"Ich habe die Stadt lieben gelernt": Die neue Blütenkönigin Marisa I. mit ihren Blütenkinder Ella, Madeleine und Anais sowie vier ihrer Vorgängerinnen.
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»Ich habe die Stadt lieben gelernt«: Die neue Blütenkönigin Marisa I. mit ihren Blütenkinder Ella, Madeleine und Anais sowie vier ihrer Vorgängerinnen.

Marisa I.

Rosbach hat trotz Corona eine neue Blütenkönigin

Das Blütenfest fiel zwar wegen Corona aus, eine Blütenkönigin hat Rosbach aber seit Montag trotzdem. Sie heißt Marisa I., (Marisa Henning) ist gebürtig aus Eschwege und 24 Jahre alt.

Nach dem Studienabschluss als Angestellte im öffentlichen Dienst wird sie am 1. September eine Stelle an der Frankfurter Goethe-Universität annehmen. Sie ist das mittlere von drei Kindern und hat vor ihrem Umzug nach Rosbach in diesem April in Frankfurt gelebt und studiert. »In Rosbach bin ich ja noch ein Frischling, aber bei meinen Jogging-Touren habe ich schon viel von der Stadt und ihren Menschen kennengelernt«, sagt sie.

Die Bewerbung für das Amt der Blütenkönigin hat sie im Internet herausgesucht und freut sich nun auf zwei ereignisreiche Jahre mit ihren Blütenkindern Ella, Anais und Madeleine. Eine Freundin habe ihr viel von dem Ehrenamt erzählt, und schließlich war es an Heiligabend der Großvater in Eschwege gewesen, der ihr Mut gemacht habe, sich zu bewerben. »Er ist ein richtiger Vereinsmensch und war gleich von meiner Idee begeistert.« Noch an Weihnachten ging die Bewerbung raus, aber zuerst musste der Rosbacher Magistrat zustimmen, das Amt an eine »Auswärtige« zu übergeben. Er tat es, aber dann änderte Corona alle Erwartungen.

.Dass das Fest ausfällt, erfuhren Marisa und ihre Blütenmädchen Mitte April, als die Festkleider, Krönchen und Schärpe schon bestellt waren. »Wir hatten ja bis zuletzt gehofft, dass das große Fest steigen würde, aber die Chancen standen von Tag zu Tag schlechter«, sagt die neue Hoheit, die sich ursprünglich auf über 80 offizielle Auftritte in den nächsten zwölf Monaten eingestellt hatte. Die meisten hat sie bereits streichen müssen, und für die nächsten Monate sieht es nicht besser aus.

Blütenkönigin Rosbach: Marisa muss sich selbst krönen

Am Montag war ihr aber ein ganz besonderer Tag beschert, denn sie und ihre Blütenkinder stellten sich in der Adolf-Reichwein-Halle offiziell vor. Rund 80 Vertreter aus der Rosbacher Vereinslandschaft und die Mitglieder des Magistrats waren zu dem gegenseitigen Kennenlernen geladen. Die Rosbacher Autorin Maja Nielsen trug das Märchen vom Schweinehirten vor, und das Duo Dieter Wierz und Nicola Piesch ummalte die Veranstaltung mit Musik an Klavier und Querflöte sowie deutsch-französischen Chansons. Statt einem großen Büffet gab es einen vegetarischen Teller mit kleinen Leckereien, und drei ihrer Vorgängerinnen überbrachten Grußworte und gute Ratschläge. »Denke immer an flache Ersatzschuhe und wetterfeste Ersatzkleidung«, lautete ein Tipp, zudem sei es nicht verkehrt, mit vollgetanktem Auto zu einem Termin aufzubrechen, und die Autogrammkarten nicht zu vergessen.

Marisa, die sich wegen Corona und der damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen selbst krönen musste, nahm alles dankend zur Kenntnis und schien sich in ihrer neuen Rolle sichtlich wohl zu fühlen. Bürgermeister Steffen Maar, der bei der Krönungs-Zeremonie entsprechend wenig zu tun hatte, tröstete sich: »Karl der Große hat sich auch selbst gekrönt, von daher sind wir hier in guter Gesellschaft.«

Viele Aufgaben wird Marisa I. bislang nicht zu bewältigen haben, denn der Terminkalender will einfach nichts hergeben. Deshalb habe sie nach Aufgaben im Stadtgebiet gesucht, sagt sie. Als Schirmherrin für die Jugendarbeit will sie sich engagieren - und natürlich die Einladungen der Vereine gern annehmen. »Als ich mich für das Amt bewarb, wohnte ich ja noch gar nicht in Rosbach, aber dann habe ich die Stadt lieben gelernt und bin hergezogen«, sagt die neue Blütenkönigin.

Wegen der ungewöhnlichen Umstände ist ihre Amtszeit auf zwei Jahre verlängert worden. »Ich möchte mich integrieren und ein Teil dieser Gemeinschaft sei«, betonte Marisa. Schwer wird ihr das wohl nicht fallen, denn als Vertreter aller Vereine lud »Hasenspringer« Andreas Lappano sie zu den Vereinsfesten ein, die hoffentlich bald wieder stattfinden dürfen.

Rosbach: Das Blütenfest

Was vor rund hundert Jahren mit der Krönung der Blütenkönigin für nur einen Abend in der (nicht mehr betriebenen) Traditionsgaststätte »Waldschlösschen« begonnen hatte, mauserte sich im Laufe der Zeit zu einem großen, mehrtägigen Fest mit Gala-Abend und Krönungsball, Oldtimer-Korso, Rummelplatz und zahlreichen Veranstaltungen wie Luftballonumzug mit anschließendem Wettbewerb oder Kirschblütenwanderung durch den Taunushang, Theateraufführungen und mehr. Da wurde auch mal die Festtagskleidung aus dem Schrank geholt, um der jungen Hoheit, ihren Blütenkindern und ihren zahlreichen illustren Gästen aus der Umgebung zu huldigen. Die Gelegenheit, ein Rosbacher Mädel inmitten so vieler Königinnen und Prinzessinnen bestaunen zu dürfen, und der Festumzug mit der Blütenkönigin in ihrer Kutsche an der Spitze lockten stets zahlreiche Zuschauer an. 2021 soll es wieder so weit sein.

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