"Ich habe selbst im abgeschiedensten Winkel Osthessens spannende, gastfreundliche Menschen getroffen, von deren Energie und Ideenreichtum sich so mancher Großstädter eine Scheibe abschneiden kann", sagt Autor Tim Frühling. Am Sonntag wird er aus seinem neuen Krimi "Hessentagtod" vor der Rosbacher Wasserburg lesen. FOTOS: HR/EMONS VERLAGS GMBH
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"Ich habe selbst im abgeschiedensten Winkel Osthessens spannende, gastfreundliche Menschen getroffen, von deren Energie und Ideenreichtum sich so mancher Großstädter eine Scheibe abschneiden kann", sagt Autor Tim Frühling. Am Sonntag wird er aus seinem neuen Krimi "Hessentagtod" vor der Rosbacher Wasserburg lesen. FOTOS: HR/EMONS VERLAGS GMBH

HR-Moderator und Autor

Aus der Liebe zur Kleinstadt: Tim Frühling im Interview

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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Ein Mord auf dem Bad Hersfelder Hessentag. HR-Moderator und Autor Tim Frühling lässt "seinen" Kommissar Daniel Rohde wieder ermitteln - etwa am Sonntag in Rosbach.

Ihr Kommissar Daniel Rohde ermittelt wieder. Mitten auf dem Hessentag in Bad Hersfeld. Waren Sie letztes Jahr selber zu Recherchezwecken vor Ort?

Auf den Hersfelder Hessentag habe ich es tatsächlich nicht geschafft, weil ich die ganze Zeit beim HR in Frankfurt im Dienst war. Aber durch Kommissar Rohdes frühere Fälle kenne ich die Stadt mittlerweile sehr gut. Außerdem war ich auf den Hessentagen in Wetzlar, Kassel, Butzbach und noch einigen mehr. Und so ein bisschen ähnelt es sich im Aufbau ja dann doch immer.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre Krimis in der kleinen osthessischen Stadt spielen zu lassen?

Ich finde Nord- und Osthessen mit seinen Städten und seiner Landschaft einfach wunderschön. Außerdem ist die Gegend zwischen Fulda und Kassel viel zu unbekannt. Meine Hoffnung war, sie durch einen Hersfelder Kommissar auch den Südhessen etwas näherzubringen. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es schon so viele Kommissare in Regionalkrimis, dass ich meinem seine eigene Gegend für seine Ermittlungen gönnen wollte.

Beim Blick ins Buch fällt auf: Sie beschreiben sehr detailliert. Straßennamen, Plätze, Historisches. Wie viel Zeit haben Sie selber in Hersfeld verbracht?

Addiert sind das bestimmt schon mehrere Wochen. Einerseits für die Recherche zu mittlerweile vier Krimis, andererseits für die Arbeit am Reiseführer "111 Orte in Osthessen und der Rhön, die man gesehen haben muss". Dieser Führer ist sozusagen aus den Krimis entstanden, weil der Verlag gemerkt hat, dass ich diese Gegend sehr gut kenne.

Einige Figuren im Krimi schimpfen auf die Kleinstadt und die Provinz. Warum?

Ich kenne die Einstellung vieler Frankfurter, die alles jenseits der S-Bahn-Endhaltestellen für indiskutables Bauernland halten. Auch diese Emotion wollte ich mit aufnehmen. Aber ich distanziere mich privat ganz entschieden von diesen Protagonisten! Ich finde das Leben in einer Kleinstadt viel erstrebenswerter als in Frankfurt, wo ich wirklich nur berufsbedingt wohne. Ich habe überall, selbst im abgeschiedensten Winkel Osthessens, spannende, gastfreundliche Menschen getroffen, von deren Energie und Ideenreichtum sich so mancher Großstädter eine Scheibe abschneiden kann.

"Hessentagtod" ist im Mai erschienen. Mitten in Corona. Den Auftakt mit Lesereisen etc. haben Sie sich sicher anders vorgestellt. Wie sehr hat Sie als Autor die Einschränkungen getroffen?

Leider sehr stark. Die Premierenlesung war zwei Wochen vor dem Hessentag in Bad Vilbel geplant, 200 Besucher sollten kommen. Und aus beidem wurde nichts, Lesung und Hessentag. Auch in den Monaten darauf sind mehr als 15 Lesungen abgesagt worden.

Die Einschränkungen hatten sicher weniger Einfluss auf Ihre Moderatorentätigkeit, oder?

