Mit Mulden gegen Überschwemmung

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Rosbach (pm). Eine Gruppe von an Hochwasserschutz und Waldgesundheit interessierten Bürgern haben sich am Samstag von Försterin Eva Kirchler und Umweltberater Heinz Sill durch den Wald führen lassen. Die SPD hatte zu dieser Exkursion eingeladen.

An verschiedenen Stellen zeigten Kirchler und Sill die Maßnahmen, die möglichst viel Wasser im Wald halten sollen. Auch Überschwemmungen oder gar Abschwemmung von Waldboden und ganzen Hängen bei Starkregen sollen damit verhindert werden. In Gräben und talwärts verlaufenden tiefen Rillen werden beim Fällen Baumkronen liegen gelassen. Sie bilden natürliche Hindernisse für ablaufendes Wasser. Zu dem System der 1000 kleinen Mulden im Wald werden jetzt auch große Mulden angelegt und mit Jutevlies ausgekleidet, damit der Wall nicht bei Starkregen weggerissen oder unterhöhlt wird. Solche Kenntnisse werden im Studium der Forstwirtschaft nicht vermittelt, wie die Teilnehmer der Exkursion erfuhren. Weiterhelfen würden vielmehr Eigeninitiative und Erfahrungswerte.

Trotz der vielen Regenfälle in diesem Sommer sei der Boden lediglich auf 20 Zentimeter durchnässt, berichtete Kirchler. »Die Bäume haben also weiterhin Trockenstress.« Jeder zurückgehaltene Liter Regenwasser werde benötigt.

Es wurde auch die Notwendigkeit von Regenwasserzisternen besprochen und die Nutzung des aufgefangenen Wassers als Brauchwasser im Haus, nicht nur zur Gartenbewässerung. Sill sagte, er sehe die künftige Versorgung mit Trinkwasser und die Verwendung als Brauchwasser im Haus kritisch. »Die Grundwasserspeicher nehmen ab - die Ressource Wasser wird eher sparsam zu handhaben sein.«

Reh- und Rotwild macht Probleme

Auch die Regeneration der kahlen Flächen, die durch Windbruch, Trockenheit oder Schädlingsbefall entstanden seien, gestalte sich schwierig. Standortgerechte Bäume sollten auf natürliche Weise nachwachsen, würden aber von der starken Reh- und Rotwildpopulation abgefressen. Da die Regelung durch natürliche Feinde fehlt, sei die Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern sehr wichtig, betonten Kirchler und Sill. Insbesondere der Rehbestand müsse verringert werden, sonst habe der Wald keine Chance, sich zu erholen. Das Rotwild schädige die jungen Bäume durch Abschälen der Rinde oder durch das Wetzen der Geweihe. »Schutzzäune allein helfen nicht und sind zu teuer.«

Wie der Wald sich unter Schutz entwickeln könnte, sehe sie in den »Weisergattern«, sagte die Försterin. Dort wachsen die krautigen Pflanzen und Baumschößlinge ungestört heran und bilden den neuen Wald. Die vielen Hektar Wald müsse sie mit 1,5 Waldarbeiterstellen pflegen. Hier sei Otskenntnis wichtig, damit sie einen Waldarbeiter auch einmal an bestimmte Stellen schicken könne, um eine Arbeit auszuführen. Eine weitere Stelle zu genehmigen, wäre eine gute Hilfe, um die umfangreichen Arbeiten zu bewältigen, denn der Stadtwald sei für Rosbach ein wichtiges Wirtschaftsgut, sagte Kirchler.

Der Waldgang sei gut vorbereitet gewesen und für die Teilnehmer sehr informativ, betonte SPD-Vorsitzende Eleonore Dietz. Zum Schluss wurde noch über die Warnung der Bevölkerung gesprochen: In Ober-Rosbach und Rodheim gebe es ausreichend Sirenen; in Nieder-Rosbach müsse nachgerüstet werden. Aber, so merkte Stadtbrandinspektor Clemens Harff an, würden Sirenenwarnungen von der Bevölkerung eher als Warnung für die Feuerwehr verstanden.

»HessenWarn« als App wäre besser, meinte Sill. »Hilfe im Wald« mit Warnmöglichkeit und Herbeirufen von Hilfe aufgrund von Geodaten sei auch hilfreich, ergänzte Kirchler. Eine bundesweite Warn-App müsse von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden, forderte Harff.

Solche Mulden sollen Über- und Abschwemmungen bei Starkregen verhindern.

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