Was wird aus dem Rodheimer Freibad? Diese Frage wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.
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Was wird aus dem Rodheimer Freibad? Diese Frage wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Parlament gespalten

Rodheimer Freibad: Folie, Edelstahl - oder doch Neubau?

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Die Zeichen stehen auf Sanierung. Und doch hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Millioneninvestitionen in das Rodheimer Freibad erneut im Ausschuss zu diskutieren - was den Rest des Gremiums erzürnte. Ein Überblick:

Magistrat : »Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung ist zu akzeptieren, freut uns jedoch nicht«, sagt Bürgermeister Steffen Maar. Er möchte, dass das Rodheimer Schwimmbad am derzeitigen Standort saniert und aufgewertet wird - was die Stadtverordnetenversammlung vor zwei Jahren auch so beschlossen hatte. Bis 15. Juni muss ein Zuschussantrag für das Förderprogramm »SWIM« gestellt sein, damit das Land Hessen 30 Prozent der Kosten trägt. Rodheim steht hier - etwas überraschend, aber wohl auch dank Maars Hartnäckigkeit - auf Platz 1 der Liste. Der Magistrat schlägt vor, ein Folienbecken (Kosten ca. 2,5 Millionen Euro und 25 Jahre Lebensdauer) zu verwenden - und nicht das 455 000 Euro teurere Edelstahlbecken. Es gibt andere Meinungen. Maar wünscht sich gleichwohl jetzt eine Grundsatzentscheidung. »Die Frage der Bauausführung kann auch zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.«

Förderverein : Auch der Vorstand der »Rettungsschwimmer« hätte sich eine Entscheidung des Stadtparlaments gewünscht - und zwar für ein Edelstahlbecken. Dafür hatten sich im Parlament FWG, FDP, Grüne und »SALZ« ausgesprochen. Dieses wäre teurer, im Gegensatz zum Folienbecken aber barrierefrei, leichter zu pflegen, frei von Weichmachern und umweltfreundlicher, da die Folie nicht nach 15 bis 20 Jahren entsorgt werden müsste, heißt es beim Förderverein. Er würde sich an den Mehrkosten beteiligen.

SPD : Im Haupt- und Finanzausschuss soll die von der Verwaltung vorgelegte Wirtschaftlichkeitsberechnung nochmals besprochen werden. Das hatte sich die SPD gewünscht und mit Unterstützung der CDU und der »Stimme« eine Überweisung erreicht. SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Hans-Peter Rathjens mahnte in der Sitzung eine Überprüfung des Projekts und einen »Kassensturz« für den Herbst an. Womöglich könne sich die Stadt die Sanierung angesichts der wegen der Corona-Pandemie zu befürchteten Einbußen nicht mehr leisten.

CDU : Die Union lobt Maar dafür, den Landeszuschuss für die Sanierung so rasch ausgehandelt zu haben. Bei der Frage Folie oder Edelstahl dürfte erstere Variante die wirtschaftlichere sein, fasst Fraktionschef Jörg Egerter zusammen. Das Edelstahlbecken führe zu einer jährlichen Mehrbelastung des städtischen Haushalts von über 10 000 Euro - und dies über Jahrzehnte hinweg. Es sei sinnvoll, wenn die Verwaltung Gelegenheit erhält, den Ausschussmitgliedern eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung darzulegen. Dass die SPD sämtliche Investitionsmaßnahmen unter einen Finanzierungsvorbehalt stellen wolle, gefährde die Sanierung und die Zukunft des Freibads. Egerter: »Man muss auch manchmal in der Kommunalpolitik einfach den Mut haben, Entscheidungen zu treffen.« Über die Standortfrage müsse aber nicht mehr diskutiert werden.

FWG : Auch FWG-Fraktionsvorsitzender Christian Lamping sagt, er verstehe die SPD nicht. Erst habe sich deren Abgeordneter Wolfgang Lingenau im Ausschuss klar für eine Sanierung ausgesprochen, und dann werfe Rathjens alle Beschlüsse über den Haufen. Laut dem Rodheimer Ortsvorsteher Rainer Schaub sollte sich die Stadt den Zuschuss so schnell wie möglich sichern - »gerade wenn man Befürchtungen hat, dass sich Rosbach eine Sanierung des Bades nicht mehr leisten kann«. Es habe zudem genug Gelegenheiten gegeben, Nachfragen zu stellen. Das gelte im Übrigen auch für die CDU, die das Sanierungsprojekt mit auf den Weg hätte bringen können.

