Rosbacher Brunnen: Schleppende Insolvenz

Rosbach (hed). Im November 2001 meldete der Betreiber des Rosbacher Brunnens, VMH, Insolvenz an. 14 Jahre später läuft das Verfahren noch immer, die Gläubiger warten auf geschätzte 27 Millionen Euro – auch weil der damalige Insolvenzverwalter Bernd Reuss aus Friedberg ein nur schwer durchschaubares Geflecht hinterlassen hat.

Mineralwasser wird in Rosbach schon seit Jahren nicht mehr abgefüllt. Das Wasser aus den Brunnen fließt per Leitung zu Hassia nach Bad Vilbel. Wirtschaftlich bergab ging es Anfang des Jahrtausends: Missmanagement und Umsatzeinbrüche bei den Mehrweg-Flaschen hatten dafür gesorgt, dass das Rosbacher Traditionsunternehmen den Bach runterging. Nach einigen Irren und Wirren wurde die Vereinigte Mineral- und Heilquellen GmbH (VMH), die Insidern zufolge Schulden von fast 100 Millionen Mark hinterließ, an die Firma Hassia verkauft. Immerhin konnten damals viele Arbeitsplätze erhalten werden.

Aber auch das Bad Vilbeler Unternehmen, das zusätzlich zum Kaufpreis von weit über 20 Millionen Euro (so die damalige Aussage) dem Vernehmen nach noch einmal 30 Millionen in den Rosbacher Brunnen steckte, konnte den Niedergang nicht verhindern. Heute ist der Bio-Großhändler Mibusa Hauptmieter auf dem Gelände â?" und ebenfalls pleite.

Auch wenn seit der Übernahme schon viel Wasser nach Bad Vilbel geflossen ist – das Ende 2001 eingeleitete Insolvenzverfahren für die VMH ist noch immer nicht abgeschlossen. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters, Dr. Jan Markus Plathner aus Frankfurt, sagte gegenüber der WZ, dass es sich um ein schwieriges Verfahren handele. Ganze 60 Millionen Euro hätten Gläubiger im Verfahren an offenen Forderungen angemeldet. Festgestellt worden seien immerhin 27 Millionen Euro. Die größten Gläubiger seien die Genossenschaft Deutscher Brunnen und Banken wie Sparkasse und Volksbank. Es gebe aber auch kleinere Gläubiger, etwa Lieferanten, die noch immer auf ihr Geld warten.

Dass das Insolvenzverfahren bald abgeschlossen sein wird und sie einen Teil ihres Geldes zurückbekommen, damit ist nicht zu rechnen. Das liegt auch an der undurchsichtigen Aktenlage, die der 2001 bestellte Insolvenzverwalter Bernd Reuss aus Friedberg hinterlassen hat. Reuss hatte den Verkauf an Hassia ausgehandelt – das Insolvenzverfahren lief aber weiter. 2004 bekam er laut Gerichtsunterlagen einen Vorschuss auf Vergütung und Auslagen ausgezahlt. Auch Mitglieder des Gläubigerausschusses, in dem Lieferanten, Banken und Arbeitnehmer vertreten sind, erhielten Vergütungen.

Anfang 2011 dann der Schnitt. Das Gericht bestellte Reuss ab, nachdem dieser für sich selbst und sieben beteiligte Gesellschaften Insolvenz angemeldet hatte. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein, ermittelte wegen des Verdachts der Untreue – Reuss hatte Selbstanzeige gestellt. Er soll aus der Insolvenzmasse der abzuwickelnden Firmen Gelder entnommen und als Darlehen in eigene Unternehmen gesteckt haben – die Rede ist von 21 Millionen Euro zwischen 2003 und 2008. Es soll sich um mehr als 3000 Fälle handeln, darunter zahlreiche kleinere Insolvenzen, aber auch das Verfahren des Telefondienstleisters Teldafax, das in den Medien für Aufsehen gesorgt hatte.

Weil er für die Zinsen keine Steuern zahlte, wurde er 2013 in dritter Instanz zu einer Geldstrafe von 12 000 Euro verurteilt.

Seitdem ist es ruhig um Reuss geworden. Gegen ihn wird aber weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat das Verfahren nach Frankfurt gegeben, an die Abteilung Wirtschaft. Dort gibt es auf WZ-Nachfrage nur spärliche Informationen. "Die Ermittlungen in dieser Sache sind noch nicht abgeschlossen und werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen", schreibt Pressesprecherin Doris Möller-Scheu. Wann mit einer Anklage zu rechnen ist, darüber kann sie keine Aussage treffen.

Allianz zahlt 1,15 Millionen Euro

Auch bei der VHM soll Reuss unrechtmäßig Geld aus der Insolvenzmasse entnommen haben: 1,7 Millionen Euro. Das geht aus einer Insolvenzbekanntmachungen des Amtsgericht Friedbergs hervor. Wohin das Geld verschwunden ist, ist unklar. Den Mitgliedern des Gläubigerausschusses war das offenbar nicht aufgefallen. Weil sie deshalb möglicherweise gegen ihre Überwachungs- und Aufsichtspflichten verstoßen haben, hätten auch sie haftbar gemacht werden können.

Mitte Dezember einigte man sich mit der Allianz auf einen Deal. Die Versicherung ist bereit, zwei Drittel des entstandenen Schadens zu übernehmen und 1,15 Millionen Euro in die Insolvenzmasse zu zahlen. Bestehende Haftungsansprüche gegen die Mitgliedern des Gläubigerausschusses sind damit abgegolten. "Man kann nun jahrelang prozessieren, oder man macht jetzt den Deckel drauf", sagte ein Rechtsexperte der WZ. Für das Hauptverfahren dürften sich die Gläubiger nach fast 15 Jahren das Gleiche wünschen.

Schweizer kaufen Bio-Großhändler Mibusa Bio-Großhändler Mibusa meldet Insolvenz an Reuss-Prozess: Wieder ein Schuldspruch Freispruch für insolventen Insolvenzverwalter Reuss Insolvenzverwalter Bernd Reuss abberufen Reuss hat Selbstanzeige wegen Untreue erstattetInsolvenzverwalter Bernd Reuss insolvent

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare