In Rosbach arbeiten Jagdpächter, Landwirte und die Stadt zusammen, damit ihr Appell an Spaziergänger, Reiter, Radfahrer und Hundehalter zu mehr Rücksicht Frucht tragen möge.
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In Rosbach arbeiten Jagdpächter, Landwirte und die Stadt zusammen, damit ihr Appell an Spaziergänger, Reiter, Radfahrer und Hundehalter zu mehr Rücksicht Frucht tragen möge.

Jagdpächter appellieren an Naturfreunde

Rosbach (sky). "Wir alle bewegen uns gerne im Freien" steht auf den zehn Schildern, die die beiden Nieder-Rosbacher Jagdpächter Heiko Blecher und Philipp Köster kürzlich in ihrem Revier aufgestellt haben.

Damit Jogger und Radfahrer, Reiter, Hundehalter oder Spaziergänger gemeinsam Erholung finden, haben sie zusammen mit den örtlichen Landwirten und der Stadt Hinweise und Verhaltensempfehlungen zusammengestellt und hoffen nun auf Beachtung.

Ein großes Problem sei zum Beispiel, dass viele Hundehalter ihre Vierbeiner abseits der Wege herumtoben lassen, ohne sich der Konsequenzen für die Landwirte oder wildlebenden Tiere bewusst zu sein. "Hundekot verunreinigt das Erntegut und somit die Nahrungs- und Futtermittel", sagte Köster. Er bewirtschaftet den "Mariannenhof" und hat unweit des Rosbacher Brunnens einen Teil seiner Äcker. Zudem sei nicht selten die Brut von Wildvögeln in Gefahr, wenn die – durch Hunde aufgescheuchten – Vogeleltern zu lange von ihrem Nest fernbleiben. "Wenn die Eier zu stark auskühlen, können keine Küken mehr schlüpfen."

Viele Wege durch Wiesen und Felder sind kein Allgemeingut, sondern größtenteils von den Landwirten angelegt und bezahlt, damit sie mit ihren Traktoren und Erntemaschinen ihre Felder erreichen können. "Natürlich haben wir nichts dagegen, dass auch andere darauf unterwegs sind, aber dann wünschen wir uns natürlich das nötige Umweltbewusstsein." Vor allem in den Brut- und Setzzeiten von Anfang März bis Mitte Juni sei es wichtig, Hunde an die Leine zu nehmen und nicht von den Wegen abzuweichen.

"Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen, dann lebt es sich einfach besser auf dieser Welt", sagt Blecher. Er kennt das große Konfliktpotenzial, das sich immer wieder aufbaut, nur zu gut. Dennoch will er nicht mit Verboten operieren, sondern im gegenseitigen Gespräch Verständnis wecken und auf lange Sicht mehr Verantwortungsgefühl bei den Erholungssuchenden erzeugen. "Wir setzen mit einer höflichen Bitte an, anstatt auf unserem Recht zu beharren."

"Wir wollen die Leute einfach aus ihrer Gedankenlosigkeit herausholen", sagt auch Hundebesitzer Reinhard Wörner. Sein Rauhaardackel Tino weiß, dass Herrchen gar nichts davon hält, wenn er auf eigene Faust durch die Gegend stromern würde. "Jeder Hundehalter kann sich eine Leine kaufen, damit ihre Lieblinge nicht überall frei herumlaufen", betont Wörner.

Umweltberater Heinz Sill erlebt beinahe täglich mit seinem Deutschen Wachtelhund Conny, wie wichtig es ist, dass Hundehalter Verantwortung übernehmen. Oft seien es die kleinsten oder schwächsten Naturbewohner, die leiden müssten. "Wird ein Reh angegriffen und schreit, dann werden die Menschen aufmerksam." Sei es aber ein kleiner Singvogel, werde seine Not manchmal gar nicht wahrgenommen. Deshalb sei es so wichtig, zum Beispiel mit einer Schilderaktion auf die Vielfalt der Erdenbewohner und ihre Bedürfnisse hinzuweisen.

"Verbote wirken schon deshalb weniger als erhofft, weil sie beim Gegenüber Abwehrhaltungen erzeugen", sagt auch Bürgermeister Thomas Alber, der kürzlich einige der neuen Schilder in Augenschein nahm. Zudem ergebe sich aus Verboten die Notwendigkeit einer Kontrolle, was bei der Größe des Reviers kaum machbar sei. (Fotos: sky)

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