Weltrekordversuch mit Riesen-Schnitzel geglückt

Rosbach v. d. H. (sky). »Rosbach hat den Rekord«, jubelte Bayernwirt Martin Liebscher angesichts des Mega-Schnitzels, das Kranführer Stefan Kaffenberger am Donnerstagabend kurz nach 20 Uhr vor seinen Augen aus der 25 Quadratmeter großen Bratpfanne gehoben hatte.

Tosender Applaus der etwa 1000 Zuschauer vor der Adolf-Reichwein-Halle belohnte ihn für seinen von Fernsehkameras festgehaltenen Weltrekord, noch bevor dieser offiziell von Alfred Pfeiffer von der Hessischen Eichdirektion und Rechtsanwältin Sylvia Herzog bescheinigt wurde.

Letztere hatte sich noch am 18. Mai den aktuellen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde schriftlich geben lassen. Danach ist (oder war?) Klaus Bergmann aus Österreich Rekordhalter für das größte Schnitzel der Welt. 23,1 Kilo wog sein kulinarisches Meisterwerk, das er im Mai 2008 in die Pfanne hatte gleiten lassen. Für Liebscher »Peanuts«: Ihm wurden vom Eichmeister 550 Kilo bestätigt - alles an einem Stück gebraten. »Für den Rekord muss das Schnitzel aus einem zusammenhängenden Stück bestehen, essbar sein und schmecken«, erläuterte Anwältin Herzog.

»Ich bin glücklich und erleichtert«, antwortete Liebscher auf die Frage einer Fernsehjournalistin, wie er sich fühle, nachdem das Riesenschnitzel endlich kross gebacken vor ihm lag. Noch um die Mittagszeit war die ohnehin schon vorhandene Anspannung sprunghaft angestiegen, als über Rosbach heftige Regenschauer niedergingen. »Wir überlegen noch, was wir machen sollen«, sagte der mutige Wirt der WZ. Keine drei Stunden später war klar, dass man den Rekordversuch wagen wollte.

Über der Pfanne war ein Pavillon aufgestellt, damit kein Regen in das 190 Grad heiße Fett prasseln konnte. Für das Erhitzen der vier Tonnen Bratfett standen 30 große Gasflaschen bereit. Einsatzleiter Steffen Winkler von der Feuerwehr hatte zusammen mit seinen Kameraden ein Löschfahrzeug bereitgestellt .

Endlich stieg Beikoch Daniel Hergenröther auf die mit Folie ausgelegte, fünf mal fünf Meter große Fläche aus Holzbohlen, um dort die Fleischstücke dachziegelartig auszulegen und zu einem großen Stück zusammenzufügen. »Ich bin lecker wie ein Schnitzel« war auf seinem T-Shirt zu lesen, das ihn und 25 andere Helfer als Teammitglieder zu erkennen gab. Nach einer Stunde prüfte Liebscher das Werk und befand: »Wir müssen die Stücke noch etwas auseinander ziehen, sonst stimmt die Größe nicht«. An einem langen Seil angegurtet, ließ Kranführer Kaffenberger ihn über das Schnitzel schweben, damit er die Korrekturen von der Luft aus vornehmen konnte. Als er anschließend - ebenfalls von oben - die ersten Tüten mit Mehl über dem Fleisch ausschüttete, kam Stimmung auf. Die Anfeuerungsrufe wurden lauter, als die 2500 Eier für die Panade hinzugefügt wurden. »Jetzt noch Paniermehl drüber, dann ist er schon fertig«, meinte eine Zuschauerin. Bei ihr zu Hause würde so etwas keine fünf Minuten dauern, frotzelte sie.

Spanngurte zum Fixieren

Dass ein solcher Arbeitsvorgang bei Dimensionen wie hier ganz schön langwierig sein sollte, zeigte sich beim anschließenden Versuch, das Schnitzel per Kran zu wenden. Ein großes Gitter wurde dafür mit der Holzplatte verschraubt. »Das war nicht fest genug«, befand einer der Helfer, als sich das Fleisch in die Schräglage begab. Nachdem die Feuerwehr mit Spanngurten ausgeholfen hatte, lief beim zweiten Versuch alles reibungslos. Eine Wolke von Mehl und Paniermehl senkte sich auf die Männer, die vom Boden aus das Wendemanöver steuerten, dann war es geschafft. Die Platte wurde entfernt, damit auch die andere Seite paniert werden konnte. Jetzt ging man mutiger ans Werk. In hohen Bögen flogen Mehl, Eier und Paniermehl, dann war das Werk fertig zum Braten.

»Ich habe noch nie so lange auf mein Essen warten müssen«, scherzte Bürgermeister Detlef Brechtel. Er und Gattin Erika hatten es sich nicht nehmen lassen, dem fröhlichen Spektakel beizuwohnen. Um 20.30 Uhr hievte Kaffenberger mit seinem 75-Tonnen-Autokran das Rekordschnitzel ins heiße Fett. »Jetzt muss es genau 14 Minuten backen«, erläuterte Liebscher. Dann war es soweit: Knusprig gebraten und lecker duftend erschien das XXXXL-Schnitzel wieder vor den Augen der Zuschauer.

Jetzt waren Pfeiffer und Herzog wieder gefragt. Alle Fleischstücke, die sich aus dem Ganzen gelöst hatten, mussten herausgenommen werden und landeten gleich auf den Tellern der Umstehenden. Übrig blieben 550 Kilo, die mit einer am Kran angebrachten Waage ausgewogen wurden. Die achtjährige Luna war unter den Ersten, für die sich das Warten gelohnt hatte: Eine ganze Familienportion legte der Bayernwirt auf ihren Teller. »Das schmeckt wirklich lecker«, meinte die junge Dame, nachdem sie gekostet hatte. Gegen 22 Uhr war das letzte Stück Fleisch verschenkt. Herzog: »Jetzt müssen wir uns den Rekord nur noch amtlich bestätigen lassen und ihn beim Guinnessbuch einreichen.«

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