Gestalten den Abend: Markus Klöfer (Klarinette), Kristina Schaum (Sopran) und Volker Hoffmann (l., Piano). 	FOTO: PM
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Gestalten den Abend: Markus Klöfer (Klarinette), Kristina Schaum (Sopran) und Volker Hoffmann (l., Piano). FOTO: PM

Romantischer geht es kaum

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Rosbach (pm). »Von Bach bis Irish Folk« - unter diesem Titel hatte der Förderverein für die Burgkirche in Nieder-Rosbach kürzlich eingeladen. Glänzend aufgelegt war die aus Friedberg stammende Sopranistin Kristina Schaum, wie sich bereits in der Pfingstkantate von Johann Sebastian Bach zeigte. Versprochen waren auch launige Kommentare zu den einzelnen Stücken. So erfuhr man einiges über die Motive der Arien und Gesänge, zum Beispiel, dass Fra Diavolo (Oper von Daniel-François-Esprit Auber) kein edler Bandit war, sondern den Bauern lediglich Geld gegeben hat für Unterkunft und Verpflegung. Gleichviel zeigt ihm Zerline ihre Liebe durch eine wunderbare Arie, bevor der »Bruder des Teufels« nach zwei Stunden bester Musik erschossen wird. Besser ging es Leonore, die von »Alessandro Stradella« (Oper von Friedrich von Flotow) erst ent- und dann verführt wurde. Der Ziehvater schickte die Häscher mit Mordauftrag hinterher, diese ließen sich aber von den betörenden Arien umstimmen. Noch glücklicher war Marie in der Oper »Zar und Zimmermann«: Der Zar, der angeblich inkognito, in Wirklichkeit aber mit einigen Hundert Höflingen nach Holland gereist war, um den Schiffbau zu erlernen, hatte in seinem Hofstaat einen Iwanow, der sich planmäßig in eine Marie verliebt, die sich wiederum mit dem Brautlied in seine Arme begibt (»Lieblich röten sich die Wangen«).

Im Zeitalter der Romantik sind nicht nur in Deutschland zahlreiche Lieder entstanden; auch Bellini in Italien hat neben seinen Opern zahlreiche Lieder komponiert. Eine Auswahl wurde zu Gehör gebracht, nämlich »Malinconia« (Melancholie, die in den Südländern nicht lange anhält und in einen gelösten Schluss mündet), »Farfalletta« (Schmetterling, dessen Flügelschläge musikalisch nachgeahmt werden) und »Luna« (Mond, der auch der fernen Geliebten scheinen möge). So ging man äußerst gelöst in die Pause.

Im Beethoven-Jahr 2020 durfte dieser Komponist natürlich nicht fehlen. Die Pause wurde beendet mit dem ersten Satz aus der Mondscheinsonate, deren Bezeichnung auf den Kritiker Ludwig Rellstab zurückgeht. Er galt als bösartig. Der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Volker Hoffmann, zitierte einen entsprechenden Brief von Richard Wagner an Robert Schumann. Gleichwohl habe Rellstab einige Gedichte geschrieben, die Schubert genial vertont habe. Das »Ständchen« gehörte in diese Sammlung der letzten Lieder aus Schuberts Feder. Und da Wagner schon erwähnt worden war, fand auch er seinen Weg ins Programm mit einer schwelgerischen Hymne an den »Engel«, deren Text von seiner Freundin Mathilde Wesendonk stammte.

Zwei Gassenhauer zum Schluss

Den Schluss bildeten zwei Gassenhauer des irisch-amerikanischen Komponisten George Cohen, der als Vater des US-Musicals gilt. Nach dem begeisterten Beifall durfte eine Zugabe nicht fehlen: »Der Hirt auf dem Felsen« von Franz Schubert mit Markus Klöfer an der Klarinette. Der Gesang des Hirten schallt bis ins ferne Tal zu seiner Geliebten - romantischer geht es kaum. Die Interpreten haben diese Stimmung gefühlvoll nachvollzogen.

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall. Die Spenden der Besucher kamen dem Förderverein zugute, der sich ausschließlich mit Spenden finanziert.

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