"Rücksichtnahme bleibt auf der Strecke"

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Rosbach-Rodheim(pm). In einem offenen Brief an den Vorstand der Volksbank Mittelhessen hat sich die Rodheimer VdK-Vorsitzende Erika Friedl über den Abbau des Kontoauszugsdruckers (wir berichteten) beschwert. Laut dem Geldinstitut hat die Nachfrage stark nachgelassen. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen habe man daher den Drucker abgebaut. Die WZ veröffentlicht den offenen Brief Friedls in leicht gekürzter Version.

"›Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei‹ - Getreu diesem Motto sind Sie den Lebenszielen und Herzenswünschen Ihrer Kunden und Mitglieder verpflichtet. So beschreiben Sie es in Ihrem Internetauftritt. Sie werben mit Partnerschaftlichkeit, mit jahrzehntelanger Verwurzelung in unserer Region, mit Transparenz durch verständliche Korrespondenz auf Augenhöhe, Solidarität mit dem Slogan ›Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele‹, und der Bodenständigkeit; jahrzehntelang in und für die Region.

Alles schön und gut, doch an der Umsetzung scheitert es. Sie gehen vielleicht auf die Lebensziele und Herzenswünsche der jüngeren Kunden und Mitglieder ein. Auf die, die im schnellen Zeitalter leben, die alles von zu Hause oder unterwegs erledigen wollen, doch wo bleiben die Menschen, die die Volksbank dorthin gebracht haben, wo sie heute ist? Die Kunden und Mitglieder, die jahrzehntelang ihrer Bank vor Ort treu geblieben sind. Die Menschen, die es nicht geschafft haben, der digitalen Welt zu folgen. Die Menschen, die vor die Tür gehen, um ein Gesicht vor sich zu sehen, mit dem man sich unterhalten kann. Menschen, die einen Fuß vor den anderen setzen, auch wenn es manchmal schwerfällt, um an die frische Luft zu kommen, ihre Rente von der Bank zu holen, um einkaufen zu gehen. Die Menschen, die allein zu Hause sind, die kein Auto (mehr) haben und auf den ÖPNV angewiesen sind? Diese Menschen kommen zu kurz. Sie fallen durch Ihre Raster der Solidarität und der Korrespondenz auf Augenhöhe.

Für die Zukunft sieht es nun so aus, dass man den Weg bis zum Bahnhof in Rodheim auf sich nehmen muss, das Ticket für Hin- und Rückfahrt bezahlt, die Strecke vom Bahnhof in Rosbach bis zur Filiale meistert, um dann, am Ziel angekommen, festzustellen, dass der Automat nicht funktioniert oder außer Betrieb ist, was keine Seltenheit ist.

Die Menschlichkeit und die Rücksichtnahme bleibt auf der Strecke. Investiert wird in die Zukunft, klar zu erkennen auf der Homepage der Volksbank. Wo ist der Service für ältere Menschen und Menschen mit Handicap?

In meinen Augen verfehlt die Volksbank ihr Motto und ist ihrem Namen auch nicht mehr treu geblieben. Ich bin nur ein kleines Licht in Rodheim, doch ich spreche für viele kleine Lichter aus dieser Region. Wir kämpfen für den Erhalt des Geldautomaten und des Kontoauszugsdrucker in Rodheim, getreu Ihrem Motto ›Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele‹.

In der WZ wurde über den Abbau berichtet. Die Stellungnahme der Volksbank dazu hat mich sehr nachdenklich gemacht. Im Grunde geht es nämlich nur darum, Kosten zu senken. Würde man das Thema ernst nehmen, hätte die Volksbank die Filiale in Rodheim nicht schließen und den Kontoauszugsdrucker nicht entfernen müssen. Natürlich ist es momentan ein Zeitgeist, Filialen zu schließen oder mit anderen Banken zusammenzulegen. Wenn wenigstens Letzteres passiert wäre, könnte man noch damit leben. Vermutlich wird man seitens des Vorstands den Fehler erst dann feststellen, wenn man selbst betroffen ist."

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