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Einradfahren sieht bei Hironimus so einfach aus.

Perfekt gepackte Trickkiste

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach (sky). Die dunklen Wolken trauten sich nicht näher heran, als der Artistik-Tausendsassa, Zauberer und Jongleur Hironimus alias Georg Morgenthal am Marktplatz von Ober-Rosbach seine kleine Manege aufbaute, um Groß und Klein mit seinen Zaubertricks und Jonglierkünsten zu verblüffen. Auf einem Hocker wartete ein stilgerechter alter Lederkoffer voll Requisiten auf seinen Einsatz, und an der nachtblau getünchten Bande lehnte ein Einrad und ließ erahnen, dass heuer nicht nur Hände und Köpfchen, sondern auch stramme Waden zum Einsatz kommen sollten.

»Vor so viel Publikum wie heute habe ich seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr gespielt«, sagte der unermüdlich fröhlich lächelnde Künstler. Mit dieser Feststellung wäre er auch vor zwei oder drei Zuschauern im Recht gewesen, denn coronabedingt war es in diesem Jahr das erste Mal, dass er öffentlich auftreten durfte. Möglich gemacht hatte es Gottfried Blöcher von der Kultur-Initiative Verzauberwelt Baidergasse, der seit über 20 Jahren Kleinkünstler und größere Namen nach Rosbach holt. Als hätte er geahnt, dass mit Beginn des meteorologischen Sommers auch die Corona-Bestimmungen erleichtert werden, hatte er zu einem vergnüglichen Sonntagsspaß unter freiem Himmel eingeladen.

Salz und Pfeffer zum Zaubern

Während die Erwachsenen in kleinen Gruppen an Bistro-Tischen zusammensaßen und das Programm genossen, rutschten die Kinder aufgeregt auf ihren Stuhlkissen hin und her und brauchten nicht lange, um mit dem Künstler jenseits der Absperrung ins Gespräch zu kommen. Verblüffung war großgeschrieben, als das kleine rote (oder blaue?) Zaubertuch immer wieder Farbe und Ort wechselte. Man konnte noch so genau hinschauen - Hironimus’ Trickkiste war so perfekt gepackt, dass man dem Tausendsassa beim besten Willen nicht auf die Schliche kam. Immer wieder legte er seinen Zuschauern die Antworten auf seine Fragen peinlich genau zurecht - um dann mit einer ganz anderen Antwort aufzuwarten.

Viel brauchte er nicht, um Kurzweil auf dem kleinen Marktfleckchen aufkommen zu lassen. Zauberpfeffer und -salz, ein Feuerzeug, eine Handvoll roter Bälle oder der altbewährte Zauberhut zogen Jung und Alt schnell in ihren Bann. Auch beim Einradfahren - gepaart mit einer gefährlichen Messerakrobatik - fuhren Spaß und Spannung mit.

Freude kam auf, als er Joseph Haydns Kaiserquartett (eher bekannt als deutsche Nationalhymne) mithilfe des Publikums rhythmisch mit Köpfchen versah: Während ein kleiner roter Ball im Takt zwischen Kopf und Hut hin- und herhüpfte, blies er auf dem Kazoo (ein kleines, einfaches Blasinstrument) die Melodie, als sei dies das Normalste auf der Welt. So zahlreich er die Gelegenheiten nutzte, um mit seinem Publikum in Kontakt zu kommen, so ideenreich gelang es ihm, auch weiter mit ihm im Gespräch zu bleiben.

Selbst Altbekanntes wurde zum neuen Hinreißer, wenn er es geschickt in neue Formen verpackte - so etwa beim Märchen vom Dornröschen, welches er zur Freude seiner Zuhörer nicht wie »Dornrös-chen« aussprach, sondern als »Dornrösch-schen«. Hier zeigte der Künstler, dass er auch ein Meister des gesprochenen Wortes ist. Mit jedem Satz wuchs die Freude des Publikums an der in eine neue Form gegossenen Mär, und kaum eine Kniffligkeit blieb unüberhört, sodass am Ende eine trefflich gelungene Geschichte herauskam, der man nur allzu gern gefolgt war.

Kinder und Erwachsene kamen hier in voller Gänze auf ihre Kosten und waren sich einig: Es wäre all zu schön gewesen, wenn der interaktive Spaß noch ein wenig länger gedauert hätte. Vielleicht beim nächsten Mal.

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