Josef und seine Bienen sind einander vertraut, ein eingespieltes Team.	FOTOS: HALACZINSKY
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Josef und seine Bienen sind einander vertraut, ein eingespieltes Team. FOTOS: HALACZINSKY

Mildes Wetter lockt Bienen heraus

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach (sky). Vor zwei Jahren ging er in Rente und suchte nach einem Hobby, das ihn ausfüllte. Die Imkerei schien für Josef F. aus Rosbach das Richtige zu sein, hatte er sie doch bereits vor Jahren im fernen Tadschikistan betrieben - kannte sich also damit aus. Bereut hat er es bis heute nicht. »Imker zu sein ist aber gar nicht so einfach, wie man denkt«, meint er. Rund ums Jahr sei man mit der Pflege der Bienenvölker beschäftigt, auch im Winter.

Dieses Jahr treibt ihn eine besondere Sorge um seine zehn Bienenvölker um: Es ist viel zu mild, und wenn es nun doch noch eine Woche mit Minus-Temperaturen geben würde, wären herbe Verluste zu befürchten. »Gegen den Frost schützen sie sich im Stock, indem sie in der Mitte eine Traube rund um die Königin bilden und sich gegenseitig wärmen«, sagt Josef. »Viel schlimmer ist die Gefahr, dass sie verhungern.« Schnell seien die Futtervorräte in der Behausung aufgebraucht, und der lebensgefährliche Versuch, bei frostiger Kälte außerhalb auf Nahrungssuche zu gehen, würde ohnehin von wenig Erfolg gekrönt sein: außer Haselpollen ist da noch nicht viel zu holen.

Nachdem die Königinnen dieses Jahr bereits Mitte Januar mit dem Eierlegen angefangen haben, steigt der Nahrungsbedarf aber entsprechend früher. Es ist eine doppelte Herausforderung. An Josefs Bienenstöcken herrscht bereits ungeduldiges Treiben und teils dichtes Gedränge vor den Einfluglöchern. »Normalerweise beginnt die Bienensaison erst Mitte April, wenn die Wildkirsche blüht«, weiß er. Licht und Wärme der Sonne haben die emsigen Flieger diesmal aber schon früher nach draußen gelockt. »Man kann versuchen, die Bienenstöcke vorsichtig zu kühlen oder Zucker und Wasser beizufüttern, aber das gelingt nicht immer.« Etwa 20 Kilo Futter - Zucker oder Honig - braucht ein Stock pro Winter.

Imker sammelt die toten Milben

Wer sich der Imkerei widmen möchte, muss Sommer wie Winter viel Zeit mitbringen. »Ein Saisonhobby ist das nicht, denn man hat immer etwas zu tun.« So beginnen beispielsweise schon im Herbst die Vorbereitungen für den Winter. Es gilt, die Völker auf Krankheiten und Schädlingsbefall zu untersuchen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Besonders gefürchtet ist die Varroa-Milbe, die gerade mal so groß ist wie eine Kugelschreiberspitze. Auf einem Bodenschieber unten im Stock sammelt Josef alles, was aus den Wabenrähmchen herausfällt, auch tote Milben. Die Winzlinge werden regelmäßig gezählt, und wenn es zu viele sind, wird mit verdünnter Ameisensäure eingegriffen. Das ist eine Routine, die das ganze Jahr über regelmäßig zu leisten ist. Auch Holzarbeiten gilt es zu erledigen, sofern man die Wabenrähmchen nicht fertig im Fachhandel kaufen will. Josef greift gern zu Holzlatten und Werkzeug, um seine eigenen zu fertigen. Daneben muss das Wachs der bereits benutzten Rahmen sorgfältig gereinigt werden. Wieder und wieder wird es eingeschmolzen und durch ein Sieb gegossen, bis es ganz klar ist und den Bienen als Baumaterial zur Verfügung gestellt werden kann. Wenn die Natur draußen ihre Blütenpracht entfaltet, gibt es auch den Lohn für die viele Mühe: es darf Honig geschleudert werden. Nicht immer ist die Ausbeute gut: »Letztes Jahr konnte ich viermal schleudern, aber davor nur einmal«, berichtet der Hobby-Imker. An Farbe und Duft des Honigs kann Josef erkennen, wo seine Schützlinge unterwegs waren. In drei Kilometern Umkreis sind die Bienen normalerweise auf Nektarsuche, manchmal sind es sogar fünf Kilometer.

Bienen räubern in Nachbarstöcken

»Gibt es im Sommer Schlechtwetterperioden, räubern sie aber auch schon mal in Nachbarstöcken«, weiß er. Nicht immer gelingt es den Wächtern am Einflugloch, die Eindringlinge fern zu halten, und schwache Völker gehen daran sogar zugrunde. Josef erkennt am Verhalten seiner Bienen, ob genug Futter da ist. »Bei Futtermangel kriegen sie schlechte Laune und stechen auch eher«, sagt er. Ansonsten seien die kleinen Tierchen recht harmlos, weshalb er außer Schutzhut und (eventuell) Handschuhen kaum weitere »Arbeitskleidung« benötigt. Im Sommer nähert er sich seinen Bienenstöcken sogar im T-Shirt. »Man muss sie genau beobachten, dann kann nichts passieren.«

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