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Waldspaziergang

Was hilft gegen das Fichtensterben im Rosbacher Wald?

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Das, was sich den Besuchern des Rosbacher Waldspaziergangs bietet, ist kein schöner Anblick: leidende und sterbende Bäume. Wie kann die Waldwirtschaft gegensteuern?

Große Sorgen bereitet der Wald zurzeit seinen Eigentümern. Und das hat gleich mehrere Ursachen. Beispielsweise die ungewöhnliche Trockenheit in den vergangenen zwei Jahren und der verheerende Befall der Bäume mit Insekten. "Das betrifft natürlich auch den Rosbacher Wald", erklärt der Revierförster Michael Knebel. Rund 60 Teilnehmer des Waldspaziergangs, zudem die Stadt Rosbach, der Heimatgeschichtsverein Rosbach und Hessen Forst eingeladen haben, lauschen seinen Aussagen. Die Schäden, vor allem bei Fichten, seien schon jetzt nach nicht einmal zwei Jahren enorm. "Das schlimmste aber ist, dass wir momentan immer noch ziemlich ratlos sind, wie diesem Naturereignis entgegengetreten werden soll", sagt Knebel.

Die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr habe den Prozess in Gang gesetzt. Die Bäume hatten nicht mehr genug Wasser, um Harz zur Verteidigung gegen die Schädlinge bilden zu können. Unter "normalen" Umständen wehrt sich ein Baum gegen Schädlinge, indem er sie mit Harz umhüllt und damit abtötet. Weil den Bäumen im vergangenen und auch in diesem Jahr wieder das nötige Wasser fehlte, können sie sich nicht gegen Buchdrucker, er ist einer der gefährlichsten Borkenkäfer, zur Wehr setzen.

Leidende Bäume im Rosbacher Wald: Maschinen fehlen

Um den Befall so gering zu halten und benachbarte Wälder zu schützen, müssen befallene Fichten schnellstmöglich entfernt werden. "Da setzt das nächste Problem an", berichtet der Förster. Die befallenen Bäume müssten sofort gefällt, entrindet und aus dem Wald geschafft werden, damit der Käfer keine Chance hat auf andere Bäume auszuweichen. Da in vielen Bundesländern und im benachbarten Ausland identische Probleme existieren, fehlt es an Personal und den entsprechenden Maschinen zum Holzaufarbeiten, zum Entrinden, Transport und zur Vermarktung. "Dies wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern", sagt Knebel. Zumal der Markt mit Fichtenholz übersättigt sei.

Den Vorschlag, zumindest das gefällte und aufgestapelte Holz mit Gift zu bearbeiten, wehrte für den Revierförster Bürgermeister Steffen Maar (parteilos), ebenfalls studierter Forstwirt, ab: "Es kämen Kontaktgifte zur Anwendung, die dann für alle Insekten zur Todesfalle würden. Wofür legen wir dann noch Blühstreifen für Insekten an, wenn wir ihnen nur ein paar Meter weiter mit Gift zu Leibe rücken."

Auch den gut gemeinten Tipp eines anderen Teilnehmers, die Bäume doch einfach gießen zu wollen, lehnte Knebel ab. Das sei weder personell zu stemmen, noch sollte kostbares Trinkwasser dafür geopfert werden. Das würde für andere Dinge dringender gebraucht. Es stellt sich die Frage, was kann gegen das zumindest teilweise Waldsterben unternommen werden? "Wir können die so entstandenen Freiflächen entweder der Natur überlassen oder aber für eine Vielfalt mit unterschiedliche Baumarten sorgen", erklärt Knebel. Fürs Aufforsten bieten sich nicht nur Eiche und Buche an, sondern auch Ahorn, Eschen, Ulmen oder die Douglasie. Auf die Waldbesitzer, in diesem Fall die Stadt Rosbach, würden dann erhebliche Kosten zukommen. Ein Hektar Eichenkultur schlage mit etwa 30 000 Euro für den Waldbesitzer zu Buche bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung. "Das werden wir sicherlich bei den nächsten Haushaltsberatungen berücksichtigen müssen", deutet Bürgermeister Maar erste Konsequenzen an.

Leidende Bäume in Rosbach: Wald hat sein Gesicht gewandelt

Bei diesem Rundgang gibt es noch einen dritten Forstfachmann: Ersten Stadtrat Heinz Sill. Er berichtet, dass die Gegend rund um den Saukopf schon oftmals ihr Gesicht gewechselt habe. Vor etwa 150 Jahren seien große Fläche des heutigen Waldes als Weiden genutzt worden. Als diese dann später nicht mehr gebraucht wurden, habe man den Wald nach seiner Wiederverwertbarkeit bewirtschaftet und hauptsächlich Fichten, die sich für Bauholz eigneten und deshalb stark nachgefragt waren, angepflanzt. Diesen Fehler solle man nicht mehr machen und stattdessen für mehr Vielfalt sorgen.

Wegen der Sorgen um den Wald fielen die Rückblicke des Heimatgeschichtsvereins, vorgetragen von Dr. Carsten Wenzel, zur Dicken Eiche oder zum Rosenkranz- und Marienweg recht kurz aus.

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