Maurice Zimmermann hat geschafft, was keiner geglaubt hat: Nach einem schweren Autounfall hat er wieder laufen und sprechen gelernt. Sein großer Traum: wieder auf dem Fußballplatz im Tor stehen. FOTO: SDA
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Maurice Zimmermann hat geschafft, was keiner geglaubt hat: Nach einem schweren Autounfall hat er wieder laufen und sprechen gelernt. Sein großer Traum: wieder auf dem Fußballplatz im Tor stehen. FOTO: SDA

Nach schwerem Unfall

Maurice Zimmermann hat trotz Diagnose nicht aufgegeben

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Vor drei Jahren hatte Maurice Zimmermann aus Rodheim einen schweren Autounfall. Zwei Monate lag der damals 18-Jährige im Koma. Die Ärzte sagten, er wird nie wieder sprechen und laufen können. Nun, drei Jahre später, hat sich gezeigt: Wird er doch.

Die meisten Texte kann Maurice Zimmermann auswendig. Er sitzt auf seiner Couch. Der Fernseher ist eingeschaltet, das Musikvideo eines Berliner Rappers läuft: "Kein Stück vom Kuchen, nein, ich will eine Konditorei", rappt der Musiker auf dem Bildschirm - und Maurice rappt mit, Zeile für Zeile. Deutscher Rap war schon immer sein Ding, sagt er. "Durch die Musik habe ich wieder gelernt zu sprechen."

Drei Jahre ist es nun her. Maurice Zimmermann, damals 18 Jahre alt, sitzt auf der Rückbank eines Autos, das einen schweren Unfall hat. Mit einem Rettungshubschrauber wird er in eine Klinik geflogen, dort acht Stunden notoperiert.

Zwei Monate liegt er im Koma. "Als ich aufgewacht bin, habe ich nichts gespürt. Keine Freude, keine Liebe. Der lustigste Mensch der Welt hätte neben mir stehen können, ich hätte nichts empfunden." Er kann weder sprechen noch aufstehen. Die Ärzte diagnostizieren Ataxie - eine Störung der Bewegungskoordination, ausgelöst durch den Unfall, die Zittern verursacht. Und, erzählt der heute 21-Jährige: Sie sagen seiner Mutter, Maurice wird nie wieder sprechen und laufen können.

Doch er geht nach Baden-Württemberg in eine Reha. Vier Monate bleibt er dort, muss jeden Tag Übungen machen. Und er hört Rap-Musik. Als er zurück nach Hause kommt, spricht er wieder. Langsam noch, stockend. "Die Stimme schreckt erst einmal viele ab", sagt er. Doch was ihm kein Arzt zugetraut hatte, hat er geschafft.

Auch bei der Bewegungskoordination hat er große Fortschritte gemacht. "Fünf Tage in der Reha, dann konnte ich wieder aufstehen." Er sitzt zwar noch immer im Rollstuhl, kann aber selbstständig aufstehen und mit Rollator einige Meter gehen. "Ich wusste nicht, dass die Ärzte meiner Mutter gesagt haben, ich kann nie wieder laufen." Aber, sagt er grinsend: "Hätte ich es gewusst, hätte ich noch mehr Gas gegeben."

Training im Studio

Noch immer arbeitet er hart daran, Fortschritte zu machen. Drei- bis viermal die Woche trainiert er im Fitnessstudio unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Um das durch die Ataxie ausgelöste Zittern unter Kontrolle zu bekommen, muss er Muskeln aufbauen. "Ich versuche, meinen Körper in Form zu halten." Kommendes Jahr möchte er eventuell noch einmal in eine Reha gehen.

Vor dem Unfall hat Maurice Zimmermann Fußball gespielt. Schon seit seinem vierten Lebensjahr. "Ich war einer der besten Torhüter in Hessen." Irgendwann vielleicht, sagt er, möchte er wieder im Tor stehen. "Aber das ist noch ein großer Traum."

Genug Ehrgeiz hat er jedenfalls. Und auch Freunde, die ihn unterstützen, mit ihm auf den Fußballplatz gehen oder etwas unternehmen. "Ich bin viel mit ihnen unterwegs." Auch seine Eltern wohnen in der Nähe, sind für ihn da, wenn er etwas braucht.

Die Rodheimer Wohnung jedoch hat Maurice Zimmermann für sich alleine. Drei Zimmer, Küche, Bad. Um das meiste kümmert er sich selbst. Auf seinem Instagram-Account postet er regelmäßig Bilder - von seinem Training oder wenn er mit Freunden unterwegs ist. Er möchte anderen Menschen damit Mut machen. Und ihnen sagen, dass man scheinbar Unmögliches schaffen kann - wenn man nur will.

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