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Thomas Ranft hat schon für über 2500 Folgen der Sendung "alle wetter" des HR-Fernsehens vor der Kamera gestanden. Was ihn am Wetter fasziniert? "Wenn man zum Beispiel von der ISS herunterguckt, sieht man, wie dünn die Schicht ist, in der Wetter passiert. Aber auf der anderen Seite beinhaltet ein Hurrikan die fünffache Energie der weltweiten Kraftwerksleistung."

"alle wetter"-Moderator

Der Mann fürs Wetter

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Wettermann Thomas Ranft hat Buch geschrieben, das er bald in Rosbach vorstellt. Im Interview spricht er über schlechtes Wetter, Bauernregeln und er erzählt, warum es einmal ein Jahr ohne Sommer gab.

Gibt es schlechtes Wetter?

Thomas Ranft:Es gibt Wetter, das ist niemandem recht. Wenn wir zum Beispiel über Unwetter reden. Oder die 42 Grad kürzlich in Hessen. Der Allzeit-Rekord, seit wir Temperaturen messen können. Das kann für niemanden in irgendeiner Form gut sein. Aber tatsächlich wird landläufig Sonnenschein als schönes Wetter bezeichnet, gerade in unserer Freizeitgesellschaft. Wir blenden einfach aus, dass Regen auch wahnsinnig gut und wichtig ist. Die Begriffe schön und schlecht werden da gerne mal falsch verwendet.

Was ist für Sie das beste Wetter?

Ranft:Ich mag es warm und sonnig. Um die 27 Grad, aber ich komme auch ganz gut mit 30 Grad klar.

Sie wohnen in der Wetterau. Wie finden Sie das Wetter hier?

Ranft:Eine Eigenschaft des Menschen, vor allem der Deutschen, ist: Wir können immer jammern. Ich auch übrigens. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beschreibung. Und es gibt schon auch Phasen, da sage ich: Winter brauche ich nicht. Aber wenn man das global betrachtet, leben wir in einem gesegneten Abschnitt dieser Welt. Wir haben Glück, dass die großen Extreme nicht bei uns stattfinden. Ja, wir haben mal ein Unwetter oder eine Dürre, das ist alles andere als harmlos. Und ja, wir haben den Wechsel der Jahreszeiten. Immer wieder neu, immer wieder spannend. Aber alles nicht in Extremen.

Thema Jahreszeitenwechsel: In Ihrem Buch geht es auch um Bauernregeln. Eine zum Beispiel, auf den jetzt kommenden Herbst bezogen, heißt: "September schön in den ersten Tagen, will den ganzen Herbst ansagen." Kriegen wir also einen sonnigen Herbst?

Ranft:Schöne Regel. Die reimt sich auch. Dann endet es aber auch schon. Gerade im September gibt es eine von Tag zu Tag nennenswerte Änderung der Tageslängen und damit einhergehend auch der Sonnenstrahlen. Veränderung bedeutet immer auch ein Stück weit Unruhe. Deswegen ist so eine Vorhersage für den ganzen Herbst aufgrund eines guten Starts eine höchst wacklige, auf die ich mich auf keinen Fall verlassen würde.

Gibt es eine Bauernregel, die zuverlässig ist?

Ranft:Ja: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. Die stimmt.

Sie sind jetzt schon einige Zeit als Wettermann tätig. Aus Erfahrung und im Hinblick auf den Klimawandel: Wie sehr hat sich das Wetter in den vergangenen Jahren verändert?

Ranft:Das, was man selbst fühlt, gibt ja in der Regel nicht die Wahrheit wieder, da wir viele Dinge sehr selektiv wahrnehmen. Wir merken uns das Gute und löschen das Schlechte. Von daher würde ich auf mein Gefühl gar nicht so viel geben. Aber auf das, was ich auf der Arbeit jeden Tag erlebe, schon. Wir haben mit belastbaren Daten und Fakten zu tun. Dadurch sehe ich, dass es schon außerordentlich bemerkenswert ist, wie sehr sich unser Klima verändert hat, wie viel wärmer es geworden ist in den vergangenen Jahren. Wenn wir zum Beispiel die 50er und 60er anschauen: Da gab es Jahre, da war ein hochsommerlicher Tag einer, der heute ein besserer Frühlingstag wäre. Werte von 30 Grad und mehr im Rhein-Main-Gebiet waren über Jahrzehnte wirklich selten. Heute ist es nahezu Normalität.

In Ihrem Buch erzählen Sie auch Wettergeschichten. Haben Sie ein Beispiel?

Ranft:Wir reden ja heutzutage über Klimawandel. Da gab es ein Ereignis, Anfang des 19. Jahrhunderts, das ein dramatischer Klimawandel auf der gesamten Nordhalbkugel war. 1816, das Jahr ohne Sommer. Es gab überall Missernten, es war wahnsinnig kalt, in Deutschland gab es in jedem Monat des Jahres Frost. Im Juli hat es in den Alpen noch geschneit. Das hatte enorme Folgen. Da es nichts zu ernten gab, hat man Saatgut gegessen, und weil dann kein Saatgut mehr da war, hat man die Pferde gegessen. Eine große Auswanderwelle war die Folge. Und, eine weitere Folge von 1816: Das Fahrrad wurde erfunden, denn weil man für die Mobilität keine Pferde mehr hatte, musste man sich etwas Neues ausdenken.

Was war die Ursache für den Klimawandel?

Ranft:Die hat man erst 100 Jahre später gefunden. Gefühlt am anderen Ende der Welt ist ein Vulkan regelrecht explodiert. In Indonesien. 1500 Meter seiner Höhe hat er verloren und so viele Teile in die höhere Atmosphäre getragen, dass dadurch die Erde verdunkelt und kühler wurde. Das war ein einmaliges Ereignis. Wir hingegen machen heute Klimaerwärmung, die nicht nur ein Ereignis ist. Wir verändern heute das Klima auf Hunderte, vielleicht sogar Tausende Jahre. Das ist dramatisch. Aber es ist wie mit Zahnschmerzen. Die wenigsten gehen gerne zum Zahnarzt, sagen sich: Noch geht es. Erst wenn man es nicht mehr aushält oder nicht mehr schlafen kann, geht man zum Zahnarzt. So ist das mit Veränderungen beim Menschen grundsätzlich. Auch was das Thema Klima angeht. Wir fangen an zu spüren und sehen, dass es wehtut, und zwar langfristig. Fridays for Future ist da ein enormer Wachrüttler. Weil die Schüler nichts erfinden, sondern das wiedergeben, was Wissenschaftler schon seit Jahren sagen, aber eben in einer anderen Dramatik erzählen.

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