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Für die Feldhasen in ihrem Revier haben die beiden Nieder-Rosbacher Jagdpächter Heiko Blecher (l.) und Philipp Köster verschiedene Maßnahmen getroffen.

Bunte Eier als Erkennungszeichen

Sorge um Wetterauer Feldhasen: Was hat es mit den Ostertraditionen auf sich?

  • vonJürgen W. Niehoff
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Wieso bringt eigentlich der Osterhase die bunten Eier? Was hat der Osterhase mit dem Feldhasen gemein? Nieder-Rosbachs Jagdpächter berichten über die Bedeutung der Feldhasen.

Ursprünglich war das Lamm die österliche Symbolfigur. Bis heute hat sich die Tradition gehalten, Brot und Kuchen in Lämmerform zu backen. Irgendwann soll es dabei zu einem Missgeschick gekommen sein, und beim Backen eines Osterlamms im Ofen soll sich der Brotlaib so verformt haben, dass er mehr einem Hasen als einem Lamm ähnelte. Wahrscheinlicher ist jedoch die andere Variante, nach welcher der Osterhase, der die Eier färbt und versteckt, einem protestantischen Brauch aus dem 18. Jahrhundert zugrunde liegt.

Wetterauer Feldhasen: Bunte Eier als Erkennungszeichen

Dass der Feldhase zum Spezialisten fürs Eierfärben und -verstecken wurde, geht sicherlich auf seine Fruchtbarkeit und sein Paarungsverhalten in der vorösterlichen Zeit zurück. Sein Verhalten in freier Natur hat ihn auch zum Favoriten fürs Eierverstecken gemacht: Feldhasen verharren still in einer Mulde, bis sie bei Gefahr in letzter Minute davonhoppeln. Die Stelle, auf der die Hasen gelegen haben, wurde als Platz der Eierablage interpretiert.

Auch das Buntfärben beruht auf einer alten Tradition. Ursprünglich durfte während der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag nämlich kein Fleisch gegessen werden. Unter dieses Verbot fielen auch Hühnereier. Da die Hühner in dieser Zeit nicht mit dem Eierlegen aufhörten, wurden die Eier rot gefärbt. So konnten sie später von den frischgelegten Eiern unterschieden werden. Da die farbigen Eier vor allem den Kindern gefielen, wurde das Färben zur Tradition und so zum Osterbrauch gemacht.

Wetterauer Feldhasen: Nahrungssuche und Eierversteck

Warum nun aber gerade der Hase die Eier bringt, versuchte man damit zu erklären, dass im Frühjahr die ausgehungerten Hasen zur Nahrungssuche in die Dörfer und Bauerngärten kamen. Die Nahrungssuche dort wurde dann kurzerhand zum Eierverstecken umgedeutet.

»Natürlich haben auch wir in unserer Jugend Ostereier im Garten gesucht und viel Spaß dabei gehabt«, berichten die Nieder-Rosbacher Jagdpächter Heiko Blecher und Philipp Köster. »Heute hingegen machen wir uns Sorge um den Erhalt des Feldhasen an sich.« An zwei Abenden haben sie auf Bitte des Landes Hessen mit einer Wärmekamera und Handscheinwerfern die Anzahl und den Zustand der Feldhasen in ihren Jagdrevieren überprüft.

Der Grund ist, dass Niederwildarten wie der Feldhase extrem unter der Agrarwirtschaft mit ihren Monokulturen und der sich ausdehnenden Besiedlung durch den Menschen leiden. Mit großer Sorge hatten die Jäger deshalb lange Zeit die rückläufige Anzahl der Tiere beobachtet. Für sie ist zum Beispiel der Feldhase für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Bejagung unabdingbar. »Verschwindet der Feldhase, ziehen auch andere Tiere wie beispielsweise Greifvögel weiter. Die Natur wird ärmer«, erklären die beiden Jagdpächter ihre Sorge um den Feldhasen. »Dabei gehört gerade für mich der Feldhase zur Wetterau wie die Münzenburg oder der Sprudelhof«, sagt Blecher.

Wetterauer Feldhasen-Population steigt wieder

Seit zwei, drei Jahren stellen die Jäger eine gegenläufige Entwicklung fest. Der Feldhase ist mit einer ansteigenden Population wieder im Kommen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So haben sie in diesem Jahr etwa 50 Feldhasen auf 100 Hektar gezählt. »Die vielen Maßnahmen, die gemeinsam von den örtlichen Landwirten und den Jägern kontinuierlich Jahr für Jahr durchgeführt werden, tragen Früchte«, betonen die beiden. So haben sie zum Beispiel in ihrem Revier auf einem Acker extra das Gras als Versteck hochstehen lassen.

Der Hase kann sich in dem extra hochstehenden Gras gut verstecken.

Dennoch: »Auch wenn die Zahlen wieder ansteigen, so halten wir uns trotzdem mit dem Abschuss zurück«, pflichtet Köster bei. Von den 100 von der Jagdbehörde zum Abschuss freigegebenen Hasen wollen sie nicht einmal ein Drittel erlegen.

Somit besteht auch in diesem Jahr die Möglichkeit, dass viele Erholungssuchende bei ihren Ausflügen in die Natur rund um Nieder-Rosbach den ein oder anderen »Osterhasen« zu Gesicht bekommen. Damit diese auch in den nächsten Wochen ungestört in Feld und Flur ihren Nachwuchs aufziehen können, bitten die beiden Jagdpächter die Hundehalter, ihre Tiere auf den Wegen an der Leine zu führen, sodass die Wildtiere nicht unnötig beunruhigt werden.

Wetterauer Feldhasen sind gute Schwimmer

Der Feldhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, vor allem am Anfang der Fortpflanzungszeit im Spätwinter und im Frühjahr. Die Tiere sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger und ruhen am Tag in Sasse genannten, flachen, meist gut gedeckten Mulden. Bei Gefahr »drücken« sie sich bewegungslos an den Boden und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Feldhasen erreichen dabei über kurze Distanz Geschwindigkeiten bis zu 70 Kilometern pro Stunde und springen bis zu zwei Meter hoch. Die Tiere können auch gut schwimmen.

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