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Gesang und Gebabbel an der Wasserburg

  • VonChristine Fauerbach
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Rosbach (cf). »Mein Radio singt auf Englisch. Es klingt ja gut, aber manchmal würd ich gern wisse, was die so singe.« Das bekennen zwei waschechte Wetterauer »Bouwwe« auf der Open-Air-Kulturbühne an der Wasserburg. Die Gefahr, dass das Publikum Dennis Schulz aus Oppershofen und Marcel Heller aus Ober-Wöllstadt bei ihrem Auftritt in Nieder-Rosbach nicht versteht, besteht nicht.

Kein Wunder, denn beim Rosbacher Mundartabend saßen Fachleute vor der Bühne. Die verstanden jedes Wort, das die beiden Jungs des Wetterau-Podcasts »Afterhour Eierbagge« mit Moderator Jan Philipp Repp wechselten. Und auch jede Silbe ihrer Musikeinlage mit Landleben-Rock und Liedern, in denen sie das Leben im Ort beschreiben, kam beim Publikum an. Verstärkt wurde das Duo durch Sängerin Fabienne Konrad, die die Steirische Harmonika spielte. Bei Liedern wie dem »Wetterauer Hitzesong« klatschte das Publikum den Takt und steuerte vielstimmig den Refrain bei. Das regionale »Wir-Gefühl« vermittelten an diesem Abend alle Interpreten. Mal mit Gebabbel, mal mit Gesang.

Zu ihnen gehörten Johannes Schäfer aus Rodheim. Der Landwirt und Büttenredner rezitierte Dialekt-Gedichte über einen »Mähdrescherfahrer«, einen arbeitsscheuen Wetterauer oder schilderte, wie das Leben früher in Rodheim war. Danach gehörte die Bühne einem bekennenden Hosenträger in Gestalt von Martin Schnur. Der Wetterauer Kulturpreisträger 2014 punktete als Gitarrist und mit Eigenkompositionen beim Publikum. Seine zwei Versionen von »Ein Abend auf’m Dorf« mit der Erkenntnis »neue Besen kehren gut, aber ein alter Besen weiß genau, wo der Dreck liegt« über Besserwisser (»des kann nix werrn«) oder ein Geheimnis: »Alle woll’n alles, was die annern alle hawwe« wurden lautstark mitgesungen. Beim ersten Lied des Friedbergers klatschten die Zuhörer begeistert den Takt. Und jeder war mit seinen Thesen »Wammer hey so schwätzt, wie mer schwätzt - dann ist recht« und »De beste Flamenco, des is wirklich wahr, den gibt’s hier bei uns in de Werrera« restlos einverstanden.

Auf eine Zeitreise in »die gute alte Zeit« nahmen Margot Mehring als Tochter und Ute Veit als ihre Mutter ihre Zuhörer mit. Die Tochter informierte ihre in der Kur weilende Mutter über Vorfälle und Neuigkeiten im Ort. Das Duo aus den Reihen des Rodheimer Heimat- und Geschichtsvereins (RHGV) informierte seine Zuhörer darüber, dass Amazon früher Quelle und Neckermann hieß. Und rezitierte vom Alsfelder und Gießener Heimatdichter Lutz Dönges das Gedicht »Innerweeks bassiert«, von Friedrich Stoltze die Geschichte »Gans mit Kadoffele« und von Erich Stümpfig »Es Stache«.

Einen Blick zurück auf die schwierigen Verhandlungen im Rahmen der Gebietsreform warfen vier Mitglieder der Theatergruppe »1200 Jahre Rodheim« und drei von den Nieder-Rosbacher Rambelichtern. Dem bis heute nicht verrauchten Ärger über die Politiker in Wiesbaden und die zuvor gescheiterten Verhandlungen mit Burgholzhausen ließen die Rodheimer freien Lauf.

Wie Rodheim zu Rosbach kam

Auch die Verhandlungen mit Nieder- und Ober-Rosbach, die am 1. August 1972 zur Eingemeindung in die Stadt Rosbach führten, seien nicht einfach gewesen. Allein die Namensfindung vor der Fusion sei eine Herausforderung gewesen. Sein Bühnendebüt feierte dabei mit 91 Jahren der Rodheimer Paul Groetsch. Musikalisch ausklingen ließ den für Insider vergnüglichen Mundartabend das »Eintracht Quintett plus« aus den Reihen des Gesangvereins »Eintracht Rodheim 1842«. Wie Lead-Sänger Frank Demmer verriet, handelte es sich beim »Plus« um Musikerin Kerstin Baudisch, die ihre Kollegen mit Gitarre und Maultrommel verstärkte.

Zum Programm des »Eintracht Quintett plus« gehörten Ohrwürmer wie der »Handwäsche Blues« oder »Sein die Weck weg. Ja, die son all all«. Mit Musik, Gesang, Gebabbel und Spezialitäten aus der Wetterau ließen die Liebhaber des heimatlichen Zungenschlags den Abend Revue passieren und ausklingen.

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