Lothar Halaczinsky nimmt seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise zu den legendären Liedermachern der Rockgeschichte. FOTO: SKY
+
Lothar Halaczinsky nimmt seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise zu den legendären Liedermachern der Rockgeschichte. FOTO: SKY

Rockig, mystisch, zeitkritisch

  • vonEdelgard Halaczinsky
    schließen

Rosbach(sky). Die Kirche wurde zum Konzertsaal, als der Rosbacher Gitarrist und Liedermacher Lothar Halaczinsky mit Songs aus den 60er und 70er Jahren aufzuwarten wusste. Der überwiegende Teil waren Cover-Songs und stammten aus dem englischsprachigen Raum.

Aber er hatte auch Stücke aus eigener Feder im Repertoire, die er vor rund 50 Jahren zusammen mit seinem Jugendfreund Norbert daheim im Wohnzimmer zwischen Cola und Toastbrot zu Papier gebracht hatte.

Das Experimentieren mit Tönen und Instrumenten hatte es den beiden angetan, und herausgekommen waren teils mystische Klänge zu zeitkritischen, selbst verfassten Texten, die auch fünf Jahrzehnte und einen Millenniumswechsel später immer noch ihre Berechtigung hatten. Ob Eric Clapton oder Bob Dylan, Leonard Cohen oder Neil Young - sie und andere verarbeiteten schon in ihren frühen Liedern Gedanken über die Liebe zwischen Mann und Frau ebenso wie aufrüttelnde Worte zu Rassendiskriminierung, Klimawandel oder die Kehrseite einer Medaille. Halaczinsky verband die Songs mit hörenswerten Erläuterungen und gab ihnen damit den Bezug zur heutigen Zeit.

Viele Songs - wie etwa "When I was young" von Eric Burdon oder "This dream of you" von Bob Dylan - forderten förmlich den Klang der Mundharmonika heraus. Fast spielerisch bewegte sich der Interpret folglich zwischen Gitarre, Mundharmonika und Gesang und ließ die Freude an den beliebten Klassikern offensichtlich werden. Er konnte und wollte auch nicht verbergen, dass er als eingefleischter Rolling-Stones-Fan auf gar keinen Fall auf Titel der legendären Band verzichtet hätte. "Play with Fire" gehörte demnach ebenso zum Repertoire wie "As Tears go by" in der Zugabe. Kleine Plaudereien über Live-Konzerte der inzwischen nicht mehr ganz so jungen Weltstars überbrückten höchst kurzweilig die Zwischenräume, wenn etwa ein Mundharmonika- oder Gitarrenwechsel anstand - oder ein Instrument neu gestimmt werden musste. Die kalten Temperaturen in der Kirche (wegen Corona waren die Fenster weit geöffnet gewesen) waren für Halaczinsky und seine Instrumente eine echte Herausforderung, die er souverän zu meistern wusste. Da zitterte nicht nur die betagte Zither vorn auf den Altarstufen, sondern auch so manch ein Zuhörer, der den Blick zurück in alte Jugendzeiten mit eiskalten Zehenspitzen und Kältenebel vor seinem Mund zu bezahlen hatte.

Als Gegenleistung gab es knapp 120 Minuten Musik und Kurzweil, Humor und Überraschungen, wenn zum Beispiel der gesprochene Text auf den King of Rock’n’Roll hinführte, um dann bewusst nicht King Elvis zu interpretieren, sondern mit einem Schmunzeln zum "Gott of Rock’n’Roll" zu kommen - zu Chuck Berry.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare