Die Nachbarn des unbebauten Grundstücks möchten es als Grünfläche erhalten. Mit Plakaten machen sie auf ihr Anliegen aufmerksam - in den vier betroffenen Straßen hängen die roten Protestschilder an fast jedem Gartenzaun.
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Die Nachbarn des unbebauten Grundstücks möchten es als Grünfläche erhalten. Mit Plakaten machen sie auf ihr Anliegen aufmerksam - in den vier betroffenen Straßen hängen die roten Protestschilder an fast jedem Gartenzaun.

Wohngebiet Ober-Rosbach

Konflikt um Bebauung: Grünfläche erhalten statt Wohnhäuser bauen?

  • VonEdelgard Halaczinsky
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Baulücken in gewachsenen Wohngebieten sind attraktive Lagen, die schnell einen Käufer finden. In Ober-Rosbach sorgt ein solches Areal für Dissens zwischen Stadt und Grundstücksanrainern: Diese wehren sich dagegen, dass das 4200 Quadratmeter große Gelände von einem Investor bebaut werden soll.

Rosbach – Auf dem Gelände »Alte Hopfengärten« in Ober-Rosbach will ein Investor sechs Wohnhäuser errichten: Jedes soll 10,5 Meter hoch werden. Diese Pläne kommen bei den Nachbarn nicht gut an. Sie wollen das Areal lieber anteilig erwerben und weiterhin als Gartenland nutzen. Daher haben sie mehrere Schreiben an die Stadt geschickt - zuletzt unter dem Namen »Interessengemeinschaft Alte Hopfengärten« mit 84 Unterschriften der Grundstücksnachbarn. Auf roten Plakaten an den Gartentoren rund ums betroffene Viereck zwischen Friedberger Straße, Fuhrstraße, Hopfengartenstraße und Schützenrain fordern sie die Rücknahme der Vorlagen, die eine Bebauung ihrer »grünen Oase« vorsieht.

Bebauung von Rosbacher (Wetterau) Grünfläche heute Thema im Parlament

Für die heutige (05.10.21) Sitzung der Stadtverordneten im Bürgerhaus Rodheim haben die Parlamentarier einen Beschlussvorschlag auf dem Tisch, wonach ein Investor aus Friedrichsdorf dort bauen dürfte. In einem beschleunigten Verfahren soll der Flächennutzungsplan geändert werden.

»Im Stadtparlament sitzen Bürger, die die Interessen ihrer Mitbürger beachten und vertreten sollen«, sagt Claudia Reimer, die Ansprechpartnerin der Initiative. Sie könne nicht erkennen, dass in diesem Fall der Bürgerwille Berücksichtigung findet, wenn sich 84 Grundstücksnachbarn gegen die Pläne aussprechen.

Letzte Woche war sie mit einem Dutzend Gleichgesinnter in den Ausschusssitzungen, wo die Empfehlungen fürs Parlament beraten werden. Die roten Plakate, die sie in die Höhe gehalten hatten, mussten sie wieder unter ihre Stühle legen. Denn die Möglichkeit, auf vorherige Anfrage als »sachkundige Bürger« zu Wort kommen zu dürfen, hatten sie nicht ausgeschöpft. So mussten sie sich dem Ausschussvorsitzenden beugen und Stille halten. Wortlos verließ die Gruppe den Saal, nachdem die Empfehlung für die Bebauung ausgesprochen worden war.

Rosbacher Anwohnerinitiative gegen Bebauung der Grünfläche: Sorge vor Überschwemmungen

»Wir wissen nicht, ob alle Magistratsmitglieder und Stadtverordneten die Briefe gelesen haben, die wir ihnen geschickt haben«, sagt Reimer. Jedenfalls sei die Reaktion auf die vorgebrachten Argumente der IG sehr dürftig gewesen.

Die Gründe, die die Initiative gegen eine Bebauung vorbringt, sind vielseitig und von unterschiedlichem Gewicht. Es wird zum Beispiel auf den hohen Grundwasserstand hingewiesen, der zu Problemen führen könnte. Schon jetzt gebe es in den angrenzenden Häusern, etwa in der Hopfengartenstraße oder in der Fuhrstraße, je nach Wetterlage Wassermengen von täglich 300 bis 1000 Liter Grundwasser pro Haus, die abgepumpt werden müssten. Durch das Grundstück Friedberger Straße 22 führe zudem eine Wasserader, die selbst bei extremer Trockenheit nicht versickert. Es wird befürchtet, dass der Abwasserkanal bei zusätzlicher Bebauung nicht ausreichen wird und Überschwemmungen die Folge sein könnten. Wie Bürgermeister Steffen Maar jedoch in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ausführte, könne man dem durch Rückhaltemaßnahmen begegnen.

Rosbacher Anwohnerinitiative gegen Bebauung der Grünfläche: Verlust der Klimaausgliechsfunktion

Durch die 10,5 Meter hohen Häuser mit zwei Geschossen und einem Staffelgeschoss fürchtet man insbesondere im nördlichen Bereich des Areals eine starke Beschattung. Zudem seien die Grenzabstände minimal ausgelegt. Die lange schmale Grundstückszufahrt und die umliegende Grenzbebauung erzeugten gegenüber dem jetzigen Zustand erheblichen Lärm sowie Abgasemissionen. Durch Gebäude, Wege und Zufahrten werde auch ein großer Anteil des Grundstückes versiegelt.

In dem alten Baumbestand habe sich eine Vielzahl von Vögeln angesiedelt, darunter auch seltene Arten. Weiterhin werde bei einer Bebauung die Klimaausgleichsfunktion für den Ortskern von Ober-Rosbach ausgeschaltet. Darüber hinaus wird die Befürchtung geäußert, dass Rosbach als Wohnraumbeschaffer für Frankfurter Bürger herhalten solle. Man wolle keine Verhältnisse haben wie im Neubaugebiet Sang.

Bebauung in Rosbach (Wetterau): Bisher mehrere Gespräche ohne Lösung

Über allem steht das Interesse der Anrainer, die zum Teil sehr kleine Grundstücke besitzen, die angrenzende Grünfläche durch den Erwerb von Teilgrundstücken zu erhalten und sie im Weiteren als eigene Gärten zu nutzen. Ohne Not werde hier Boden geopfert.

Trotz mehrerer Gesprächsrunden mit den Beteiligten unter Federführung der Verwaltung konnte bisher keine einvernehmliche Lösung erzielt werden. Jetzt werden die Einwände der Anwohner wohl im Bauleitverfahren abgearbeitet werden müssen.

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