Rosbacher am Galgen

Das sonnige Wetter lud am Wochenende zu Aktivitäten im Freien ein. Knapp 75 Bürger kamen am Samstag zum Teichgelände in Ober-Rosbach. Dort war der Treffpunkt zur alljährlichen Blütenwanderung im Rosbacher "Kirschenberg", organisiert vom Heimatgeschichtsverein Rosbach und dem Obst- und Gartenbauverein (OGV) Ober-Rosbach, in Kooperation mit der Stadt.

Das sonnige Wetter lud am Wochenende zu Aktivitäten im Freien ein. Knapp 75 Bürger kamen am Samstag zum Teichgelände in Ober-Rosbach. Dort war der Treffpunkt zur alljährlichen Blütenwanderung im Rosbacher "Kirschenberg", organisiert vom Heimatgeschichtsverein Rosbach und dem Obst- und Gartenbauverein (OGV) Ober-Rosbach, in Kooperation mit der Stadt.

Dr. Carsten Wenzel und Horst Pauly, die Vorsitzenden des Heimatgeschichtsvereins, begrüßten die Teilnehmer und informierten sie über das frühere Sägewerk der Familie Blecher. Nach einer Viertelstunde ging es von dort aus los zu den Baumbeständen alter Streuobstwiesen. "Wir sind froh, dass wir hier noch ein paar Baumruinen sehen können", sagte OGV-Vorsitzender Ernst Friedrich. "Bäume brauchen eine stetige Pflege."

Bösewichte abschrecken

Vorbei an den ersten Kirschplantagen von Ober-Rosbach wurde im Galgenfeld Halt gemacht. "Wir suchen eine Stätte auf, die man vor etwa 400 Jahren lieber gemieden hat", erzählte Wenzel. Die alte Weinstraße sei damals ein Fernhandelsweg gewesen, der nach Friedberg verlief. Der Galgen in solch auffälliger Lage habe den Passanten die Blutsgerichtsbarkeit demonstrieren und dadurch potenzielle Straftäter abschrecken sollen. Über das Alter und den Standort des Galgens sei man sich nicht sicher, informierte Wenzel, doch es gebe einen Eintrag aus dem Jahr 1595, in dem der Galgen schon vorkomme.

Mit Blick auf Ockstadt erstreckt sich über den Wiesen ein Meer aus weißen Blüten, die frühestens Ende Mai zu Kirschen reifen werden. Wie viel Arbeit dahintersteckt, gab Friedrich den Wanderern zu verstehen. Umso ärgerlicher für die Eigentümer sei das illegale Abernten.

Normalerweise sollte die Wanderung am Bolzplatz enden, doch aufgrund des schönen Wetters wurde in der Nähe des Galgenfeldes unter der Leitung von Marion Hallwirth von der Stadtverwaltung ein schattiger Platz für das Kuchenbuffet hergerichtet.

Wo totes Vieh gehäutet wurde

Kurz vor Schluss erzählte Pauly noch vom "Schindanger", der sich in unmittelbarer Nähe zum Galgen befunden haben soll – beide aus gutem Grund außerhalb der Stadtmauern. An diesem Platz wurde Viehkadavern die Haut abgezogen und danach vergraben. Pauly nahm Bezug auf Rechnungsbücher aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, wonach Kuh- und Schweinehirten für diese Aufgaben zuständig waren.

"Das war’s, die Herrschaften, ab zum Kuchenbuffet", leitete Pauly lächelnd zum gemütlichen Abschluss über. Als hätte Bürgermeister Thomas Alber das gehört, kam er idealerweise zum Buffet dazu. Für ausreichend Kuchen war dank der Rodheimer Landfrauen gesorgt, die erstmalig dabei waren. Am Ende waren sich alle einig: Die Blütenwanderung war eine gelungene Vorbereitung auf das Blütenfest am kommenden Wochenende. (Fotos: Steinhauer/pv)

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