Waldbestattung: Niemanden zur Grabpflege nötigen

Rosbach v. d. H. (sky). Wer "nur" pünktlich kam, musste bereits mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. So groß war das Interesse an der Info-Veranstaltung in der Nieder-Rosbacher Wasserburg zum Thema Waldbestattung in Rosbach.

"Wir wollen heute feststellen, ob überhaupt Bedarf besteht", sagte Bürgermeister Detlef Brechtel bei der Begrüßung – und erntete den ersten Lacher der rund 100 Anwesenden. Mit Heiterkeit näherten sich die Zuhörer einem ernsten Thema. Soll es eine Erd- oder Feuerbestattung geben, und wo soll die letzte Ruhestätte sein? Und welche Vorsorge kann der noch Lebende treffen, welche Wünsche formulieren?

"Die Idee der Waldbestattung kommt aus der Schweiz", berichtete Thomas Götz, der sich im Forstamt Weilrod mit dem Thema beschäftigt. Heute gebe es allein in Deutschland etwa 40 Friedwälder.

Rund fünf Hektar Wald am "Ketzerborn" sollen für die Alternative zur konventionellen Bestattung bereitgestellt werden. "Wir wollen klein anfangen, ausbauen können wir immer noch", betonte der Bürgermeister. "Viele wollen für sich kein normales Grab auf einem Friedhof", berichtete er. Denn niemand solle sich genötigt fühlen, das Grab zu pflegen. Außerdem wollten viele Menschen nicht die Grabstätte, sondern die Person in Erinnerung behalten. Brechtel: "Der Bestattungswald soll die bestehenden Friedhöfe nicht ersetzen, sondern nur das Angebot ergänzen."

Gut erschlossen und auch mit dem Auto gut zu erreichen sei das ausgewählte Waldstück. Grabsteine und Blumenschmuck gehörten nicht zur Philosophie einer Waldbestattung. Außerdem würden nur Urnenbeisetzungen gestattet, erläuterte Thomas Götz. Er hatte Vergleichszahlen aus Waldsolms und Weilrod mitgebracht, um auch die finanzielle Seite darstellen zu können. Danach ist die Waldbestattung die kostengünstigste Bestattungsform, die derzeit angeboten wird. Die Gestaltung eines Andachtsbereichs werde derzeit mit den Kirchengemeinden im Stadtgebiet abgestimmt, so dass auch die Trauerzeremonien ihren Raum hätten.

"Bestattungsbäume werden gemeinsam mit dem Förster ausgesucht und in ein Baumregister eingetragen", war zu erfahren. Entsprechende Verträge – von denen man auch ein Bestattungsinstitut des persönlichen Vertrauens in Kenntnis setzen kann – garantieren, dass das Gewünschte nach dem Tod des Betroffenen auch umgesetzt wird. "Ich habe keine Angehörigen mehr und möchte mich darauf verlassen können, dass ich auch wirklich dort beerdigt werde, wo ich meine letzte Ruhestätte haben möchte", meinte ein kritischer Zuhörer. Götz konnte beruhigen: "Was einmal festgelegt wurde, wird auch gemacht."

Alles soll geregelt sein

Ein 53-Jähriger aus Rodheim notierte sich alles Gesagte. "Mein Eltern sind in Langen begraben, und meine Schwiegereltern über 80", erzählte er. Zu verstreut leben die Angehörigen, um die Gräber selbst zu pflegen. Das will er besser machen. "Wenn ich selbst mal so weit bin, soll alles geregelt sein."

Pfarrer Lothar Berger aus Rodheim war der einzige Kirchenvertreter unter den zahlreichen Gästen. "Bei dieser Bestattungsform merkt man nicht mehr, wo die Verstorbenen liegen", fügte er kritisch an. Es sei eine typische Bewegung erkennbar, "den Tod im Leben zu verdrängen".

Die Zuhörer beschäftigten sich derweil mit anderen Problemen: "Was ist, wenn ein Wildschwein die Urnen ausgräbt", fragte einer. Götz’ Antwort: "Das kann nicht passieren, denn die Urnen liegen in 65 Zentimeter Tiefe". Und was wird getan, wenn der ausgesuchte Baum plötzlich umfällt? "Dann wird an gleicher Stelle ein neuer gepflanzt".

Als "Friedwald" will Rosbachs Bürgermeister das neue Vorhaben nicht bezeichnet wissen. "Hinter diesem Namen verberge sich eine stadtfremde Organisation mit eingetragenem Markenzeichen". Falls das Projekt in Rosbach zustande komme, werde man es in Eigenregie stemmen. Auf seine Frage, ob er in dieser Richtung weitere Initiativen ergreifen solle, erntete er breite Zustimmung: An die 100 Hände reckten sich empor, um Brechtel das Interesse zu signalisieren.

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