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Klüngel-Vorwürfe stehen im Raum

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Von: David Heßler

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Der mögliche Verkauf des Alten Rathauses sorgt für Diskussionen in Ober-Rosbach – und vergrößert den Graben zwischen »Alber-Koalition« und Opposition. Nun stehen gar Klüngel-Vorwürfe im Raum.

Darf die Stadt ein historisch wertvolles und ortsbildendes Gebäude wie das Alte Rathaus am Ober-Rosbacher Marktplatz einfach so zum Kauf anbieten? Diese Frage stellt sich derzeit in Rosbach. Die CDU hat sich hinter die Skeptiker gestellt: »Was, wenn da einer einen Teppichladen reinmacht?«, fragt sich Fraktionschef Jörg Egerter. Es sei »absolut unsensibel« von Bürgermeister Thomas Alber und der Parlamentsmehrheit, ein so wichtiges Gebäude (»Mit dem die Stadt auf ihrer Homepage wirbt«) ohne tiefergehende Diskussion »zu verramschen«.

Für 250 000 Euro steht das Gebäude zum Kauf – gerade, damit es erhalten bleibt, argumentiert Bürgermeister Alber. Eine Sanierung würde für die Stadt zu einer teuren Angelegenheit werden; schließlich gebe es kein zukunftsträchtiges Nutzungskonzept. Ein Käufer werde durch den Denkmalschutz verpflichtet, das Stadtbild zu erhalten. Und man könnte mit kleinem Geld eine adäquate Versammlungsstätte an die Eisenkrain-Halle bauen.

Für Egerter ist das keine Lösung. »Jetzt ist doch Geld da.« Die Stadt sollte das Gebäude instand setzten und – wie es schon einmal angedacht war – versuchen, eine Kneipe anzusiedeln. Das von Alber angedachte »Koppelgeschäft« – das Trauzimmer könnte nach der Zusammenlegung der Büchereien ins Rodheimer Rathaus ziehen – stehe im Raum, dabei sei es nicht wirklich diskutiert worden. Symptomatisch für die derzeitige Politik im Rathaus, wie der Oppositionspolitiker betont. Das findet auch die FDP: Ein möglicher Verkauf dürfe nicht übers Knie gebrochen werden, sondern müsse auf jeden Fall mit den Ergebnissen des noch in Arbeit befindlichen Stadtentwicklungsplans harmonieren, sagt der Fraktionsvorsitzende Hans-Otto Jacobi. Mit eben dieser Begründung habe die »Alber-Koalition« kürzlich die Gründung eines Arbeitskreises für den Radwegeplan abgelehnt.

Anders als die CDU glaubt Jacobi, dass ein Verkauf nicht unbedingt schlecht sein müsse – »zumindest wenn auch für die Stadt und vor allem für die Vereine ein sinnvolles Nutzen weiterhin möglich bleibt«. So aber bleibe der Verkauf ein Schnellschuss. Jacobi: »Die Bürger sind aufgerufen, sich gegen derartig unausgewogene und unausgegorene Entscheidungen notfalls im Rahmen weiterer Bürgerbegehren zu wehren.«

Wie berichtet hatte der Magistrat das Frankfurter Unternehmen SGI Immobilien damit beauftragt, das Alte Rathaus zum Verkauf anzubieten. Das auf den Verkauf denkmalgeschütztr Gebäude spezialisierte Unternehmen macht das dem Vernehmen nach kostenfrei, würde aber beim Verkauf eine 7-prozentige Provision erhalten. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung.

In diesem Zusammenhang haben die Sprecher von CDU und FPD die Rolle des Stadtverordneten Walter Horz von der »Stimme« kritisiert. Er ist bei SGI als Makler tätig und hatte laut Alber den Kontakt zur Stadt hergestellt. Er sei aber nicht in den Verkauf involviert, wie eine Unternehmenssprecherin der WZ versicherte. Laut Alber war Horz, der im Umwelt- und Planungsausschuss sitzt, auch an keiner Abstimmung über die Auftragsvergabe beteiligt.

Für Egerter hat die Sache dennoch ein Geschmäckle. »Das ist eine Sache des politischen Anstands – auch wenn rechtlich alles in Ordnung sein mag.«

Auf die Sache von der WZ angesprochen meinte ein Vertreter der »Alber-Koalition«: »Das ist dumm gelaufen.«

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