbach vom Hessischen Innenministerium dazu berechtigt, die Bezeichnung Stadt zu führen. Mit der Gebietsreform schließlich werden Ober- und Nieder-Rosbach sowie Rodheim zu einer Stadt.

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