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Will neue Wählerschichten erschließen: Michaela Colletti ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl. Bei der Kreismitgliederversammlungs in Rosbach setzte sie sich gegen Jana Peters mit 29 zu 24 Stimmen durch.

Für Chancengleichheit

Michaela Colletti führt Wetterauer Grüne in Bundestagswahl

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Die Direktkandidatin der Grünen für den Wahlkreis 177 für die Bundestagswahlen im Herbst steht fest.

Am Wochenende wählte die Kreismitgliederversammlung in der Rosbacher Adolf-Reichwein-Halle die 56-jährige, selbstständige Finanz- und Wirtschaftsübersetzerin Michaela Colletti aus Rosbach zu ihrer Kandidatin. Sie setzte sich mit 29 zu 24 Stimmen gegen die 29-jährige Jana Peters durch.

Die ursprünglich dritte Kandidatin, Isabella McNickol, ersparte der Versammlung eine eventuelle Stichwahl, indem sie ihre eigene Bewerbungsrede in eine Unterstützungsrede für Peters münden ließ und das Feld fortan den beiden übrig gebliebenen Bewerberinnen überließ.

Colletti, die auch Kreissprecherin der Grünen ist, kündigte an, trotz ihres Sieges zusammen mit Peters in den Wahlkampf gehen zu wollen. »Sie ist eine starke Persönlichkeit, die vor allem die jüngeren Wähler ansprechen wird.«

Die Jugend klage an und verstehe schon lange, dass die Grünen für Wandel stünden, sagt sie. Jetzt gelte es, auch all diejenigen abzuholen, denen die Grünen bislang zu bunt gewesen seien. »Wir müssen jetzt und hier in der Wetterau die Menschen erreichen, die uns bislang nicht gewählt haben.«

Colletti meint, diese Wählerschaft am besten mit Gleichaltrigen zu erreichen. »Ich traue mir zu, das Gespräch mit Menschen zu führen, die bislang klassisch schwarz oder gelb gewählt haben, und sie für grün zu gewinnen.« Sie sieht die Kreis-Grünen mit ihren 370 Mitglieder an »hervorragender Position«, betrachte man die Ergebnisse der letzten Sonntagsfragen.

Colletti lebt seit 1990 in der Wetterau, derzeit in Rosbach, wo sie seit 2014 Grünen-Mitglied ist. Ihre Stärke sieht sie im stetigen Hinterfragen der Dinge und im unermüdlichen Hinweisen auf Missstände. Das habe zum Beispiel in Rosbach, wo sie momentan wohnt, zu einem Anwachsen der Mitgliederzahl von zehn auf 23 binnen eines Jahres geführt.

So punktete sie vor allem in Themenbereichen, in denen sie persönliche Erfahrungen vorzuweisen hat, etwa bei der Besteuerung von Selbständigen, Unterstützung von Menschen ausländischer Herkunft oder bei der Förderung von Menschen mit Behinderungen. Schon früh pflegte sie Kontakte zu Menschen anderer Nationen, begab sich auf Reisen und längere Aufenthalte nach England, Italien, Frankreich und Ecuador, besuchte eine Sprachenschule und begann mit 20 Jahren ihr Berufsleben.

Nebenbei absolvierte sie ein Fernstudium, und nach zehn Jahren im Angestelltenverhältnis als Assistentin in verschiedenen Chefetagen machte sie sich mit ihrem Sprachdienst selbständig.

In ihrem politischen Engagement besetzt sie auch Themen, die als typisch grün bezeichnet werden können wie zum Beispiel die Überwindung der Schere zwischen Arm und Reich, mehr Lohngerechtigkeit, bessere Arbeitsbedingungen für Frauen und eine verlässliche Kinderbetreuung.

Unterstützung für alle Kinder

»Chancengleichheit ist nach wie vor ein Fremdwort, denn Akademikerkinder kommen besser voran«, moniert sie. »Wir fordern, gleiche Förderung und Unterstützung für alle Kinder.« Man müsse Menschen Perspektiven vor Ort geben, und das gelte auch für die Flüchtlingspolitik. Hierfür wolle sie sich ebenso stark machen wie für Verbesserungen für Senioren und Kranke. Altenheime und Krankenhäuser sollten nicht länger der Arzneimittelindustrie als rentable Geldanlage dienen.

Unverzichtbar, weil ein Meilenstein hin zu mehr Klimaschutz, sei für sie schließlich ein bezahlbares und gut ausgebautes Schienennetz anstelle von Erweiterungen im Straßenbau.

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