Die 30-jährige Eva Maria Kirchler ist seit Mitte Januar Försterin in ihrem 1600 Hektar großen Heimatrevier. Jagdterrierhündin Bella ist immer dabei. Am Platz "Em Schaa seu Köppsche" warten Fichtenstapel auf den Abtransport. 	FOTOS: CF
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Die 30-jährige Eva Maria Kirchler ist seit Mitte Januar Försterin in ihrem 1600 Hektar großen Heimatrevier. Jagdterrierhündin Bella ist immer dabei. Am Platz »Em Schaa seu Köppsche« warten Fichtenstapel auf den Abtransport. FOTOS: CF

Baumsterben

Junge Försterin weiß, wie es um den Rosbacher Wald bestellt ist

  • vonChristine Fauerbach
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Im Revier von Försterin und Jägerin Eva-Maria Kirchler verschwinden Fichten und Laubholz in bisher noch nicht gekanntem Ausmaß. Ursache für das Baumsterben ist die Trockenheit.

Ist Eva-Maria Kirchler in »ihrem Wald« unterwegs, dann ist die Deutsche Jagdterrierhündin Bella (9) immer an ihrer Seite. Das 1600 Hektar große Revier der 30-Jährigen umfasst den ca. 1300 Hektar großen Rosbacher Stadtwald, 200 Hektar des Friedberger Waldes sowie rund 100 Hektar eines Privatwaldes. Die gebürtige Rosbacherin ist glücklich, dass sie seit Mitte Januar für ihr Heimatrevier zuständig sein darf. »Es war ein Glücksfall. Ich bin hier verwurzelt, war bei der Feuerwehr und den Pfadfindern, bin als Tänzerin aktiv im Karnevalsverein Hasenspringer«, berichtet sie. Ihre Mutter Ellen Stanzel ist ebenfalls in Rosbach geboren und aufgewachsen, Vater Albert Kirchler kommt aus Weißenbach im Ahrntal. Da es in der Jugend des Vaters kaum Arbeit im idyllischen Südtiroler Almendorf gab, kam der Bergbauernspross im Winter als Waldarbeiter nach Rosbach. Wie viele andere Saisonarbeiter wohnte der junge Mann, der aus einer Familie mit zehn Kindern kommt, in der Gärtnerei bei Jakob Wolfsheimer. »Dort lernte er meine Mutter kennen.«

Der Vater nahm Eva-Maria und ihre ältere Schwester Nina von klein auf mit in den Wald und auf die Jagd. »Das fand ich anfangs doof und langweilig.« Gefallen am Wald und der Jagd fand sie als Neunjährige. Da war sie als Treiberin bei der Hasenjagd mit Hunden im Nieder-Rosbacher Feld dabei. »Seither ist die Jagd eine große Leidenschaft von mir.« Seit 2009 besitzt sie einen Jagdschein.

Bereits als Kind wusste Eva-Maria Kirchler, dass sie später mal einen Beruf ohne Büro und Stechuhr ausüben würde. Nach dem Abitur am Friedberger Burggymnasium studierte sie drei Jahre lang an der Georg-August-Universität in Göttingen Forstwirtschaft. Und sie machte ihren Bachelor an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie. Unter anderem absolvierte sie vor neun Jahren ein Praktikum beim Forstamt Königstein. »Das ist ein Vorteil, da mich die beiden städtischen Waldarbeiter in Rosbach seither kennen«, sagt die HessenForst-Mitarbeiterin.

Ihr einjähriger Anwärterdienst führte sie zum Forstamt Romrod nach Kirtorf-Oberkleen. Nach den zwölf Monaten im Norden des Vogelsbergkreises bestand sie mit der Laufbahnprüfung ihr zweites Staatsexamen und trat ihre erste Stelle im Forstamt Nidda an. Nach drei Jahren wechselte sie 2017 ins Revier Friedrichsdorf zum Forstamt Königstein und vor sieben Monaten nach Rosbach. »Ich bin glücklich, wenn ich draußen im Wald bin, in und mit der Natur arbeiten kann, wenn ich die langsam ablaufenden Entwicklungsprozesse verfolgen kann und sehe, wie Pflegemaßnahmen greifen.« Letztere sind nötiger denn je: Zu den großen von Stürmen 1989/90 verursachten Waldschäden kommt seit drei Jahren die Trockenheit hinzu - und das daraus resultierende Borkenkäfer-Problem. Damit nicht genug: Neben dem Schädlingsbefall an den Fichten gab es im Vorjahr noch massive Schäden im Laubholz; für Laien leicht an blattfreien Ästen zu erkennen. »Die Schäden im Laubholz sind schwer abschätzbar. Sie treten überall auf.«

Wiederbewaldung dauert Jahrzehnte

Die von Borkenkäferarten wie dem Buchdrucker und dem Kupferstecher befallenen Fichten werden gefällt und müssen schnell abgefahren werden. Das Holz muss wegen des Käferbefalls mindestens 100 Meter entfernt von der nächsten Fichte liegen. Insektizide würden nicht eingesetzt, und natürliche Feinde wie Waldameisen oder Käfer würden der Borkenkäferinvasion nicht Herr, sagt die Försterin. »Der Holzmarkt ist überflutet, die Preise sind im Keller«, skizziert sie den wirtschaftlichen Verlust. »Die Wiederbewaldung der Flächen wird die Förster die nächsten Jahrzehnte beschäftigen.«

Kirchler und ihre Kollegen versuchen, die natürliche Verjüngung durch gekaufte Bäume zu ergänzen. Klimabeständiger als Fichten scheinen Douglasien, die eine dickere Borke haben, zu sein. Mit Douglasien will die Försterin den Nadelholzanteil in ihrem Wald halten.

Große Waldflächen verschwinden

Hessen ist auf rund 42 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt und damit Spitzenreiter unter den Bundesländern. Hessen-Forst betreut in insgesamt 41 Forstämtern und rund 400 Revieren knapp 80 Prozent dieser Waldflächen. Und die leiden: Borkenkäfer legen ihre Eier unter der Rinde der Fichten ab. Die schwarzen Altkäfer sowie ihre weißen Eier und Larven unterbrechen den Nährstofftransport von den Blättern in die Wurzeln. Der Baum stirbt. Wer abgeholzte Flächen wie am Platz »Schaa seu Köppsche« im Rosbacher Wald sieht (von denen es viele gibt), begreift, wie beängstigend das Verschwinden dieser vom Borkenkäfer befallenen Waldflächen mit ihren großen, teilweise über 45 Jahre alten Fichten ist. Begleitet wird das Fichtensterben von Schäden im Laubholz. Ursache für das Baumsterben ist die Trockenheit. Sie verändert die heimischen Wälder gravierend. cf

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