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Für Rebhühner und Wildpflanzen

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Die Ausgezeichneten Heiko Blecher und Andreas Mohr als Stellvertreter für 40 Jagdreviere, Pia Heidenreich-Hermann mit Belobigungspreisträger Rolf Röse und Bärbel Kraft von der Stadtverwaltung Ortenberg, die für Röses Unterstützung einen Blumenstrauß erhielten, freuen sich mit Landrat Joachim Arnold (v. l.) über den Umweltpreis.
Die Ausgezeichneten Heiko Blecher und Andreas Mohr als Stellvertreter für 40 Jagdreviere, Pia Heidenreich-Hermann mit Belobigungspreisträger Rolf Röse und Bärbel Kraft von der Stadtverwaltung Ortenberg, die für Röses Unterstützung einen Blumenstrauß erhielten, freuen sich mit Landrat Joachim Arnold (v. l.) über den Umweltpreis. © Pressedienst des Wetteraukreis

Wetteraukreis (prw). Der Rebhuhn-Hegering ist der Gewinner des mit 2000 Euro dotierten Umweltschutzpreises des Wetteraukreises. Stellvertretend für die 40 beteiligten Jagdreviere nahmen Andreas Mohr und Heiko Blecher am Dienstag die Auszeichnung aus den Händen von Landrat Joachim Arnold entgegen.

Die Belobigung, dotiert mit 500 Euro, erhielt Rolf Röse aus Ortenberg für seinen mit Wildpflanzen bestückten Acker.

140 Gäste waren in den Plenarsaal des Friedberger Kreishauses gekommen, um der 37. Verleihung des Wetterauer Umweltschutzpreises beizuwohnen. In seiner Begrüßung hob Landrat Arnold den Gemeinsinn der Naturschützer hervor: »Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen sich engagieren. Zum Teil wirken sie im Verborgenen und machen kein großes Aufheben um ihre Tätigkeiten. Mir ist aber wichtig, dass andere Menschen darauf aufmerksam gemacht werden. Der Umweltschutzpreis und die Belobigung sollen Ihnen signalisieren: Sie und Ihre Arbeit werden wertgeschätzt.«

Diesem Credo folgte auch Dr. Jörg Brauneis aus Eschwege mit seinem Festvortrag »Natur- und Artenschutz aus Jägerhand«. Das Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz wagte zunächst einen Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung von Jagd- und Hegemaßnahmen. Als die Jagd noch ein wesentlicher Nahrungserwerb war, sei über viele Epochen Raubbau an Wildbeständen betrieben worden.

Mit der Sesshaftigkeit seien Wildtiere dann oft als Schädlinge angesehen und bekämpft worden. Ab dem Mittelalter hätten schließlich verschiedene Landesherren Einschränkungen der Jagd zum Schutz des Wildes verfügt. Diese Wildbanngebiete könne man als frühe Naturschutzgebiete begreifen, so Brauneis. »Hieran sehen Sie, dass der Naturschutz eine seiner wichtigsten Wurzeln in der Jagd hat, obwohl diese Verwandtschaft nicht selten von Jägern und Naturschützern heftig bestritten wird.« Er würdigte das Konzept des Hegerings, Reviergrenzen zu überschreiten, gemeinsam Verbesserungen für die Tiere anzustoßen und an der Diskussion um biologische Vielfalt teilzunehmen. »Sie haben bisher insgesamt 40 Jagdpächter motiviert, sich Ihrem Hegering, anzuschließen. Nur wer weiß, wie individualistisch Jäger sein können, der kann abschätzen, wie viel Motivationsarbeit hinter dieser Zahl steht«, betonte Brauneis.

Im anschließenden Gespräch stellten die Gewinner Mohr, Blecher und Röse ihre Projekte vor. Diese haben den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt in der Agrarlandschaft gemeinsam. Zwar hat der Rebhuhn-Hegering vorrangig das Rebhuhn im Fokus, jedoch würden die Lebensraum gestaltenden Maßnahmen auch vielen anderen Arten helfen. Blühstreifen, Hecken und Brachflächen böten Niederwild, Insekten und Vögeln Deckung und Nahrung. Ein ähnliches Refugium ist auch der Wildkrautacker von Rolf Röse, der mit wenigen Eingriffen zudem ein Lieferant für Bio-Energie sein könnte.

Mohr und Blecher wünschten sich außerdem, die Landwirtschaftsabteilung der Kreisverwaltung möge ein Türöffner sein, um den jungen Landwirten an ihren Ausbildungsstellen ein wenig mehr Gespür für die Bedürfnisse der Tierarten in Feld und Wiese zu vermitteln. »Es sind Kleinigkeiten, die Landwirte tun können, die ihnen nicht wehtun, aber der Natur viel bringen«, erklärte Mohr. Röse fühlte sich vom Wetteraukreis und der Stadt Ortenberg gut unterstützt und gab die Belobigung an die Bayerische Landesanstalt in Veitshöchheim weiter.

Diese forsche aktiv an der Energiegewinnung aus Wildpflanzen. Er wünsche sich darüber hinaus, in Hessen möge eine vergleichbare Einrichtung geschaffen werden.

Den Preisträgern gratulierten Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, Büdingens Bürgermeister Erich Spamer und der Erste Stadtrat aus Rosbach, Heinz Sill. Ein Grußwort sprach zudem Dr. Nikolaus Bretschneider-Hermann, Vizepräsident des Landesjagdverbands. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Jagdhornbläsergruppe Halali 2006. Durch das Programm führte die Leiterin der Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege, Eva Langenberg.

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