Das "Sang-Center" mit Supermarkt und Altenheim soll bis Ende 2022 stehen. Die Baugrube wurde immerhin schon ausgehoben. FOTO: NICI MERZ
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Das "Sang-Center" mit Supermarkt und Altenheim soll bis Ende 2022 stehen. Die Baugrube wurde immerhin schon ausgehoben. FOTO: NICI MERZ

Neuer Investor

Schweizer bauen Rosbacher "Sang-Center" über Luxemburger Stiftung

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Eine große Grube erfreut die Stadtoberen: Das "Sang-Center" direkt an der B 455 in Rosbach wird tatsächlich gebaut. Spätestens Ende 2022 sollen Supermarkt, Altenpflegeheim, Café und Bäckerei stehen - auch wenn der Investor schon wieder ein anderer ist.

Wenn Ende 2022 die Bewohner der Sang tatsächlich im neuen Supermarkt einkaufen sollten, dann sichern sie damit auch ein Stück weit die Vorsorge von Schweizer Ärzten: Die Personalvorsorgestiftung der Ärzte und Tierärzte PAT-BVG mit Sitz in Bern hat das zu entwickelnde "Sang-Center" über eine Luxemburger Stiftung erworben. Bürgermeister Steffen Maar hat die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses dieser Tage darüber in Kenntnis gesetzt. "Wir sind froh, dass jetzt gebaut wird", sagte er der WZ.

Danach hatte es nicht immer ausgesehen. Wie berichtet hatte der Investor GHI aus Linden das Projekt überraschend gestrichen und das Gelände im Juni an die Gießener Architekt- und Ingenieurgesellschaft HP&P verkauft. Die Firma des Architekten Helmut Peter, dessen Ehefrau damals über FB1 Immobilien das "Feldpreul-Center" entwickelt hatte, erwarb dann im Januar auch den von GHI zurückgegebenen städtischen Teil des Filetgrundstücks an der B 455, um das Projekt wie ursprünglich geplant zu realisieren. Per Vertrag verpflichtete sich die von HP&P installierte "In der Sang" Rosbach GmbH, das "Sang-Center" mit Lebensmittelmarkt, Seniorenwohnheim mit bis zu 95 Betten und 30 bis 60 betreute Wohnungen sowie Gastronomie-Einrichtungen (Café, Bistro, Bäcker) zu realisieren. An die Stadt flossen gut 1,5 Millionen Euro für das Grundstück und eine Sicherheitsleistung von 500 000 Euro, die von der Stadt für etwaige Schadensersatzansprüche verwendet werden könnten - denn das Gebäude wird auch als Lärmschutz für die angrenzende Wohnbebauung zur B 455 und dem Gewerbegebiet dienen. Steht das Gebäude (oder eine provisorische Lärmschutzeinrichtung) nicht bis 30. September 2021, könnte die Stadt so selbst für Lärmschutz sorgen. Zwischen den beiden Gebäudeteilen des Komplexes soll übrigens eine Lärmschutzwand aus Glas entstehen, dafür erstattet die Stadt 100 000 Euro. Laut Vertrag muss das "Sang-Center" bis 31. Oktober 2022 fertig sein, der Bauträger peilt jedoch den Februar 2022 an.

Maar: Zeitplan verzögert sich nicht

Wie nun zu erfahren ist, hat HP&P hat das Projekt Ende Juni verkauft. Eine Stiftung mit dem Namen DAGI-II und mit Sitz in Luxemburg hat die Grundstücke nebst der Baugenehmigung und der hierzu erbrachten Leistungen übernommen - ebenso sämtliche schuldrechtlichen Vereinbarungen, Verbindlichkeiten, Belastungen und Verpflichtungen aus dem Vertrag. "Die Bebauung wird sich durch diesen Verkauf nicht verzögern, die Baumaßnahmen laufen wie geplant mit den beauftragten Firmen weiter, unsere Ansprechpartner bleiben dieselben", betonte Bürgermeister Maar. Die Residenz "In der Sang" Rosbach GmbH und die Kuthe-Gruppe, die sich finanziell an dem Vorhaben beteiligen wollte, blieben weiter in der Haftung.

Kauf über Luxemburger Stiftung

Bei der DAGI-II handelt es sich laut Magistrat um eine Stiftung Luxemburger Rechts, die zurzeit noch nicht im Register eingetragen ist. Sie werde von der Personalvorsorgestiftung der Ärzte und Tierärzte PAT-BVG mit Sitz in Bern gegründet, um das Rosbacher Objekt und weitere Pflegeeinrichtungen der Stiftung in Deutschland ins Eigentum zu übernehmen, erfuhren die Ausschussmitglieder. Die PAT-BVG hafte für die DAGI-II und habe eine Patronatserklärung abgegeben. Die Personalvorsorgestiftung sei nach Schweizer Recht aufgebaut, wonach lediglich

15 Prozent der Beitragseinnahmen im Ausland investiert werden dürfen. Aus diesem Grund wurde laut der Magistratsvorlage eine zweite Stiftung gegründet - ebenfalls in Luxemburg, was vor allem steuerliche Gründe haben dürfte. Die Wirtschaftsauskunft Creditreform bescheinigt der PAT-BVG eine zufriedenstellende Bonität. Der Umsatz der Schweizer Ärztepensionskasse betrug 2018 demnach 285 Millionen Schweizer Franken und wird für 2019 und 2020 ähnlich geschätzt.

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