Noch kein Platz für Flüchtlinge

Rosbach (sky). Wie geht man mit den 21 Flüchtlingen um, die im Februar nach Rosbach kommen. Um diese Frage zu besprechen, hatte Bürgermeister Thomas Alber alle Vereine, kirchlichen Institutionen und sonstige sozialen Verbände sowie Privatpersonen zu einem "Runden Tisch" in die Adolf-Reichwein-Halle eingeladen.

Als Referent war der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Betschel-Pflügel gekommen. Gemeinsam wollte man nach Angeboten und Lösungen für eine angemessene Unterbringung von Flüchtlingen aus Krisengebieten suchen.

Ein Ehepaar aus Syrien hat bereits im Dezember in einer städtischen Wohnung eine Bleibe gefunden, aber für die 21 Personen, die der Stadt im Februar laut dem Verteiler-Schlüssel des Wetteraukreises zugeordnet werden sollen, wird es eng – zumal sich die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge noch erhöhen könnte. "Wir haben nur noch eine einzige Wohnung zur Verfügung, in der wir vier Leute unterbringen können", sagte der Rathauschef. Jetzt sucht man im Stadtgebiet händeringend nach festen Unterkünften, denn eine Unterbringung in Turnhallen oder gar Zelten wurde auch von Betschel-Pflügel als inakzeptabel bezeichnet – nicht nur in Anbetracht der zu erwartenden Witterungsverhältnisse. Auch will man darauf achten, dass Familien nicht auseinandergerissen werden, und ihnen gemeinsame Unterkünfte anbieten. Für Einzelflüchtlinge denkt man an Wohngemeinschaften. Anmieter und Vertragspartner wird der Kreis sein. Der Mietpreis und die Anzahl der künftigen Bewohner wird sich nach den Gegebenheiten der Wohnung richten.

Rund 50 Interessierte hatten sich eingefunden, um sich einen ersten Eindruck von der Bedürfnislage zu verschaffen. Hilfe bei der sprachlichen Integration, bei Arztbesuchen oder beim Einkaufen stand außerdem zur Debatte. Aber auch bei der ersten Kontaktaufnahme in Sport- oder Gesangvereinen, in Kirchengemeinden oder Jugendgruppen will man Hilfe anbieten. Die Schulpflicht oder der Anspruch auf einen Kita-Platz wurde ebenfalls angesprochen. "Es gibt eine vielfältige Bereitschaft zur Hilfeleistung, aber wir Anbieter müssen auch wissen, was gebraucht wird, und wo", fasste eine Besucherin aus Rodheim das Problem zusammen.

Zuvor hatte Betschel-Pflügel einen Fall geschildert, wo Hilfe am falschen Ort angekommen war. Die Kleiderspende einer älteren Dame, die ihn in seinem Büro aufgesucht hatte und sich hartnäckig weigerte, die Röcke, Mäntel und Blusen wieder mit nach Hause zu nehmen, waren das Beispiel. "Es muss alles koordiniert werden, und nicht wahllos drauflos gearbeitet." Das scheine jedoch nicht immer so einfach zu sein. Die Vorstellungen seien auf beiden Seiten noch nicht ausformuliert, zumal man immer erst kurzfristig wisse, aus welchen Ländern die Flüchtlinge kämen.

"Bislang hatten wir nur zwei Tage Vorlaufzeit, jetzt soll es eine Woche sein, aber auch das ist zu wenig", kritisierte Betschel-Pflügel das Zuteilungsverfahren der übergeordneten Behörden.

"Die hilfesuchenden Menschen aus fremden Ländern und Kulturen müssen schnellstmöglich in unsere Gemeinschaft integriert werden", betonte Alber. Das wirke möglichen Konflikten entgegen und fördere das freundschaftliche Miteinander. Der Wetteraukreis hat zwei Sozialarbeiter mit der Aufgabe betraut, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. Ansprechpartner für jene Menschen, die Hilfe oder gar eine Wohnung anzubieten haben, sind sie jedoch nicht. Betschel-Pflügel: "Dafür sind die Kommunen zuständig."

Hilfsbereitschaft ist groß

Der Rosbacher Bürgermeister reagierte darauf mit einem sichtbaren Zucken seiner Augenbrauen. "Es steht zwar außer Zweifel, dass wir den Flüchtlingen helfen wollen, aber unsere Verwaltung muss auch den zeitlichen Spielraum dazu haben." Hier sieht er noch erheblichen Nachbesserungsbedarf bei Kreis, Land und Bund.

Die Hilfsbereitschaft der Rosbacher Bürger scheint indes groß zu sein, wie der "Runde Tisch" bewies. Wo "der Schuh drücken" könnte, dazu hat besonders die Helferinitiative "HIR" um Erika Ulherr schon viele Erfahrungen gesammelt. Es ist ein Zusammenschluss von Ehrenamtlichen, die gegen eine geringe Aufwandsentschädigung ihre Zeit oder ihr Auto zur Verfügung stellen, um zum Beispiel bei Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Einkaufen zu helfen. Bezüglich der Flüchtlinge sieht Ulherr allerdings ein Problem: "Ich kann keine Fremdsprachen, wie soll ich mich da verständigen?" Betschel-Pflügel räumte ein, dass die sprachliche Integration eine der vorrangigen Aufgaben sei, nur: "Es gibt im Wetteraukreis nur ein einziges Kursangebot von FAB, das vom Bund finanziert wird." Es fehle also wieder einmal am Geld. Für eine Frau aus Rosbach, die viel in der Welt herumgekommen ist, hat die Sprache eine nachgeordnete Rolle: "Wichtiger ist es, Interesse am Schicksal dieser Menschen zu zeigen und sie das auch spüren zu lassen", meinte sie.

Sobald im Rathaus Angebote und Nachfrage bekannt und aufgelistet sind, wird man weitere Schritte unternehmen können. Vorderstes Problem ist derzeit der fehlende Wohnraum. Alber: "Wir sind für jedes Angebot dankbar, um Flüchtlingen in unserer Stadt ein Dach über dem Kopf anbieten zu können."

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