Verzicht auf Mensa-Bau gefordert

Rosbach (sky). Mit rund 20 Millionen Euro Gesamtschulden geht die Stadt ins neue Haushaltsjahr. Grund genug, bei den Beratungen im Haupt- und Finanzausschuss nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Christian Lamping (FWG) wartete mit dem höchst kontrovers diskutierten Vorschlag auf, den geplanten Anbau einer Mensa an die Kapersburgschule zu streichen. Etwa 1,5 Millionen Euro soll das Bauwerk kosten, dessen Pläne der damalige Bürgermeister Detlef Brechtel vor Jahresfrist vorgestellt hatte.

Obwohl der Wetteraukreis als Schulträger für die Gesamtkosten aufzukommen hätte, hatte die Stadt sich bereiterklärt, 50 Prozent davon zu übernehmen. Schließlich ist die Kreiskasse leer und gibt für derartige Investitionen keinen Spielraum mehr her. "Hier geht es aber um die Kinder unserer Stadt, und die sollten uns dieses Geld wert sein", hatte Brechtel gegenüber den Mitbürgern argumentiert. Der Kreistag hatte sich bereits im Juli für den Bau der Mensa und die maximal 50-prozentige Beteiligung ausgesprochen.

"Wir haben im Laufe der Jahre für den Wetteraukreis genügend Geld in die Hand genommen, das wir selbst nicht haben", lautete nun Lampings Gegenrede. Das müsse jetzt aufhören. Außerdem gebe es im Bürgerhaus gegenüber (Adolf-Reichwein-Halle) eine Küche, die man übergangsweise für die Essenszubereitung nutzen könnte, bis das Geld für einen Mensa-Bau da sei. "Der Koch dort macht sowieso jeden Tag Mittagessen, dann kann er auch für die Kapersburgschüler kochen", meinte Walter Soff (FWG), und Peter Scholz (Grüne) ergänzte: "In Zeiten knapper Kassen müssen auch mal die Standards heruntergesetzt werden – manchmal tun es auch Übergangslösungen." Die Zeit der Großzügigkeit sei vorbei. Allerdings sprach er sich dafür aus, den Bau in der mittelfristigen Finanzplanung zu belassen. Von einer "Einbahnstraße", bei der das Geld immer nur in Richtung Wetteraukreis fließe, sprach Helge Welker (Piraten). Irgendwann müsse es auch mal ein Zurück geben.

Hauptamtsleiter Manfred Christ verwies hingegen darauf, das 50:50-Finanzierungen zwischen Kreis und Kommunen nichts Neues seien, und dass Rosbach im Hinblick auf steigende Kinderzahlen dringend handeln müsse. Etwa 70 bis 80 Prozent der Kapersburgschüler würden in absehbarer Zeit für einen Mittagstisch infrage kommen, Tendenz steigend. Zudem arbeite man im Kreishaus bereits am Bauantrag für die Mensa.

Bürgermeister Thomas Alber gab zu bedenken, dass der FWG-Vorschlag erst einmal auf seine rechtliche Machbarkeit hin überprüft werden müsse, bevor man sich zu Beschlüssen hinreißen lasse. Ausschuss-Vorsitzender Hans-Peter Rathjens (SPD) warnte davor, "den Konsens in der Kinderbetreuung ohne Not aufzugeben". Er würde "unbedingt von diesem Vorhaben abraten", zumal es ein einmaliger Vorgang in der Wetterau wäre. Und Cornelia Launhardt (puR) sprach von "Bauchweh", wenn die Stadt ihre Verlässlichkeit gegenüber den Eltern aufkündigen würde. Der Bau der Mensa sei in die Pläne für die Ganztagsbetreuung im Stadtgebiet eingearbeitet, deshalb soll man auf gar keinen Fall mehr davon abrücken.

Es gehe nicht an, dass Kinder mit ihrem Eintritt in das Schulalter benachteiligt würden. Lamping blieb bei seiner Auffassung: Man könne nicht einerseits eine Haushaltskonsolidierung fordern und andererseits die finanziellen Verpflichtungen des Wetteraukreises übernehmen. Die Debatte in der Parlamentssitzung heute Abend (20 Uhr) in der Adolf-Reichwein-Halle dürfte spannend werden.

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