Helge Welker: "Den anderen fehlt oft die Weitsicht"

Rosbach v. d. H. (hed). "Zwischen 3 und 30 Prozent ist alles drin", sagt Helge Welker. Der 51-jährige Rosbacher, der für die Piratenpartei das Rathaus entern will, bezeichnet sich selbst als Realist. Wer in die Stichwahl am 7. Oktober kommt, von der Welker ausgeht, könne noch niemand sagen.

In Bad Vilbel, wo Welker 2010 bei der Bürgermeisterwahl antrat (und 1,8 Prozent holte), hatte er seine Plakate noch selbst gemalt. "Um auf die Hohlphrasen der Konkurrenz zu regieren." In seiner Heimatstadt probiert er es professioneller: "Helge wählen" steht auf den zahlreichen Plakaten, die im Stadtgebiet hängen. Wenn sie noch hängen: "20 Stück wurden kürzlich fein säuberlich abgemacht. Jugendliche waren das nicht", glaubt Welker.

Stempel, die ihm auch im Vilbeler Wahlkampf aufgedrückt worden seien, (Hartz-IV-Empfänger, Ex-Linker), würden in Rosbach nicht ziehen. "Hier kennen mich die Leute." Das Thema Linke sei für ihn durch, betont Welker. "Bei Frau Merkel sagt auch keiner: Die ehemalige Propaganda-Sekretärin der FDJ." Bei der Linken habe der reine Zentralismus geherrscht. "Bei jeder Entscheidung kam jemand aus Berlin, um zu sagen, wie man Politik zu machen hat." Das hätten er und andere Linke nicht mitgemacht.

Doch auch bei den Piraten, denen sich Welker Mitte 2010 anschloss, gibt es Karrieristen, erfuhr der 51-Jährige. Einige Piraten hatten die Rechtmäßigkeit seiner Kandidatur infrage gestellt und das Landesschiedsgericht angerufen. Der Vorwurf: Zur Abstimmung seien nur Rosbacher Piraten aufgerufen worden, es habe Unstimmigkeiten gegeben. "Es gab Leute, die nicht aus Rosbach kamen, aber mitwählen wollten. Schließlich hatten wir bei der Kommunalwahl das stärkste Ergebnis in Hessen", sagt Welker. "Erfolg bringt immer Neider." Das Piraten-Gericht wies die Klage ab, alles nachzulesen im Internet. Welker: "So ist das eben bei den Piraten. Hier wird alles offen kommuniziert."

Ihm gefällt das "einwandfrei basisdemokratische Prinzip" der Piraten. "Alle Mitglieder werden befragt, es gibt kein Delegiertensystem", betont Welker, der bei der Landes-AG Soziales mitarbeitet. Viele seiner Themen fänden sich im Programm wieder. Allen voran Bürgerbeteiligung. Die aber sollte nicht wie bei Amtsinhaber Detlef Brechtel ("Er trifft die Entscheidung und fragt: Was haltet ihr davon?") aussehen. Die Rosbacher und Rodheimer sollten im Vorfeld befragt werden. Zum Beispiel bei der "intrakommunalen" Zusammenarbeit. "Die Ortsteile müssen endlich zusammengebracht werden. Das ist nicht mit einige gemeinsamen Veranstaltungen getan." Werde den Ortskernen weiter Leben entzogen, verkomme Rosbach zur Schlafstadt, befürchtet Welker. Das wolle er verhindern. Er sei sowieso der einzige Kandidat, der auf seiner Homepage () nicht nur Phrasen verbreite. Seinen politischen Mitstreitern fehle oft die Weitsicht. "Wie bei der Gewerbesteuer. Ich habe als einziger die Probleme erkannt und eine moderate Erhöhung gefordert. Das wollte außer den Grünen keiner. Zwei Monate später dann wurde sie noch viel mehr erhöht.

" Schon gegen die einseitige Belastung der Eltern durch die Erhöhung der Kita-Gebühren sei er damals Sturm gelaufen. Sein Vorschlag einer neuen Sozialstaffelung werde noch im Ausschuss diskutiert. Im Bereich der Seniorenbetreuung sei es mit dem Bau des Altenheims nicht getan, auch die Jugendarbeit sei ausbaufähig, findet er. Bei allem gelte: "Man sollte sich auskennen". Er habe den Vorteil, aus Rosbach zu kommen und die politischen Themen zu kennen – ein Vorsprung, den ein Thomas Alber nicht habe.

Der Vater dreier erwachsener Söhne, die alle einen akademischen Bildungsweg eingeschlagen haben, arbeitet ehrenamtlich beim Deutschen Kinderschutzbund, in der Hausaufgabenbetreuung an der Henry-Benrath-Schule in Friedberg. Hier könne er besonders Kindern mit Migrationshintergrund helfen, Bildung zu erhalten. Welker war bis 2002 als Account- und Routen-Manager bei einer Telekommunikationsfirma in Frankfurt beschäftigt. "Ich habe international mit Telefonminuten gehandelt." Beruflich wieder einsteigen würde er. "Wenn ein Unternehmen dazu bereit ist, angemessen zu bezahlen."

Was Welker zur Agenda 2010, zum Arbeitsmarkt überhaupt und zu seinen Vorstellungen für Rosbach zu sagen hat, kann man am 7. September erfahren, an Welkers 52. Geburtstag. Dann wird der Pirat auf dem Bauernmarkt Luftballon-Säbel verteilen und sich den Einkäufern vorstellen. Auf die Frage nach seinem Traumberuf wird er antworten: "Bürgermeister von Rosbach werden."

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