Autorin Maja Nielsen lächelt in alle Kameras. Sebastian Briel und Video-Techniker Christian Scholz (r.) bei der Arbeit.
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Autorin Maja Nielsen lächelt in alle Kameras. Sebastian Briel und Video-Techniker Christian Scholz (r.) bei der Arbeit.

Kultursommer geht online

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). Wie ein kleines Aufnahmestudio gab sich die Nieder-Rosbacher Wasserburg für einen ganzen, betriebsamen Tag. Ton- und Lichttechniker waren am Werk, um die Online-Ankündigung des "Rosbacher Kultursommers" aufzuzeichnen, die nun auf der Internetseite der Stadt www.rosbach-hessen.de abrufbar ist.

"Seit März mussten wir alle Kulturveranstaltungen absagen", sagt Sebastian Briel, im Rathaus zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Vereine. Auch in den nächsten Monaten können Präsenzveranstaltungen nicht stattfinden. Deshalb habe man die Veranstaltungsreihe "Kultur online" ins Leben gerufen, deren Programm ab sofort auf der Internetseite der Stadt zu finden ist. Ab Mitte Juni geht es los mit Live-Talks, Lesungen oder Video-Workshops, die einem breiten Publikum verschiedene Themen aus Kultur (und Klimaschutz) näherbringen sollen.

Für Bürgermeister Steffen Maar ist die Aktion eine "gute Brücke, um den Bürgern auch in der Corona-Zeit Kultur ins Haus zu bringen". Hatte die Kultur in Rosbach in der Vergangenheit trotz diverser Initiativen im Dornröschenschlaf verweilt, so war sie seit einigen Jahren auf einem guten Weg gewesen, sich den Rosbachern mit ausgefallenen Darbietungen zu präsentieren. Namen wie Mala Isbuschka oder Roberto Legnani standen auch in diesem Jahr wieder auf dem Programm, Martin Guth stand bereit, um vom "Guthen das Beste" zu geben, und die Gruppe "Pfund" wollte das Blütenfest Open Air rocken. Nur einige, wie die Tenöre Toni di Napoli und Pietro Pato, fanden einen Ersatztermin im Herbst. "Die Tenöre werden am 19. Oktober mit zwei Veranstaltungen aufwarten, damit alle, die sich schon ein Ticket gekauft haben, zum Mitmachen und Mitsingen kommen können", sagt Marion Hallwirth, die bei der Stadt für die Kulturangelegenheiten zuständig ist.

Jo van Nelsen wird seine Grammofon-Lesung "Kleiner Mann, was nun?" am 24. Juni online ins Haus liefern, statt sie in der Wasserburg vor Publikum zu präsentieren. "Ich habe meine ursprünglich geplante Lesung ›Eine empfindsame Reise mit dem Automobil‹ gegen dieses Thema ausgetauscht, weil ich meinte, dass dieses Hans-Fallada-Stück in Zeiten von Corona die Themen wie Arbeitslosigkeit, Hoffnungsschimmer und weltweite Krise besser auf den Punkt bringt", sagt er. "Hier findet man einiges wieder und sieht, dass die Leute trotz allem weitergemacht haben."

Titanic-Experte beantwortet Fragen

Während er drinnen im Saal sein Grammofon ankurbelt und die Schelllack-Platten sortiert, gibt die Rosbacher Autorin Maja Nielsen draußen auf dem Burgsteg ein Interview. "Ich werde die Reihe live zusammen mit dem weltweit anerkannten Titanic-Experten Günter Bäbler einläuten", verrät sie. Ihr Wissensbuch über den Untergang der Titanic hat sie nicht nur für Kinder geschrieben. Am 17. Juni haben alle, die sich einklinken, die Gelegenheit, direkte Fragen an den Experten zu stellen. "Wir bringen Ihnen die Kultur direkt ins Haus" sagt sie.

Für Hallwirth und das Online-Team ist die Aktion, die zunächst mal bis Mitte August jede Woche ein neues Thema bringt, mehr als eine Notlösung. "Wir gehen online in die Zukunft", sagt sie. "Es wird bestimmt etwas davon hängen bleiben als neuer Weg." Für diejenigen, die eine Sendung verpasst haben, gibt es ebenfalls gute Nachrichten: Alles wird für einen späteren Abruf in eine Mediathek gestellt.

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