1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Rosbach

Langlebiger und nachhaltiger als Wohncontainer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ploners Mitarbeiter bauen derzeit eine Wand für eine Flüchtlingsunterkunft, die in Friedberg stehen soll.
Ploners Mitarbeiter bauen derzeit eine Wand für eine Flüchtlingsunterkunft, die in Friedberg stehen soll. © Nicole Merz

Rosbach (lk). Die Kommunen müssen Wohnraum für Flüchtlinge bereitstellen – möglichst günstig und schnell. Wohn-container sind seit Monaten vergriffen. Einige Städte und Gemeinden weichen inzwischen auf eine teurere, aber nachhaltigere Alternative aus. Eine Alternative, wie sie die Zimmerei Ploner aus Rosbach anbietet.

Reinhard Ploner sagt: »Holz ist der schönste Baustoff der Welt.« Der 56-Jährige hat sich dem Holz verschrieben. Seit fast 25 Jahren sitzt seine Zimmerei in Rosbach. Wohnhäuser, Gemeindezentren, Hallen, Carports, Brücken und Türme haben Ploner und sein Team – bestehend aus 25 Männern und Frauen – bislang gebaut oder saniert. Nun kommt ein neues Aufgabenfeld hinzu: der Bau von Flüchtlingsunterkünften.

Ploner beschwichtigt: »Naja, ein richtig neues Feld ist das nicht, wir haben bereits etliche Gewerbe- und Zweckbauten errichtet. Kindergärten zum Beispiel. Das ist schon unser Metier.« Mehrere Anfragen in Sachen Flüchtlingsunterkunft liegen dem gebürtigen Südtiroler vor, Ploner steht in Verhandlungen mit einigen Kommunen. Ein Projekt befindet sich bereits in der Umsetzung. Es handelt sich um eine Flüchtlingsunterkunft für 80 Menschen in Friedberg.

Der Vorteil an Holzhäusern: »Man kann viel vorplanen, vorfertigen und dementsprechend schnell bauen«, sagt Ploner. Und genau das ist in Sachen Flüchtlingsunterkunft derzeit wichtig. Denn zwei Dinge haben die Kommunen nicht: Wohnraum und Zeit. Da Städten und Gemeinden aber immer mehr Flüchtlinge zugewiesen werden, muss es fix gehen. Die schnellste Lösung sind Wohncontainer. Doch sie sind inzwischen Mangelware. Einige Kommunen wollen sie ohnehin nicht. Ranstadt etwa sieht die Flüchtlinge wenn möglich nicht im Container, Rosbach ebenfalls nicht. Vielmehr sollen leerstehende Häuser gekauft oder aber neue gebaut werden. Wenn der Zustrom der Flüchtlinge irgendwann abnimmt, soll in den für sie gebauten Häusern Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen oder kleiner Rente entstehen. So ist die Idee in Rosbach und Niddatal.

Ploner hat mehrere Modelle für mögliche Flüchtlingsunterkünfte entwickelt, die später in Wohnungen oder Bürogebäude umgewidmet werden könnten. Eine Variante sieht vor, dass bis zu 24 Flüchtlinge in einem großen Holzhaus untergebracht sind, immer zwei Menschen pro Zwölf-Quadratmeter-Zimmer. Ein anderes Modell sieht ein zweigeschossiges Haus mit mehreren 56-Quadratmeter-Wohnungen vor. In jeder Wohnung könnten laut Ploner sechs Flüchtlinge leben. »Prinzipiell können wir in zwei bis drei Monaten, je nach den Wünschen der Kommune, eine Einrichtung herstellen. Schlüsselfertig.« An ein Dutzend Städte und Gemeinden trat Ploner mit seinen Ideen heran. Alle im näheren Umkreis. »Nicht weiter als 20 Kilometer. Es gibt keinen Sinn, die vorgefertigten Module durch die halbe Weltgeschichte zu fahren«, sagt der 56-Jährige.

Niddatal etwa überlegt, ein Gebäude zu errichten, in dem 24 Flüchtlinge untergebracht werden können. 400 000 bis 500 000 Euro will die Stadt dafür in die Hand nehmen. Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel hatte während der jüngsten Sitzung des Parlaments darauf hingewiesen, dass man mit einer Zimmerei in Rosbach in Verbindung stehe. Dahinter verbirgt sich Ploner.

Noch ist kein Vertrag unterschrieben, Reinhard Ploner äußert sich daher nicht konkret zu den Plänen. Darauf angesprochen, ob man mit der Summe tatsächlich ein solches Haus bauen kann, sagt er: »Na klar. Wir sind ja nicht, wie manche Container-Hersteller, in Goldgräber-Stimmung. Wir machen die Preise, wie wir sie sonst auch gemacht haben. Wir werden zwar viel mehr arbeiten müssen, um alles zu schaffen, aber das klappt.«

Jährlich würden in Deutschland 15 000 bis 20 000 Holzhäuser gebaut, berichtet Ploner. Es sei falsch zu glauben, dass der Holzbau eine Notlösung sei, man könne sehr langlebige Gebäude aus Holz errichten. »Wie ein Haus aus Stein.« Ohnehin sind Holzhäuser langlebiger als jeder Container. Es sei auch nicht richtig, dass Holzhäuser schneller in Brand gerieten, als ein Container oder ein Haus aus Stein.

Spezielle Verkleidungen sorgen laut Ploner für einen ausreichenden Brandschutz. Gebaut würden die Häuser bezugsfertig. »Wir sind ein Generalunternehmer, wir machen alles.« Von der Bodenplatte bis zum Innenputz. »Wir könnten sogar die Betten für die Flüchtlingsunterkünfte bauen«, sagt Ploner augenzwinkernd.

Der Gedanke, langfristig am sozialen Wohnungsbau beteiligt zu sein, gefällt Ploner. »Auch Rentner mit kleiner Pension sollten sich eine Wohnung leisten können. Gerade im Rhein-Main-Gebiet ist es nicht einfach, günstigen Wohnraum zu finden.«

Container sind teure Mangelware

Die große Zahl an Flüchtlingen hat zu einem akuten Mangel an Wohncontainern in Deutschland geführt. Die Lieferzeit für diese provisorischen Unterkünfte beträgt nach Angaben aus der Branche mittlerweile sechs Monate. »Der Markt ist relativ leer«, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Bausysteme, Günter Jösch, im November. Derzeit seien in ganz Deutschland rund 150 000 Wohn- und Bürocontainer im Umlauf, rund ein Viertel davon würden für Flüchtlinge genutzt. Die Preise für Container sind explodiert, haben sich laut Recherchen des NDR innerhalb kürzester Zeit vervielfacht. (dpa/bf)

Auch interessant

Kommentare