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»Pferdesteuer trifft Normalverdiener«

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Rosbach (hed/pm). Eigentlich will derzeit niemand eine Pferdesteuer in Rosbach. Der fraktionslose Stadtverordnete Gerald Harff, der nun für die Freien Wähler antritt, hatte sie im Dezember angeregt, dafür aber keinen Rückhalt bei den Fraktionen bekommen.

Immerhin wurde das Thema nicht ganz beerdigt: Der Antrag verbleibt vorerst im Ausschuss. Für die Rosbacher CDU Grund genug, bei einem Info-Abend deutlich zu machen, wie sehr man die Pferdesteuer ablehnt.

Das Thema zieht: Gut 80 Besucher konnte der CDU-Vorsitzende Henrik Schnabel im Dorfgemeinschaftsraum des Bürgerhauses in Rodheim begrüßen. »Wir halten es nicht für richtig, wahllos eine Gruppe herauszudeuten, die man für die Schulden einer Stadt bezahlen lassen will. Die ganze Diskussion hat schon etwas mit Sozialneid zu tun«, sagte Schnabel laut Pressemitteilung der Union. Die Pferdesteuer gefährde angesiedelte Unternehmen (wie Reiterhöfe) und damit auch Arbeitsplätze. Auch sei nicht jeder Pferdehalter automatisch ein Gutverdiener, den man stärker zur Kasse bitten könne.

Um den Standpunkt zu untermauern, hatte die Union den stellvertretenden Vorsitzenden des hessischen Pferdesportverbands, Dr. Wolfgang Kubens, nach Rodheim eingeladen.

»Anders als die Hundesteuer, die einen lenkenden Charakter hat und gegen eine übermäßige Hundehaltung zur Sicherheit der Bürger eingeführt wurde, soll die Pferdesteuer nur einen Zweck erfüllen: Die vermeintlich Reichen mehr zur Finanzierung der maroden Finanzen einer Kommune heranzuziehen«, sagte der gelernte Steuerberater. Dass man damit aber irre, wollte Kubens mit umfangreichen Zahlen belegen. So zähle der überwiegende Teil der Pferdesportler zu den Normalverdienern. Nicht wenige verzichteten auf Urlaub oder sonstige Annehmlichkeiten, um sich ein Pferd zu leisten. Kubens ging auch auf die positiven Auswirkungen des Pferdesports ein. 75 Prozent der Reiter seien jünger als 21 Jahre alt. »Kinder lernen den Umgang mit Lebewesen und bewegen sich in der freien Natur – ein gelungenes Konzept gegen Übergewicht und Computer.« Auch zeige die Erfahrung anderer Kommunen, dass die vermeintlich gewinnbringende Steuer ein erheblicher Kostenfaktor werden könne. »Bei Städten, die die Steuer eingeführt haben, war schnell ein Weggang der Pferde zu beobachten. Mit der Folge, dass Höfen die notwendigen Einnahmen wegbrachen.« Einige seien gar insolvent geworden.

Viele Unternehmen profitierten vom Wirtschaftsfaktor Pferd. Neben den Pferdehöfen seien das eine Vielzahl an Branchen; vom Futtermittelhersteller über Tierärzte bis hin zu Hufschmieden.

»Dann ziehe ich nicht hierher«

Die im Anschluss an den Vortrag gestellten Fragen der Besucher hätten gezeigt, welchen Nerv das Thema getroffen habe, schreibt die Union. Schnell sei deutlich geworden, dass die Einführung einer Pferdesteuer erhebliche Folgen für den Standort Rosbach hätte. »Ich habe mein Pferd in Rosbach stehen, wohne aber noch nicht hier. Wenn Rosbach eine Pferdesteuer einführt, ist nicht nur mein Pferd weg, sondern ich ziehe auch nicht hierher«, machte eine Frau ihrem Unmut Luft. Genau dies sei eine der Folgen der Einführung, sagte Kubens.

Schnabel machte in einem Schlusswort deutlich, dass sich die CDU auch gegen weitere Steuererhöhungen ausspricht. Bürgermeister Thomas Alber habe die einmalige Chance einer Erhöhung der Einnahmen durch die Gewerbesteuer leichtfertig verspielt. Schnabel überreichte Kubens zum Dank einen Korb mit Spezialitäten aus der Wetterau.

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