Das ist richtig, deswegen will ich auch nicht klagen. Beim Radio und in der Wettervorhersage ist mir kein Dienst durch Corona weggebrochen, deswegen habe ich eine deutlich glücklichere Lage als Menschen, die nur von Lesungen oder sonstigen Auftritten leben.

Am Sonntag lesen Sie vor der Wasserburg in Rosbach. Open Air und unter neuen Bedingungen. Freuen Sie sich?

Und wie! Das ist erst die dritte Lesung aus dem Hessentagskrimi. Die ersten Male ist man immer noch sehr aufgeregt, ob das Publikum Spaß hat und an den Stellen mitlacht, die man beim Schreiben dafür eingeplant hat.

Kommen wir zurück auf das neue Buch. Dort gibt es auch einen Bezug zur Wetterau: Die Ockstädter Kirschenkönigin ist eine der jungen Frauen, die um die Hessentagkrone buhlen. Da sind Zickereien programmiert, oder?

Na klar! Sechs hübsche Frauen, die um einen Job konkurrieren, der mit einem Jahresgehalt von 125 000 Euro dotiert ist, das kann doch nicht gut gehen! Ich wollte da unterschiedliche Charaktere zeichnen, nicht nur sechs ehrgeizige Furien. Die Kirschenkönigin ist eine der entspannteren.

Man merkt, Sie kennen und lieben Hessen: Ihre Krimis leben von regionalen Beschreibungen. Haben Sie Hilfe bei der Recherche?

Mein Mann hat Gott sei Dank Spaß daran, wenn ich ihm offenbare, dass ich das nächste Wochenende aus Recherchegründen gerne in Knüll, Schwalm oder Vogelsberg verbringen würde. Da bin ich echt dankbar, das macht nicht jeder mit. Und so lernen wir zu zweit ganz viel kennen.

Gab es auch schon kleine Fehler in den Büchern, bei denen die Einheimischen gemerkt haben, dass es nicht ganz stimmt?

Oh ja, einen ganz drastischen sogar. Auf dem 111-Orte-Führer ist ein Rhönschaf abgebildet. Noch bevor ich bei der Premierenlesung damals in Fulda das Buch aufgeschlagen hatte, wurde mir zugerufen, dass da was falsch ist. Das Schaf hatte in der ersten Auflage schwarze Beine. Die sind aber weiß! Gott sei Dank waren die ersten 3000 Bücher schnell verkauft, ab der zweiten Auflage waren die Beine weiß.

Kommen auch Tipps von Lesern oder Fans, über was Sie noch schreiben könnten?

Ganz oft. In nahezu jedem Ort wird mir auf Lesungen vorgeschlagen, dass Kommissar Rohde doch auch mal dort ermitteln könnte. Aber er arbeitet nun mal in Hersfeld, ihn ständig außerhalb dieses Landkreises einzusetzen, ist arg schwierig.

Ihren Krimi "Festspielfieber" haben Sie in Hersfeld vorgestellt. Bei "Hessentagtod" müssen Sie bis Oktober warten. Ist es etwas Besonderes, dort zu lesen, wo der Krimi spielt?

Absolut. Ich lese dann auch andere Teile vor. Und zwar die Stellen, in denen noch mehr aus der Heimat des Kommissars beschrieben wird. Das ist für die Zuhörer in Rosbach, die Bad Hersfeld normalerweise nicht so gut kennen, auch nicht so spannend.

Darf Kommissar Rohde eigentlich weiter ermitteln?

Ja, wobei ich gerade an einem Krimi zum Thema "Grillen" schreibe. Und der spielt in der Nähe von Köln. Aber danach werde ich bestimmt wieder zu Daniel Rohde ins schöne Hersfeld zurückkommen.

Auftritt am Sonntag in Rosbach

Tim Frühling wird am Sonntag, 6. September, um 19.30 Uhr vor der Rosbacher Wasserburg lesen. Die Lesung ist Teil der neuen Reihe "Open-Air-Kultur an der Wasserburg". Diese hat Bürgermeister Steffen Maar zusammen mit dem Team Kultur entwickelt. "Wir wollen den Bürgern nach dem Lockdown wieder Kultur bieten und den Künstlern eine Bühne", sagt Sebastian Briel, Stabstellenleiter des Bürgermeisters. Die bereits stattgefundenen Veranstaltungen seien beiderseits dankbar angenommen worden. Für die Lesung gibt es noch Karten. Infos unter www.rosbach-hessen.de.

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