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Die Mauer soll bleiben

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach (sky). Maria Meisner-Stein aus der Nieder-Rosbacher Bäckergasse staunte nicht schlecht über die Nachricht, die ihr Ehemann Axel Stein kürzlich vom Straßenkehren mitbrachte: Die alte Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die das Anwesen der ehemaligen Gaststätte »Grüner Baum« umschließt, soll in Kürze abgerissen werden. Der neue Besitzer habe das in einem kurzen Gespräch entsprechend geäußert.

Bei den Steins und auch in den umliegenden Häusern schrillten die Alarmglocken: Das Bauwerk ist ihrer Meinung nach Teil der ehemaligen Stadtmauer. Zudem habe der Denkmalschutz diesen Bereich der Bäckergasse unter Ensemble-Schutz gestellt - was allerdings noch nicht ganz klar ist.

»Das Bild der Bäckergasse ist durch die alte Mauer geprägt«, schrieb Meisner-Stein der WZ. »Alle Anwohner des betreffenden Bereichs in der Bäckergasse sind entsetzt und fassungslos.« Mit »allen verfügbaren Mitteln« wolle man erreichen, dass die Mauer bleibt.

Teil der Stadtmauer?

Doch bis gestern waren schon (fast) alle Vorkehrungen für einen Abriss getroffen. Auch Halteverbotsschilder hatte die Stadt aufgestellt. »Nach unserem Wissen hat bisher niemand einen Abriss genehmigt«, sagt Axel Stein. Folglich sei ein Abriss rechtswidrig. Er verweist auf eine Abhandlung der Landesdenkmalpflege, in dem die Bäckergasse als Teil eines Rings um den ehemaligen Ortsgrundriss von Nieder-Rosbach aufgeführt ist. »Wenn die Mauer exakt den Verlauf der historischen Bäckergasse nimmt und den alten Ortskern an dieser Stelle markiert - was soll sie denn anderes sein als ein Teil der Stadtmauer?«, fragt Stein.

Ganz so eindeutig ist die Sachlage aber offenbar nicht. »Die Mauer ist nicht mehr einheitlich«, sagt Petra Schnelzer, Pressesprecherin beim Wetter-aukreis. Verschiedentlich seien Teile abgerissen oder hinzugefügt worden. Zudem sei nicht bewiesen, dass es sich tatsächlich um einen Teil der ehemaligen Stadtmauer handelt, und auch die Sache mit dem Ensemble-Schutz scheint eine dünne Beweisdecke zu haben. »Wir haben es hier nicht mit einem Einzelkulturdenkmal zu tun«, sagt Schnelzer. Außerdem müsse der Nachweis erbracht werden, dass es sich um ein prägendes Element in der Gesamtanlage handelt. Dennoch: Kurz vorm Abriss ist ein Baustopp veranlasst worden. Der Denkmalschutz wolle die Sache erst klären, teilt Rosbachs Pressesprecher Sebastian Briel mit.

Thema im Ortsbeirat

In dem Punkt »prägendes Element in der Gesamtanlage« sieht auch Ortsvorsteher Dr. Volker Hoffmann eine Hürde für die Befürworter der Mauer. Er hat für die Ortsbeiratssitzung am 10. Juni in der Adolf-Reichwein-Halle eine Anfrage formuliert, um die Rechtslage klar definieren zu können. »Zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet es sich ab, dass die Mauer als reine Grundstücksmauer keinen absoluten Bestandsschutz genießt«, sagt er. Doch aufgeben wollen die Anwohner der Bäckergasse nicht. »Neubaugebiete haben wir in Rosbach ja schon zur Genüge. Wäre es nicht mal angebracht, etwas Altes zu erhalten?«

Im städtischen Bauamt zeigt man Verständnis für diese Haltung, aber es gebe noch andere Aspekte zu berücksichtigen. »Bevor wir außerhalb der Ortskerne nach bebaubaren Flächen suchen, schauen wir auch innerorts nach Möglichkeiten einer sinnvollen Bebauung«, heißt es vom Bauamt. Auf dem Areal hinter der alten Mauer sollen Neubauten entstehen, die - laut Ortsvorsteher Hoffmann - mit Schwierigkeiten zum Beispiel zur Bereitstellung von Pkw-Stellplätzen verbunden sein könnten. Hierzu soll es nun ein Anhörungsverfahren geben.

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