FDP : Das sieht man auch bei der FDP so: Ausreichende Entscheidungsgrundlagen lägen vor; es dürfe keine weitere Verzögerung geben. Die Liberalen regen nun kurzfristige Sondersitzungen von Ortsbeirat und Stadtparlament an, um einen Beschluss zu fassen. »Es ist geradezu peinlich, bei einer möglichen Förderung in Millionenhöhe bei dem Land nun eine Fristverlängerung für eine Antragstellung beantragen zu müssen«, sagt Fraktionsvorsitzender Hans-Otto Jacobi. Er sieht die Gefahr, dass die »Entscheidungsverzögerer« eine Beschlussfassung in der letzten Sitzung vor der Sommerpause (siehe Info) verhindern wollen. Eine Edelstahlwanne sei »die nachhaltigere und wirtschaftlich günstigere Lösung«. Das bisherige Becken habe auch mehr als 60 Jahre gehalten.

GRÜNE : Die Idee einer Folienbeschichtung (aus Plastik) widerspreche der kommunalen Verpflichtung zur Nachhaltigkeit und dem umweltfreundlichen Wirtschaften, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Michaela Colletti. Ein Becken aus Edelstahl wäre die nachhaltige und somit wirtschaftlichste Lösung.

"Stimme": Die Wählergruppierung will das Freibad wie alle Fraktionen erhalten - doch spiele der Standort in Rodheim eine untergeordnete Rolle. In Anbetracht der nicht unerheblichen Investitionskosten komme es auf Effektivität und Zukunftsfähigkeit an. Eine Sanierung des jetzigen Freibades sei nur im Bestand möglich, jegliche Erweiterungs- oder Ergänzungsmaßnahmen seien in Zukunft nicht mehr zu realisieren, gibt die »Stimme« zu bedenken. Womöglich sei ein Neubau außerhalb der Wohnbebauung, auch wegen der Parkplatz- und Lärmproblematik, sinnvoller und sogar günstiger, wenn man das jetzige Gelände verkauft. Die »Stimme« will daher der Sanierung nicht zustimmen, Fraktionsvorsitzender Dieter Kurth sagt aber auch: »Lieber ein Schwimmbad am falschen Ort als gar keines.«

Bürgermeister Steffen Maar : Zuschuss durch Vertagung nicht in Gefahr

Die Vertagung des Freibad-Beschlusses stellt keine Gefahr für den Landeszuschuss dar. Das teilte Bürgermeister Steffen Maar am Freitagabend mit. Die Verwaltung habe mit dem Ministerium geklärt, dass die Unterlagen nach der Stadtverordnetenversammlung am 23. Juni final abgegeben werden können. Fristwahrend werde die Verwaltung dennoch bis zum 15. Juni alle bereits ausgearbeiteten Unterlagen einreichen. Bis zu Sitzung will Maar alle strittigen Punkte klären. »Ich will dafür werben, dass sich alle Fraktionen gemeinsam für das Großprojekt Schwimmbad einsetzen. Hierzu werde ich mit allen Parteien und Wählergruppen nochmals Kontakt aufnehmen.« Auch mit dem Förderverein »Rettungsschwimmer« habe er sich erneut ausgetauscht. Eine außerordentliche Sitzung, die mehrere Stadtverordnete beantragt hätten, sei unnötig. Edelstahl oder Folienbecken? Diese Frage werde gemeinsam gelöst, möglicherweise auch mit einem Kompromiss, ist sich Maar sicher. In der Verwaltung sei in den letzten Tagen weiter mit Hochdruck an der Vorlage gearbeitet worden. Der Rodheimer Ortsbeirat tagt am 18. Juni, 18.30 Uhr, in der Adolf-Reichwein-Halle; um 20 Uhr beginnt die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

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