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CDU Rosbach nähert sich Brechtel an

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Nach dem politischen Paukenschlag bei der Mitgliederversammlung im November, als der Vorsitzende Peter Horlacher bei der Abstimmung knapp gegen Henrik Schnabel verlor und daraufhin von allen Ämtern zurücktrat, stellen sich die Christdemokraten derzeit neu auf - und gehen dabei auf Schmusekurs zu Bürgermeister Detlef Brechtel.

»In Rosbach weiß keine Partei mehr ganz genau, ob sie nun Regierung oder Opposition ist«, sagte Schnabel. Beim Heringsessen seiner Partei in der Rodheimer Gaststätte »Man trifft sich« beleuchtete er vor rund 80 Zuhörern neben Fragen der großen Politik auch die Situation vor Ort. Dabei gab er sich betont versöhnlich gegenüber seinen früheren kommunalpolitischen Kontrahenten aus den Reihen von FWG und SPD und lobte den »neuen sachlichen Ton, der im Parlament herrscht«.

Dabei erinnert sich manch einer an Zeiten, als Schnabel sich in seiner damaligen Position als CDU-Fraktionsvorsitzender heftige Wortgefechte mit dem parteilosen Bürgermeister Detlef Brechtel und jenen Parteien lieferte, die dem Rathauschef die Stange hielten. Einzig bei den Grünen konnte er seinerzeit auf Unterstützung hoffen und sah sich mit ihnen zusammen auf der Oppositionsbank sitzen. Mit dem Protest gegen das Seniorenheim in der Feldpreul und das Regenrückhaltebecken in dessen Nachbarschaft war es im Parlament zu tiefen Gräben zwischen der Union und den Brechtel-treuen Parteien gekommen. Auch Horlacher, bis zu seinem Rücktritt vor wenigen Wochen noch Partei- und Fraktionschef in Personalunion, führte diesen Kurs weiter - Seite an Seite mit seinem Parteifreund Johann-Baptist Schneiderbauer, dem jetzigen Fraktionschef.

Mit dem mehr oder weniger erzwungenen Wechsel an der Parteispitze (Horlacher spricht von einer Intrige) scheint das nun Schnee von gestern zu sein: Gemeinsam saßen die Ehepaare Schnabel und Brechtel - wie als Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit - an einem Tisch und genossen Hering und Grüne Soße. »Man sagt: Not schweißt zusammen«, betonte Schnabel - und bezog sich damit auf die derzeit laufenden Beratungen über das Sparprogramm zum Haushalt für 2010. »Die Verbindlichkeiten, die Rosbach mit seinen vier anstehenden Großprojekten eingeht, sind enorm.« Da gelte es, zusammenzuarbeiten. Den Unkenrufen, Bürgermeister Brechtel wolle sich mit Sporthalle Rodheim, Wasserburg Nieder-Rosbach, Kinderhaus Ober-Rosbach und Südumgehung ein Denkmal setzen, wollte Schnabel sich nicht anschließen. »Ich empfinde Brechtels Handeln zum Ende der Amtszeit als konsequent, allerdings auch als mutig«, sagte der Parteichef.

Will Schnabel 2013 kandidieren?

An den Tischen, wo statt Horlachers Gefolgschaft, die dieser bei seinem Rücktritt mitgenommen hatte, diesmal die Angehörigen anderer Parteien saßen, wurde gemunkelt, was wohl der Grund für Schnabels Kursänderung gegenüber Brechtel sein könnte. Klar ist, dass zum Ende von Brechtels Amtszeit im Jahr 2013 ein neuer Rathauschef her muss. Der Amtsinhaber darf aus Altersgründen nicht mehr kandidieren.

Schon einmal wurde Schnabel unter der Hand als möglicher Brechtel-Nachfolger gehandelt - damals ließ er sich aber nicht als Gegenkandidat aufstellen. 2013, wenn Brechtel weg ist, könnte ein Stabwechsel ohne das Kompetenzgerangel hinter den Kulissen vollzogen werden, wie es 2002 der Fall gewesen sein soll.

Einer, der weiß, wie die Dinge in der Politik laufen, ist Norbert Kartmann. Der Landtagspräsident ließ bei seiner Ansprache beim CDU-Heringsessen durchblicken, wie der politische Alltag aussieht: »Die Medien geben oft nur die Gesprächsausschnitte wieder, in denen Streitigkeiten ausgetragen werden. Hinter der großen Bühne bleiben Politiker aber miteinander im guten Gespräch.

« Der Rosbacher CDU-Vize Jörg Egerter kommentierte: »Das Verhältnis der CDU zum Bürgermeister ist zu den Anfängen zurückgekehrt, als die Union Detlef Brechtel nach Rosbach geholt hat. So schließt sich der Kreis.«

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