Ute Veit, Dieter Mehring und Karsten Brunk an den freigelegten Fundamenten der "Großen Kirche" aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde 1956 abgerissen und an ihrer Stelle der "Musterkindergarten" gebaut.
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Ute Veit, Dieter Mehring und Karsten Brunk an den freigelegten Fundamenten der "Großen Kirche" aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde 1956 abgerissen und an ihrer Stelle der "Musterkindergarten" gebaut.

Über Geschichte stolpern

Rosbach-Rodheim (sky). Diverse Kirchbauten haben das Ortsbild im Zentrum von Rodheim über viele Jahrhunderte hinweg geprägt. Nun werden sie "sichtbar" gemacht.

Inzwischen steht an jener Stelle, wo einst die "alte", die "große" oder eine andere Kirche aus dem Hoch- oder Spätmittelalter als Treffpunkt der Gläubigen diente, nur noch der Turm. Der Rest wurde überbaut mit Dorfgemeinschaftshaus oder dem "Musterkindergarten", der heutigen "Kita Regenbogen". Der Geschichts- und Heimatverein (RGHV) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die noch "greifbaren" Grundrisse der ehemaligen Kirchenschiffe wieder sichtbar und nachvollziehbar werden zu lassen. Dank einer Mainova-Spende konnten die Arbeiten an dem Projekt nun beginnen.

"Wanderung durch die Jahrhunderte – Entdeckungen auf den Spuren der Ortsgeschichte" lautet der Titel, unter dem die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit zu Schaufeln und Besen greifen, um die alten Fundamente wieder freizulegen. "Wir sind erstaunt, wie gut das Mauerwerk noch erhalten sind", meinte der RGHV-Vorsitzende Karsten Brunk kürzlich. 1956 hatte man die "Große Kirche" aus dem 19. Jahrhundert hier abgerissen. Viele Jahre war sie nicht mehr genutzt und dementsprechend dem Verfall preisgegeben worden.

Zusammen mit seinen Vereinskollegen Dieter Mehring, Peter Faulstroh, Joachim Beuck, Larissa Korth und Ute Veit nutzt Brunk jede freie Minute, um die Arbeiten bis zum Beginn des neuen Kindergartenjahres weitestgehend abzuschließen, denn die etwa 50 Quadratmeter große Baustelle liegt in unmittelbarer Nähe des Kita-Eingangs.

"Hier laufen täglich zahlreiche Kinder, Eltern und Großeltern vorbei", erklärt Brunk. Diese Tatsache war übrigens ein wesentlicher Grund dafür gewesen, die Mauerreste unter der Grasnarbe wieder freizulegen. "Wo viele Leute entlanglaufen, gibt es auch hervorragende Gelegenheiten, über Rodheims Geschichte zu stolpern." Rund 1,80 Meter dick sind die Fundamente, die nach und nach wieder ans Tageslicht kommen. Um sie dauerhaft für die Nachwelt zu erhalten, werden in Abstimmung mit der Denkmalschutz-Behörde anschließend konserviert.

Bagger eilt zu Hilfe

Tatkräftige Unterstützung bekommen die Lokalhistoriker von Nadir Temiz, einem örtlichen Bauunternehmer, der sich auf die Erhaltung oder Rekonstruktion historischer Bauten oder deren Reste spezialisiert hat. Er stellt auch – lediglich gegen Aufwandsentschädigung – einen kleinen Bagger zur Verfügung, um die Erdschichten behutsam abzutragen. "Arbeiten an altem Mauerwerk sind mein Hobby", sagt er.

Die Leute von RGHV sind froh über diesen Zufall. "Ohne Partner wie Nadir Temiz könnten wir das Projekt nur schwer finanzieren", sagen sie.

Meter für Meter, Stück für Stück kommt hier Rodheimer Geschichte an die Oberfläche zurück. Um Witterungseinflüssen vorzubeugen, werden die Fugen zwischen den Natursteinen frostsicher verschlossen. Auch eine Drainage wird nötig sein, damit sich kein Wasser in den tiefer gelegenen Bereichen ansammeln kann. Den ursprünglichen Plan, die Fundamente auf ebenerdiges Niveau hochzuziehen, gab man auf. "Wir wollen so viel Original wie möglich zeigen."

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